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Dresdner reagiert allergisch auf Kälte – und meidet fortan Erfrischungen in Bergseen

Schneeengel nur im Schutzanzug Dresdner reagiert allergisch auf Kälte – und meidet fortan Erfrischungen in Bergseen

Berge, Sonnenschein, gute Freunde. Für Samuel Meier* hätte der Urlaub in Österreich nicht besser laufen können. Bis der 26-Jährige sich für eine spontane Abkühlung entschied. Den Sprung in einen Bergsee hätte der Dresdner beinahe mit seinem Leben bezahlt. Schuld ist eine seltene Allergie.

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Dr. André Koch erklärt seinem Patienten das neue Gerät, das standardisiert Temperaturen von vier bis 44 Grad entwickelt. So kann der jeweilige Schwellenwert ermittelt werden und das Risiko konkret eingeschätzt werden.

Quelle: Sabine Hunger/KH Friedrichstadt

Dresden. Berge, Sonnenschein, gute Freunde. Für Samuel Meier* hätte der Urlaub in Österreich nicht besser laufen können. Bis der 26-Jährige sich für eine spontane Abkühlung entschied. Den Sprung in einen Bergsee hätte der Dresdner beinahe mit seinem Leben bezahlt. Schuld ist eine seltene Allergie.

„Es war sehr warm, wird sind alle in den See gestürzt und zu einer Insel geschwommen. Schon dort habe ich Kreislaufprobleme bekommen, mein Oberkörper juckte und war von Pusteln bedeckt“, erinnert sich Samuel Meier an den Junitag vor einem Jahr. Schließlich wieder an Land, schaffte er noch genau zwei Schritte, bevor er bewusstlos zusammensackte. Seinen Freunden, die den Rettungsdienst alarmierten, ist es zu verdanken, dass der 26-Jährige noch am Leben ist.

Er leidet an Kälteurtikaria, eine durch kühle Temperaturen ausgelöste Pseudoallergie. Diese Erkrankung gehört zu den so genannten physikalisch ausgelösten Pseudoallergien, bei denen sich die Haut auch durch Sonnenlicht oder Hitze verändert. Bei Samuel Meier löst ein Kältereiz die Freisetzung von Histamin und anderen Botenstoffen aus. An der Stelle, an der die kühlen Temperaturen einwirken, bilden sich innerhalb kurzer Zeit stark juckende Quaddeln – ein noch relativ harmloses Stadium der allergischen Reaktion. Denn auch erhöhter Puls, Blutdruckabfall, stechende Kopfschmerzen, Atemnot und ein Kreislaufschock können die Folge sein – im schlimmsten Fall mit tödlichem Ausgang.

Bis der 26-Jährige diese Diagnose bekam, vergingen allerdings ein paar Monate. Zunächst hielt er den Vorfall in Österreich für ein einmaliges Erlebnis. Erst der Zufall half bei der Suche nach einer Erklärung. Und der betrat in Person seiner Oma die Bildfläche. Die schaute sich gemeinsam mit dem Enkel nämlich eine MDR-Sendung an, in der eine Kälteallergie-Betroffene von ihren Symptomen erzählte. „Da dachte ich mir: So habe ich das auch erlebt. Meine Hautärztin hat mich dann schließlich ins Krankenhaus-Friedrichstadt überwiesen“, erzählt der Dresdner.

Hier kam er im Juni dieses Jahres in die Hände von Hautarzt und Allergologe Dr. André Koch. Zwei bis drei Patienten mit dieser Erkrankung behandelt er pro Jahr in der Friedrichstädter Klinik. Langsam testet er sich bei den Betroffenen vor, macht zunächst einen Test mit einem Eiswürfel. „Der Großteil der Patienten reagiert bereits auf diesen physikalischen Reiz“, sagt der Oberarzt. Bei Samuel Meier allerdings war ein Unterarm-Kaltbad von etwa fünf Grad nötig, bis er die typischen Reaktionen zeigte. Das Ergebnis: Bei Reizen unter zehn Grad liegt sein so genannter Schwellenwert.

Großartig beeinträchtigt fühlt sich der Dresdner in seinem Alltag nicht. Zwar bildet er an den Händen Quaddeln aus, wenn er bei Nieselregen ohne Handschuhe auf dem Moped unterwegs ist. Auch im Winter auf dem Rad reagiert er an den Stellen, die dem kalten Wind ausgesetzt sind. „Aber ich habe auch schon mehrere Stunden bei Minusgraden draußen verbracht. Kälte, die sich von innen ausbreitet, bereitet keine Symptome.“ Eisessen, in normal temperierte Seen hüpfen, den Kühlschrank abtauen: Kein Problem. „Wenn man es weiß, kann man sich auch darauf einstellen. Dann ist das Risiko schon im weitesten Sinne gebannt“, so Dr. Koch.

Die gute Nachricht: Die Kälteurtikaria muss sich nicht zu einer chronischen Erkrankung entwickeln. Dabei hilft die begleitende Einnahme von Antiallergika, die die Histamin-Ausschüttung dämpfen. Im Schnitt leiden Betroffene vier bis fünf Jahre daran. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr.

Für die Suche nach der Diagnose steht den Friedrichstädter Medizinern als ersten in ganz Dresden ein neues Gerät zur Verfügung. Mit einem bogenförmigen Draht, der gleichzeitig, aber abschnittsweise zwischen vier und 44 Grad warm wird, kann Dr. Koch den Schwellenwert des entsprechenden Patienten ermitteln. Mit einer Schablone testet er nach dem Durchlauf, an welcher Stelle der Betroffene reagiert – und weiß so, welche Temperaturen fortan gemieden werden sollten.

*Name geändert

Von Christin Grödel

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