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Dresdner und Migranten feiern ausgelassenes Fest im Albertinum

„Meet new friends“ Dresdner und Migranten feiern ausgelassenes Fest im Albertinum

„Achmachallachach“, kratzt AnnaMateur mit kehliger Stimme ins Mikro. „So klingt Arabisch für mich. Und wie klingt Deutsch für euch?“ Alteingesessene und neu hinzugekommene Dresdner haben sich kennengelernt und gefeiert.

Quelle: Tanja Tröger

Dresden. „Achmachallachach“, kratzt AnnaMateur mit kehliger Stimme ins Mikro. „So klingt Arabisch für mich. Und wie klingt Deutsch für euch?“ Ein Syrer springt spontan auf die Bühne, macht unverständliche Geräusche, schiebt ein „Ich weiß nicht“ dazwischen, versucht das deutsche „ch“ einmal hart und einmal weich auszusprechen und zählt dann mit gespielter Anstrengung die Umlaute ä, ö, ü auf. Schallendes Gelächter ringsum, Beifall. Alle Migranten wissen, wie schwer es ist, eine völlig fremde Sprache zu erlernen. Und die anwesenden Dresdner beklatschen nicht nur diese Lernleistung, sondern auch den Mut und das Schauspieltalent des jungen Mannes am Mikro. Als dann AnnaMateur, begleitet von den Banda-Comunale-Blechbläsern, eine recht freie Interpretation einer arabischen Weise anstimmt, gibt es fürs Publikum kein Halten mehr – auch wenn der arabische Wortschatz der Dresdnerin hauptsächlich aus „yalla yalla“ und „Habibi“ besteht. Erst wagt sich ein Mann vor die Bühne und tanzt mit ausgebreiteten Armen, zwei junge Syrer kommen hinzu. Schnell wächst die Gruppe an, die Männer klatschen zur Musik, schwenken lachend bunte Schals, nehmen ihre Landsleute auf die Schultern und rufen rhythmisch „Syria“ und „Allemannia“. Spätestens da macht das Begegnungsfest seinem Motto „Meet new friends“ alle Ehre.

Mehrere Tausend Dresdner und Migranten feierten ausgelassen im Albertinum. Fotos: Tanja Tröger / Dietrich Flechtner

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Mehrere Tausend alteingesessene und neu hinzugekommene Dresdner haben sich am Sonntagnachmittag im Albertinum getroffen, um sich kennenzulernen und gemeinsam zu feiern. Etliche Dresdner Vereine, Kulturinstitutionen und Sportvereine präsentierten sich mit ihren Angeboten und verteilten Hunderte kostenlose Gutscheine an deutsch-ausländische „Tandems“: Migranten und Dresdner sollen gemeinsam Kultur- oder Sportveranstaltungen besuchen oder ins Restaurant gehen können, so die Idee dahinter.

Das Angebot kam bestens an: Fahim Ahmadi aus Afghanistan, seine Frau und drei Kinder beispielsweise werden am kommenden Sonnabend zusammen mit Maureen Möwes den Dresdner Zoo besuchen. „Die Familie wollte gern in den Zoo gehen und hat noch einen Paten gesucht, der mitgeht“, erzählt Möwes. „So haben wir uns zusammengefunden, einen Tag und eine Zeit ausgemacht.“ Nun schlendern Ahmadi und Möwes noch gemeinsam durch die Ausstellungen im Albertinum, denn Frau und Kinder des Afghanen sind im Fest-Getümmel verschwunden. „Mein Sohn spielt Fußball, Tischkicker, und wo meine Frau gerade ist, weiß ich nicht“, sagt Ahmadi lachend.

Viel mehr als die erwarteten 2000 Gäste sind am Sonntag ins Albertinum gekommen – oder treffender: haben sich hineingekämpft. Eine dicke Menschentraube hatte sich vor dem Eingang gebildet, wer rein wollte, musste mitunter eine halbe Stunde Wartezeit in Kauf nehmen.

Dass die Idee des Begegnungsfestes so gut ankam, sorgte bei den Organisatoren vom Verein „Dresden – Place to be“, der Cellex-Stiftung und den Staatlichen Kunstsammlungen für strahlende, wenn auch geschaffte Gesichter. „Das ist überwältigend“, freute sich Elisabeth Ehninger von „Place to be“. „Das zeigt, welch große Weltoffenheit die Dresdner Bürger haben und wie stark das Bedürfnis ist, in Kontakt mit Flüchtlingen und Migranten zu kommen.“ Auch unter den Neu-Dresdnern sei das Bedürfnis sehr groß, in der Stadt anzukommen, mal die engen vier Wände zu verlassen, etwas Schönes zu erleben und auch Menschen in der gleichen Lebenssituation kennenzulernen, ergänzt sie. „Dass die Dresdner in persönlichen Kontakt mit Migranten kommen, das könnte noch viel häufiger stattfinden“, hofft Ehninger.

Das abschließende Konzert der „Banda Internationale“, also der Dresdner Bläser mit Musikern aus Nahost und dem Balkan, bot noch eine schweißtreibende Gelegenheit dazu: Alt- und Neu-Dresdner tanzten, hüpften und klatschten gemeinsam wie wild zur Musik.

Von Tanja Tröger

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„Meet new Friends“
Hilke Wagner, Direktorin des Albertinums, Elisabeth Ehninger, Vorsitzende von „Dresden – Place to be“ und Rainer Ordemann, Vorsitzender des Stiftungsrats der Cellex Stiftung.

Unter dem Motto „Meet new Friends“ findet am kommenden Sonntag ein großes Begegnungsfest für Flüchtlinge und Leute von hier im Dresdner Albertinum statt. Sie können dort als Tandem-Partner zusammenfinden und kostenlos gemeinsam eines der offerierten Angebote besuchen.

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