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Dresdner Zahnarzt Conrad Kühnöl warnt vor chinesischer Billigmedizin und bohrt Löcher mit Sand

Dresdner Zahnarzt Conrad Kühnöl warnt vor chinesischer Billigmedizin und bohrt Löcher mit Sand

Der Dresdner Zahnarzt Conrad Kühnöl ist der einzige ostdeutsche Absolvent des Masterstudiums "Clinical Dental CAD/CAM", bei dem moderne computergestützte Zahnmedizin und Implantologie gelehrt wird.

Der Experte plädiert für eine moderne Zahnmedizin und warnt vor chinesischen Billigprodukten.

Wer bei Conrad Kühnöl auf dem Zahnarztstuhl liegt, kann das Meer sehen. Kleine Fische knabbern an Korallen, das Wasser gluckert ein bisschen herum und kribbelbunt ist es außerdem. Dort auf dem Bildschirm an der Decke flimmert der Gegenentwurf zum Zahnarztweiß, Entspannung statt Angst, Zuversicht statt Panik. Keine Schmerzen, oder zumindest nicht viele. Das alles ist möglich. Glaubt man Kühnöl.

Der Dresdner ist Zahnarzt, Implantologe und neuerdings auch Experte für computergestützte Zahnmedizin. Erst kürzlich hat er seine akademische Weiterbildung an der Universität Greifswald abgeschlossen, als einziger in Dresden, Sachsen, Ostdeutschland. Nun hängen in seiner Praxis in Plauen mehr Monitore als sonst. "Die Zahnmedizin hat sich völlig gewandelt", erklärt Kühnöl. "Eine Zahnkrone ist heute fast Körperverletzung." Viele neue Methoden und Geräte vereinfachten eine Behandlung, besonders bei Zahnersatz und Implantaten. Dies sei eine erhebliche Verbesserung für die Patienten. Doch: "Viele Menschen wissen nichts von den neuen Methoden", kritisiert Kühnöl. "Sie bezahlen exorbitante Summen für Zahntechnik, die nicht auf dem neuesten Stand ist."

Um zu zeigen, wie moderne Zahntechnologie aussehen kann, holt er seinen Kollegen, Zahnarzt Benjamin Lißke. Dieser macht es sich auf dem Zahnarztstuhl bequem und sieht den gluckernden Fischen zu. Ein weiterer Monitor flimmert. Zahnarzt Kühnöl und sein Kollege können nun Zähne in Großaufnahme sehen. Was für Patienten eher gewöhnungsbedürftig sein dürfte, ist für Kühnöl die Basis für genaueste Analysen. Doch eines stellt er gleich klar: "Dunkle Stellen müssen keine Karies sein", erklärt er. "Reine Karies ist niemals schwarz, sondern immer zahnfarben."

Nun zückt er ein zweites hochmodernes Gerät für die sogenannte Fluoreszenzanalyse. Mit purem Licht kann Kühnöl - vereinfacht ausgedrückt - nun von Karies befallene Stellen orten. "Damit erkenne man kleinste Veränderungen, die auch mit dem Röntgenbild nicht zu sehen sind", erläutert er.

Für die kleinsten Löcher hat der Zahnarzt einen High-Tech-Bohrer. Per Sandstrahl - die Körner sind mit 27 Mikrometer kleiner als ein Haar (50 Mikrometer) - werden Kariespartikel herausgespült. Eine Spritze ist nicht nötig. Die Fische gurgeln.

Natürlich geht es bei Zahnärzten nicht nur um Löcher, sondern auch um weitaus kompliziertere Diagnosen, die Füllungen, Inlays oder Implantate erfordern. Doch auch dies sei mit modernster Technik "alles kein Problem".

Jetzt blinkt der dritte Monitor: "Für einen Abdruck muss man nicht mehr anrühren", erklärt Kühnöl begeistert. Er zückt einen dezenten Stab und lässt diesen die Zahnreihen seines Kollegen abscannen. Sekunden später erscheinen Oberkiefer, Unterkiefer und das Zusammenspiel beider im 3-D-Format auf dem Bildschirm. Der Computer rechnet, kurz darauf ist ein Modell zu sehen. "Die Daten werden an die Schleifmaschine geschickt und zehn Minuten später kann das Inlay eingesetzt werden", erörtert Kühnöl euphorisch die Vorteile der Technik. Patienten müssten nicht mehr eine Woche warten, niemand bräuchte mehr ein Provisorium und eine zweite Spritze sei auch nicht mehr nötig.

Später zeigt Kühnöl noch weitere Technik; sein 3-D-Röntgengerät, seinen Computer mit einer acht Terabyte großen Festplatte und das Labor. Insgesamt arbeiten in seiner Praxis - er selbst eingeschlossen - vier Zahnärzte, zwei Zahntechniker, eine Praxismanagerin und weitere Fachangestellte. Kühnöl betont ausdrücklich, dass es ihm nicht um Eigenwerbung, sondern um das Wohl der Patienten gehe. "Wir sind ausgebucht", sagt Kühnöl. Die nächsten freien Termine gebe es erst im Dezember.

Die Patienten jedoch müssten wissen, welche Möglichkeiten sie beispielsweise bei Zahnersatz haben, gerade weil sie einen Eigenanteil tragen müssen. "Eine Brücke kostet keine 3000 Euro", sagt Kühnöl. Bei Zweifeln rät er allen Patienten, eine Zweitmeinung einzuholen. "Selbstverständlich kann eine Brücke mehr als 3000 Euro kosten", sagt hingegen Thomas Breyer, Vizepräsident der Sächsischen Landeszahnärztekammer. Die finanzielle Spanne reiche von null Euro bis 14 824,50 Euro, abhängig von vielen unterschiedlichen Komponenten.

Kritisch äußert sich Praxis-Chef Kühnöl auch über Billig-Zahnersatz aus Asien. Oft seien die Angebote nur eine Mogelpackung. "Man lockt mit kleinen Preisen und veralteter Technik", moniert er. "Mit jedem Plus an Ausstattung, Material und Technik wird es - ähnlich wie beim Autokauf - teurer." Letztlich würden die Patienten bei ähnlichen Preisen wie in Deutschland herauskommen.

Kommendes Wochenende referiert Conrad Kühnöl in Stuttgart zur 21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Computergestützte Zahnheilkunde. Er hält einen Vortrag über den Zahnersatz bei einem 16-Jährigen Mädchen. Das soll jetzt wieder sehr glücklich sein. So glücklich, wie die Fische gluckern. Auf den vielen Monitoren in der Praxis.

iPatientenberatungsstelle der Zahnärztekammer, Telefon: 8 06 62 56

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.09.2013

Katrin Tominski

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