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Dresdner in Afrika: Ärzte versorgen Menschen in Tansania

Dresdner in Afrika: Ärzte versorgen Menschen in Tansania

Was tun, wenn ein Knochenbruch zum Lebensrisiko wird? Wenn sich Verbrennungen großflächig über den Körper winden? Wenn Finger festwachsen und eine Gaumenspalte die Nahrungsaufnahme verhindert? Tausende Menschen in Tansania sind medizinisch unterversorgt.

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Oberarzt Christoph Blankenburg und seine Frau, die Hebamme Kerstin Blankenburg, möchten im nächsten Herbst ihren Hilfseinsatz wiederholen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Für etwa drei Millionen Menschen in der Region um die Stadt Sumbawanga steht nur ein einziger Chirurg zur Verfügung. Ein Arzt und eine Hebamme des Krankenhauses St. Joseph-Stift Dresden sind deswegen im Oktober zusammen mit einem Team aus Deutschland für zwei Wochen in das Krankenhaus "Dr. Atiman Memorial Hospital" gereist, um hilfebedürftige Menschen kostenfrei zu operieren. "Die Armut ist unvorstellbar", sagt Christoph Blankenburg, Oberarzt am St. Joseph-Stift. Es gebe weder genug ausgebildetes Personal noch ausreichend Material oder auch nur einfachste Medizintechnik.

Zusammen mit seiner Frau Kerstin Blankenburg, die als Hebamme ­am St. Joseph-Stift arbeitet, sowie drei weiteren Chirurgen, drei Anästhesisten, drei Anästhesie-Schwestern und drei OP-Schwestern versorgte er 186 Patienten in zwei Wochen. Das Team operierte bis zu 1,2 Kilogramm große Schilddrüsen, Klumpfüße, großflächige Verbrennungen, zusammengezogene Gelenke sowie Kiefern-, Lippen- und Gaumenspalten. "Menschen mit Fehlbildungen am Körper werden von ihren Familien versteckt oder ziehen sich selbst zurück", erklärt Kerstin Blankenburg. "Sie werden sozial nicht akzeptiert, ihre Fehlbildung wird oft als Strafe Gottes verstanden". Umso schöner sei es, in die Gesichter der Familien zu blicken, nachdem ihren Kindern geholfen wurde.

In einem 36-Stunden-Ritt reiste das Mediziner-Team mit 40 großen Kisten Verbandsmaterial, Medikamenten und Desinfektionsmitteln in die Stadt nach Ostafrika. "Das entspricht einer Menge, die im Atiman Hospital in etwa acht Monaten verbraucht wird", sagt Oberarzt Blankenburg. Lediglich einen leeren OP-Saal hätten die Helfer vorgefunden. Außer Notfälle und Kaiserschnitte würde dort im Alltag nicht operiert. Hinzu kommt, dass sich viele Menschen einen medizinischen Eingriff schlichtweg nicht leisten können.

160 Kilometer Weg in die Klinik

Umso größer ist der Ansturm, wenn Ärzte und Schwestern alles sechs Monate, organisiert von der Sektion Sachsen der Organisation "Interplast Germany", in dem Krankenhaus der Diözese anrücken. Insgesamt 220 Menschen warteten bei der Ankunft der Helfer in Begleitung ihrer Familien auf eine Behandlung. Manche sind bis zu 160 Kilometer per Fuß in das Krankenhaus gelaufen.

"Interplast Germany" führt seit vielen Jahren unentgeltliche Operationen in Entwicklungsländern durch, in Sumbawanga waren die Mediziner zum fünften Mal. "Mit kleinen Eingriffen lässt sich das Leben der Menschen enorm verbessern", erläutert Oberarzt Blankenburg. In einem Fall sei einem Zehnjährigen wegen eines offenen Knochenbruchs ein völlig entzündetes Bein amputiert worden. "Ohne diese OP wäre er wahrscheinlich gestorben", sagte Blankenburg. "Mit einer rechtzeitigen Behandlung allerdings hätte man sein Bein retten können."

In 14-Stunden-Arbeitstagen operierten Ärzte und Schwestern fast rund um die Uhr. "Wir sind körperlich und seelisch an unsere Grenzen geraten", sagt Kerstin Blankenburg. Für die Hebamme, die auf der Geburtenstation half, sind die Zustände in dem Krankenhaus heute noch unfassbar. "Alle Frauen gebären in einem Raum."

Viele Betten sind doppelt belegt

"Die Betten der Wöchnerinnen sind oft doppelt und dreifach belegt", erinnert sie sich. "Die Frauen gebären unter teilweise entwürdigenden Bedingungen." Insgesamt 26 Kinder hat sie in Sumbawanga mit zur Welt gebracht, sie hat den Saal geputzt, neu gestrichen und den tansanischen Hebammen das Kinder-Reanimationsgerät erklärt, welches verstaubt in einer Ecke herumstand. Sie vertrieb Kakerlaken, gab Tipps und hielt Hände verzweifelter Mütter. Viele seien bei der Geburt durch den Mangel an Personal völlig auf sich gestellt. Erhalten haben die Mediziner und Pfleger eine tiefe Dankbarkeit und Wertschätzung. Manche Frauen wollten ihre Dankbarkeit für die Ewigkeit besiegeln. "Darf ich unserem Kind Ihren Namen geben", wurden die Dresdner Mediziner nicht nur einmal gefragt.

Das Helfer-Team möchte die Menschen in Sumbawanga auch im nächsten Jahr unterstützen. Kerstin Blankenburg schwebt vor, die Hebammen intensiver zu schulen, damit Müttern der riskante Kaiserschnitt erspart bleibt. Das spendenfinanzierte Projekt unter Leitung des Dresdner OP-Pflegers Marcus Strotkötter und der Dresdner Fachärztin Sabine Wetter kann jedoch nur mit Geld- und Sachspenden nachhaltig fortgeführt werden.

iMenschen, die helfen möchten, können sich an sabine.wetter@outlook.com wenden.

Katrin Tominski

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