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Dresdnerin hilft in Kinderheimen in Kenia

Dresdnerin hilft in Kinderheimen in Kenia

Harte Arbeit und wenig Komfort statt All-you-can-eat am Palmenstrand: Das ist "Urlaub" im afrikanischen Kinderheim. Anne Dreyer aus Dresden hat ihren letzten Jahresurlaub so verbracht, im Einsatz für eine Hilfsorganisation hat sie in zwei Kinderheimen mitgearbeitet.

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Autorin Anne Dreyer zusammen mit Paul, Theresa und "Simba". Die Freude der Kinder sei ihr Lohn genug für alle Mühen, sagt sie. Die Dresdnerin hatte ihren Jahresurlaub in afrikanischen Kinderheimen verbracht, um dort zu helfen.

Quelle: privat

Es waren anstrengende Wochen, aber sie sagt: "Mein Lohn: strahlende Kinderaugen und viele neue Eindrücke, die meinen Blick auf unsere schöne Welt von Grund auf ändern." Für die DNN hat sie einen typischen Tagesablauf in Kibiku aufgeschrieben.

7:23

Kibiku, einige Kilometer von Nairobi entfernt, die kenianische Sonne scheint ins Fenster: Es ist Zeit zum Aufstehen. Ich wohne hier mit zwei weiteren Volunteers (Freiwilligen) in einer kenianischen Familie. Ich teile mir ein Zimmer mit Agnes aus Österreich, im Raum nebenan wohnt Chang aus China. Das Haus gehört Lucy, der Leiterin der beiden Kinderheime, in denen ich arbeite. Sie, ihr Mann Duncan, ihre Kinder Wambui und Moses schlafen noch, als ich mich im kleinen Bad für den Tag zurechtmache. Es gibt fließend Wasser, gespeist aus einer großen Zisterne, und eine richtige Toilette - echter Luxus.

8:15

Zum Frühstück gibt es gewöhnungsbedürftigen kenianischen Milchtee, Toastbrot mit Erdnussbutter und Marmelade. Wenn eine der Frauen, die im Haus arbeiten, Zeit hat, gibt es auch Pancakes oder French Toast, bei uns heißt es Plinsen und Arme Ritter. Es kann allerdings auch passieren, dass das Frühstück nur aus Toast mit Butter besteht. Auch das ist in Kenia für viele Menschen schon eine üppige Mahlzeit.

9:55

Wir fahren mit dem Auto der Familie, einem alten Kleinbus, über ausgefahrene Buckelpisten ins Kinderheim. Lucy hat in den vergangenen 20 Jahren zwei Kinderheime gegründet: In Gathiga leben derzeit 96 Kinder, in Kihara sind es 58, von denen viele HIV-positiv sind. Die jüngsten Kinder sind etwa drei Jahre alt, die ältesten Anfang 20. Bei vielen kann man das Alter nur schätzen, weil sie ihren Geburtstag gar nicht kennen. Heute geht es nach Gathiga. Dort erwarten uns die Kinder schon. Die Größeren sind tagsüber in der Schule, die Kleineren sind im Heim und werden einige Stunden in einer Art Vorschule unterrichtet. Das Alphabet und die Zahlen bis 100, einfache Schreibübungen und kleine Rechenspiele - die Kinder sind wissbegierig und haben Spaß beim Lernen.

Ich übe mit ihnen und helfe der Lehrerin. In den Pausen spielen wir zusammen oder wir kuscheln einfach und lachen. Die Kinder haben ausnahmslos traurige Schicksale. Sie sind Waisen, wurden verlassen, lebten unter schlimmsten Bedingungen oder auf der Straße. Hier in den Heimen dürfen sie wieder Kind sein. Man hört viel Lachen und Schreien, beobachtet ihre kreativen Spiele und den liebevollen Umgang miteinander. Sie leben hier in Sicherheit und ohne Angst, gehen zur Schule und bekommen so eine Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft. Das ist das größte Geschenk, das man ihnen machen kann.

11:00

Das Mittagessen muss aufwändig vor- und zubereitet werden. Lebensmittel kauft man hier auf dem Markt. Gekocht wird in der Regel am offenen Feuer, was lang dauert und mit unangenehmem Rauch verbunden ist. In den Kinderheimen gibt es kleine Küchengebäude mit großen Öfen. Ein winziges Loch im Dach dient als Rauchabzug. Dort ist es meist so stickig und verraucht, dass ich es nur wenige Sekunden aushalte. Das Essen in den Heimen besteht aus Reis, Mais und Bohnen. Anders als in Deutschland kann man diese Zutaten jedoch nicht einfach aus der Verpackung nehmen und kochen. Mehrere Stunden verbringen wir jeden Tag damit, Steine, Schmutz, ungeschälte Körner, Ungeziefer und ähnliches herauszulesen.

Es gibt auch Lebensmittel besserer Qualität. Die kann sich so ein Kinderheim jedoch nicht leisten. Das gilt auch für Gewürze, was bedeutet, dass das Essen meist weitestgehend geschmacklos ist. Aber die Kinder bekommen drei Mahlzeiten am Tag und können sich satt essen. Das ist das Wichtigste und in Afrika keine Selbstverständlichkeit.

13:23

Nach dem Mittagessen und einer kurzen Pause, waschen wir bei30 Grad Celsius die Wäsche der Kinder. Bei fast 100 Kindern kommt jeden Tag ein riesiger Berg zusammen. "Wir wollen, dass die Kinder sauber und gut angezogen sind", sagt Mama Viktor, eine der Frauen im Heim. "Deswegen waschen wir jeden Tag." Gewaschen wird mit der Hand, einer Bürste und einfacher Seife. Das Wasser muss mit dem Eimer vom Brunnen herangeschleppt werden. Die Kleidungsstücke werden nacheinander in mehreren Bottichen geschrubbt. Man steht gebückt in der brennenden Sonne - es ist unglaublich anstrengend. Das Leben hier ist so viel beschwerlicher. Es gibt Strom, aber keine Wasserversorgung, keine Abwasseranlage, keine Müllabfuhr. Im Alltag ist vieles körperlich schwere Handarbeit und sie wird zum Großteil von den Frauen erledigt.

15:08

Nach dem Waschen sitze ich mit den Frauen im Schatten. Wir sprechen in einer Mischung aus Englisch und Swahili über das Heim und unsere persönlichen Geschichten. Sie haben viele Fragen über Deutschland und meine Heimat. Dinge wie Wasch- oder Spülmaschine sind für sie faszinierend. Aber auch unsere soziale Absicherung und die vielen beruflichen Möglichkeiten in Deutschland sind wichtige Gesprächsthemen.

Sie selbst erzählen mir viel über ihre kleinen Freuden, aber auch über das Leben in Armut, über HIV und AIDS. Die Lehrerin im Heim spricht heute über ihre Schwierigkeiten, sich und die fünf Kinder als Witwe durchzubringen. Sie wohnt gleich in der Nähe, also beschließe ich, sie zu besuchen. Wir gehen wenige Minuten zu ihrer winzigen Hütte aus Wellblech. Darin leben sechs Menschen! Die Kinder schlafen alle in einem Bett. Keine Küche, kein Bad, Toilette im Hof. Jetzt am Nachmittag ist es unerträglich heiß, nachts wird es jedoch häufig sehr kalt. Sie erzählt mir, dass sie für dieses kleine Haus umgerechnet 150 Euro Miete zahlt. Dafür bekommt man in Prohlis oder Gorbitz schon ein hübsches kleines 1-Zimmer-Apartment. Das ist wirklich eine ganz andere Welt.

16:31

Zurück im Heim fängt es an zu regnen. Die kleine Mary, drei Jahre, klettert auf meine Knie. Der Kopf wird ihr schwer, ich lege ihn an meine Schulter. Nach ein paar Minuten ist sie in meinen Armen eingeschlafen. Um uns herum spielen die anderen Kinder, der Regen prasselt auf das Wellblechdach und die Kleine schlummert in meinem Schoß.

17:00

Am späten Nachmittag werden wir Volunteers wieder abgeholt. Die Wege sind vom Regen schlammig und aufgeweicht. Das Ruckeln und Schütteln wird so immer wieder durch angenehme Sekunden des Gleitens unterbrochen. Zum Einkaufen breche ich mit Agnes gleich wieder auf nach Wangige. Das ist der nächstgrößere Ort und der Marktplatz der Region. Wir laufen bis zur asphaltierten Straße und halten ein Matatu an, einen privaten Kleinbus. Normalerweise haben 13 Personen darin Platz. Diesmal sind wir sage und schreibe 24 Menschen! Zum Glück dauert die beengte Fahrt nur einige Minuten. Fahrpreis: umgerechnet zehn Cent. Auf dem Markt und in einem kleinen Supermarkt kaufen wir Marmelade fürs Frühstück, frische Mangos, Orangen und Bananen. Das Obst ist sehr günstig und schmeckt hervorragend. Außerdem trägt jede von uns noch fünf Liter Wasser, unsere Ration für die nächsten drei Tage. Vielleicht würde ich das Wasser aus Brunnen und Zisternen sogar vertragen, aber ich möchte es nicht darauf ankommen lassen. Durchfallerkrankungen sind hier gang und gäbe. Zurück im Haus dusche ich unter einem kochend heißen, aber spärlichen Strahl und helfe der Familie beim Abendessenmachen.

19:44

Im Haus ist mit einem Mal alles dunkel, der Strom ist ausgefallen. Zum Glück sind es nur wenige Minuten. Wenn man Pech hat, bleibt das Licht jedoch für Stunden oder gar Tage aus.

20:11

Zum Abendessen gibt es Kochbananen und Krautgemüse. Mit vielen Gewürzen und frischem Koriander ist das sehr lecker. Manchmal gibt es auch Chapatis (dünnes Fladenbrot) und Gemüse dazu. Das mag ich am liebsten.

21:00

Nach dem Essen gibt es noch einmal Milchtee. Ich bin schon wieder furchtbar müde. Die Tage sind heiß und anstrengend. Zum Glück wird es nachts angenehm kühl, sodass man gut schlafen kann. So kuschele ich mich in meinen Schlafsack. Draußen stimmen die zahlreichen Hunde der Nachbarschaft wieder ihr allabendliches Konzert aus Heulen und Bellen an, langsam übermannt mich der Schlaf. Gute Nacht, Kenia!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.03.2013

ANNE DREYER

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