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Dresdner Wohnungslose wollen mit einem Extrablatt am Sonntag die Kanzlerin unterstützen

Dresdner Wohnungslose wollen mit einem Extrablatt am Sonntag die Kanzlerin unterstützen

Es ist elf Uhr am Vormittag. Drei junge Männer sitzen im Park an der Albertbrücke. Hinter ihnen Iso-Matte, Rucksack, zwei Tüten mit Pfandflaschen, dazwischen zwei offene Dosen "Fünf-Nuller"-Bier und nicht zu vergessen die Mischlingshündin Susi.

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Student Michael Hofeneck (v.l.) trifft sich mit Fitsche, Bürschte und Fritz alle vier Wochen und diskutiert mit den Obdachlosen über Politik.

Quelle: Andor Schlegel

Die Jungs sind obdachlos, schlafen unter Brücken, im Park, mal bei Kumpels oder in den Kirchenasylen. Tagsüber sammeln sie Flaschen und betteln.

Bürschte wird der eine genannt, wegen seiner langen Haare, die er unter einer Wollmütze versteckt. Er ist 22 Jahre alt und lebt seit zwei Jahren auf der Straße. Die letzte Nacht hat er im Großen Garten verbracht, auf einer Bank. Wie er auf der Straße landete? "Ich hatte 'nen schlechten Schulabschluss, dann die Ausbildung hingeschmissen", sagt Bürschte. Es kam zum Bruch mit seinem Vater. Sein Kumpel Fitsche ist 27 Jahre alt und seit drei Jahren ohne Wohnung. Als Kind verlor er seine Eltern bei einem Unfall, in der Pflegefamilie sei es nicht gut gelaufen. Jetzt ist er auf der Straße, ohne Perspektive. Der dritte in der Runde ist zugezogen aus Berlin und wird von den Dresdner Obdachlosen deshalb "Der Fritz" genannt. Das Studium hatte er abgebrochen, nennt seit fünf Jahren die Straße sein Zuhause,

Wollt ihr ewig auf der Straße bleiben? "Nee!" folgt prompt die Antwort. "Das wollen die wenigsten", so Bürschte. "Jeder hat seinen Traum, bisschen Geld verdienen, Familie", fügt Fitsche hinzu. Wie manche 60-Jährigen vagabundieren, halb dement vom Alkohol, das ist für die Drei ein erschreckendes Ende. Doch für Sozialhilfe aufs Amt wollen die Jungs auch nicht. "Man will ja unabhängig sein", sagt Fritz.

Die Jungs wirken sehr klar im Kopf. Das hat den Sozialpädagogik-Studenten Michael Hofeneck dazu bewogen, sich regelmäßig mit etwa zehn jungen Wohnungslosen zu treffen. "Ich fand es spannend, dass man mit ihnen diskutieren kann", sagt der 31-Jährige. Bei den Gesprächen sei er auf viele traditionelle Wertvorstellungen getroffen, die er so nicht erwartet hatte. "Das ist doch alles nur Populismus, was auf den Wahlplakaten der Linken steht", sagt Fitsche. Nur wenn die Wirtschaft stark ist, hätten auch die Obdachlosen was davon. "Dann bleibt vielleicht auch ein Arbeitsplatz für uns über", hofft Fitsche, der die CDU gut findet. Wenn Kanzlerin Angela Merkel am Sonntag in Dresden ihren Wahlkampf macht, wollen die Obdachlosen deshalb Flagge zeigen. Man werde ein Extrablatt mit dem Titel "Junge Obdachlose für Merkel" verteilen, kündigt Hofeneck an.

Die doch irritierende Schlagzeile soll anregen, die Artikel des Extrablattes zu lesen, die mal ernst, mal amüsant geschrieben sind. So gibt es einen Text über die kontroverse Waldschlößchenbrücke. "Hier freuen wir Obdachlose uns erst einmal über die neue Brücke", sagt Fitsche im Hinblick auf den potenziellen Schlafplatz. Es wäre toll, wenn er die Zeitung Frau Merkel überreichen könnte, sagt der 27-Jährige. "Dass wir von der Gesellschaft akzeptiert werden und uns irgendwann eine Chance gegeben wird, in 'nen Beruf reinzukommen", sei sein Wunsch, der auch hinter dieser Aktion steckt.

Am Wahlsonntag, den 22. September, wollen auch die wohnungslosen Jugendlichen ihr Kreuz machen. Weil ohne gemeldeter Bleibe keine Wahlbenachrichtigung ins Haus flattert, haben sie sich extra beim Ortsamt registrieren lassen. Sie seien dabei dem Wahlkreis zugeordnet worden, in dessen Gebiet sie sich am meisten aufhalten, erklärt Bürschte.

Liebe Leser: Die Geschichte um Wohnungslose, die Angela Merkel unterstützen, hat sich leider als Scherz der Partei "Die Partei" herausgestellt. Wir bitten um Entschuldigung.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.09.2013

Madeleine Arndt

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