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Dresdner gedenken der Ermordung Marwa El-Sherbinis am Landgericht

Dresdner gedenken der Ermordung Marwa El-Sherbinis am Landgericht

Dresden. Zahlreiche Dresdner haben am Montag der Ermordung Marwa El-Sherbinis gedacht. Mehr als 50 Personen, darunter viele Vertreter der muslimischen Gemeinde Dresdens, versammelten sich am frühen Abend vor dem Landgericht und legten Blumen für die 2009 im Gericht getötete Ägypterin nieder.

Neben zahlreichen versöhnenden Worten gab es aber auch Anklagen. So kritisierte Hans-Eberhard Schultz, Anwalt der Familie, dass es bis heute keine Entschuldigung seitens des Staats gegeben habe. Zudem werde die endgültige Aufklärung des Falles verschleppt. Er habe deshalb vor einem Monat eine klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht, nachdem die deutsche Justiz wegen Formfehlern die strafrechtliche Verantwortung für die Vorfälle vom Juli 2009 nicht vorangetrieben habe.

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Marwa El-Sherbini wurde am 1. Juli 2009 in Dresden ermordet.

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Zudem kritisierte Marianne Thum von der Opferberatung Sachsen, dass viele Dresdner die Tat am liebsten vergessen würden. Dies müsse verhindert werden. So prangerte sie an, dass selbst Mitarbeiter des Landgerichtes, wo El-Sherbini damals niedergestochen wurde, genervt auf das Gedenken reagieren würden.

Dort hatten am Mittag rund 30 Mitarbeiter der Justiz, Vertreter des Ausländerrats und von Opferverbänden der Tragödie gedacht. Die schwangere Frau sei vor drei Jahren Opfer einer unfassbaren Tat geworden, die aus dumpfem Fremdenhass und Islamfeindlickeit heraus begangen wurde, sagte Justizminister Jürgen Martens (FDP). Dieser Ungeist stünde der freiheitlichen Gesellschaft diametral entgegen."Deshalb ist es so wichtig, für Freiheit, Toleranz und Gleichheit einzutreten, gerade an einem Gericht."

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Mit einem stillen Gedenken haben Ausländerverbände, muslimische Vereine und Politiker an die vor zwei Jahren im Landgericht ermordete Ägypterin Marwa El-Sherbini erinnert.

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Die Anwesenden, darunter Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos), der Landes-Ausländerbeauftragte Martin Gillo (CDU), Dresdens Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) und Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland, legten an der Gedenktafel für Marwa El-Sherbiny im Foyer des Gerichts weiße Rosen nieder. Anwalt Schultz, der den Bruder der Getöteten vertritt, erklärte, die ägyptische Familie kämpfe weiter dafür, dass die Verantwortlichen in der Justiz für den Tod der jungen Frau zur Verantwortung gezogen würden. Die Familie erwarte auch eine offizielle Entschuldigung der Regierung.

Marwa El-Sherbiny war am 1. Juli 2009 von einem in Russland geborenen Arbeitslosen im Landgericht mit zahlreichen Messerstichen ermordet worden. Sie hatte als Zeugin in einem Prozess gegen den Mann ausgesagt, der sie 2008 auf einem Spielplatz in der Johannstadt rassistisch beleidigt hatte. Der Täter wurde im November 2009 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Thomas Baumann-Hartwig / sl

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