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Dresdner plant App für Flüchtlinge

Per Smiley zum SuperJob Dresdner plant App für Flüchtlinge

Eine App soll Flüchtlingen künftig die Suche nach einem Job erleichtern. „Wir haben ein Konzept entwickelt, bei dem wir das Potenzial und die Motivation von Menschen erfassen und so in passende Jobs vermitteln können“, sagte Jan Nast, der Gründer des Projektes „SuperJob“.

Der Syrer Khaled Al-Abbas (l) und Alexander Nast.

Quelle: dpa

Dresden. Die Frage nach dem Sinn des Lebens hat sich Alexander Nast oft gestellt: „Wo geht meine Reise hin? Das habe ich lange nicht gewusst“, räumt der 27 Jahre alte Dresdner freimütig ein. Inzwischen hat er die Frage für sich beantworten können. Entstanden ist ein Projekt, das anderen Suchenden helfen soll: Nast und ein Team von 26 Mitstreitern wollen eine App anbieten, mit der Flüchtlinge - nicht nur in Sachsen - den passenden Job finden können. „Da liegt so viel kreatives Potenzial brach“, sagt er. Die „SuperJob“-App soll über Crowdfunding finanziert werden. Nur ein Bruchteil der benötigten Summe ist bisher zugesagt.

Nasts Lebensweg ist ein Beleg dafür, dass auch diejenigen etwas erreichen können, die etwas schwerer aus dem Startblock kommen. Mit der Schule tat er sich anfangs schwer. Später versuchte er sich in verschiedenen Berufen, auch in der Hotellerie und bei der Bundeswehr. Die eigentliche Reifezeit erlebte er im Ausland. Über den Europäischen Freiwilligendienst arbeitete er in Großbritannien, später auf den Philippinen: „Wir haben Kinder mit Puppentheater auf Umweltprobleme wie die Müllentsorgung aufmerksam gemacht.“

Zurück in der Heimat wollte sich Nast um jene kümmern, die in vielen Belangen benachteiligt sind und es schwerer als andere haben: Flüchtlinge. Mit einem jungen Somalier zog er durch Dresden, um ihm einen Job in einer Kfz-Werkstatt zu vermitteln. Der junge Mann hatte in der alten Heimat im gleichen Gewerbe gearbeitet. Doch in Dresden wollten ihn auch diejenigen nicht nehmen, die Leute brauchten. Nast ist sich nicht sicher, in welchem Maße die Hautfarbe eine Rolle spielte. Schließlich gibt es mehr Gründe, warum Betroffene scheitern.

„Viele kommen ohne Zeugnisse oder Zertifikate her“, sagt der Dresdner. Deren Kompetenzen könnten gar nicht eingeschätzt werden. Die Sprache komme als Problem dazu: „Für die Integration wäre es vermutlich am besten, wenn man die Leute auch ohne große Sprachkurse einstellen würde. Denn im unmittelbaren Kontakt mit Kollegen und ihrem Umfeld lernen sie am schnellsten.“ Andererseits weiß Nast, dass sich viele Unternehmer rechtlich absichern müssen. Was passiert, wenn einer den Arbeitsschutz missachtet, weil er Deutsch nicht versteht?

Das Problem hat Khaled Al-Abbas nicht. Der junge Syrer kam schon vor ein paar Jahren nach Deutschland, nachdem der syrische Geheimdienst wegen seiner humanitären Aktivitäten nach ihm fahndete. Al-Abbas (25) verkörpert das, was die Plattform erreichen will. Vor zwei Jahren begann er bei der Deutschen Telekom eine Ausbildung als Fachinformatiker. „Ich möchte meine Ausbildung so schnell wie möglich abschließen und in der Firma mehr leisten als gefordert“, sagt der junge Mann, der inzwischen fließend Deutsch spricht.

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise arbeitete Al-Abbas als freiwilliger Sozialbetreuer und Dolmetscher in Unterkünften für Asylsuchende. Inzwischen ist er auch ein paar Stunden pro Woche als Kundenbetreuer für Flüchtlinge bei der AOK Plus tätig: „Ich hoffe, meine Zukunft mit den Mitteln, die Deutschland mir gibt, bestmöglich zu gestalten und ein aktives Mitglied in der Gesellschaft zu sein.“ Deshalb macht er auch gern bei der Jobsuche-Plattform mit. Al-Abbas will, das möglichst viele seiner Landsleute eine Chance bekommen. So wie er.

Nast hat sich ausgiebig auf seine Mission vorbereitet. Er absolvierte eine Coaching-Ausbildung und Strategie-Seminare, traf Psychologen und Personalmanager. Inspiration fand er bei einer Methode, mit der Auswege aus der Midlife Crisis gefunden werden sollen. Die Betroffenen werden dabei quasi auf ihre Jugendzeit zurückgeführt und befragt, in welchen Situationen und bei welchen Tätigkeiten sie besonders glücklich waren. Auf diese Weise kann es gelingen, positive Impulse auszulösen und sie für das weitere Leben zu nutzen.

„Wir haben die Methode umgedreht. Junge Flüchtlinge besitzen noch keine Berufserfahrung, stehen ja ganz am Anfang ihres Weges“. Deshalb habe man Berufe analysiert und motivierte Mitarbeiter in Firmen interviewt. „Wir wollten herausfinden, was das zufriedene Lächeln nach Dienstschluss auslöst“, beschreibt Nast disen Ansatz. Er verweist auf einen Spruch Albert Einsteins: „Jeder ist ein Genie! Aber wenn Du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist.“

Bevor sich die Flüchtlinge gezielt bei einem Unternehmen bewerben können, müssen sie ihren Traumjob herausfinden und mit den eigenen Fähigkeiten abgleichen. Das geschieht mit einem Frage-Antwort-System und praktischen Aufgaben. Wer die volle Smiley-Zahl erreicht, scheint für den Job prädestiniert. „Die Leute finden heraus, welche Jobs ihnen Freude machen und sind dann besonders motiviert. Am Ende braucht es nur noch einen Klick, um mit dem ausgewählten Unternehmen Kontakt aufzunehmen.“

Doch bis es soweit ist, brauchen Nast, Khaled Al-Abbas und die anderen neben Zeit noch eine Menge Geld. „Mit 77 777 Euro können wir in 6 Monaten unsere App auf den Markt bringen“, heißt es auf der Crowdfunding-Seite Startnext. Rund 1500 Euro kamen bis zum Dienstagabend zusammen.

„Jetzt brauchen wir mutige Unternehmen, die das Potenzial dieser Form von Berufsorientierung sehen“, sagt Nast. Ohnehin sei er überzeugt, dass die klassische Personalrekrutierung künftig nicht mehr funktioniert: „Die Welt hat sich geändert. Firmen sind heute mehr denn je auf motivierte Mitarbeiter angewiesen.“ Das Ziel des Teams ist groß - und reicht weit über Sachsen hinaus: Bis 2020 wollen die Dresdner mindestens einer Million Menschen helfen, den perfekten Job zu finden.

Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) ist von dem Projekt begeistert: „Ich finde die Idee, junge Flüchtlinge und Jugendliche mit potenziellen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern auf diese Weise zu vernetzen, einfach toll und würde mich sehr freuen, wenn die Umsetzung gelingt.“ Für eine gelingende Integration sei ein Job sehr wichtig: „Denn eine Arbeit zu haben bedeutet so viel mehr. Es ermöglicht das tatsächliche Ankommen in unserer Gesellschaft, es schafft den direkten Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen und fördert dabei auch gegenseitig Akzeptanz und Respekt.“

Derzeit sind nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Sachsen 5900 Flüchtlinge arbeitslos gemeldet. „Die meisten von ihnen haben keinen Berufsabschluss, wie wir ihn kennen, und können deshalb nur im Helferbereich arbeiten“, sagte der Sprecher der Regionaldirektion Sachsen, Frank Vollgold. Zwei Drittel der arbeitslosen Flüchtlinge seien jünger als 35 Jahre.

„Die größten Herausforderungen bei der Integration liegen in den Bereichen Sprache, Qualifikation sowie Werte und Kultur. Für den einzelnen kann die Integration ein langer Weg werden“, so Vollgold. Frühere Studien würdem belegen: Innerhalb von fünf Jahren konnten 50 Prozent der Flüchtlinge integriert werden.

dpa

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