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Dresdner Wirtschaftsmotor Industrie stottert

Dresdner Wirtschaftsmotor Industrie stottert

Der sonst so erfolgverwöhnte Motor der Dresdner Wirtschaft, die Industrie, lief 2012 gar nicht rund: Euro- und Solarkrise, der schleichende Tod des PCs sowie eine schwächelnde Weltwirtschaft bescherten den Betrieben sinkende Umsätze.

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Sie wollen, dass ihre Kinder in der Ortschaft unterrichtet werden: Vertreter der Gompitzer Elterninitiative.

Quelle: Carola Fritzsche

Doch die haben kaum Mitarbeiter vor die Tür gesetzt, sondern im Gegenteil sogar etwas mehr Jobs geschaffen. Das Jahr 2013 dürfte für die Dresdner Industrie indes rosiger verlaufen.

Insgesamt setzten die Dresdner Industriebetriebe (mit über 20 Beschäftigten) im vergangenen Jahr nur noch rund 6,52 Milliarden Euro um, etwa 4,5 Prozent weniger als im Vorjahr, wie aus den nun veröffentlichten Kommunalerhebungen des Statistischen Landesamtes in Kamenz hervorgeht. Die Industrie- und Handelskammer (IHK), deren Statistiken nur größere Unternehmen ab 50 Mitarbeitern berücksichtigen, geht sogar von einem 7,1-prozentigen Rückgang aus.

Im Vergleich zum "Schreckensjahr" 2009 der Qimonda-Pleite, als auf einen Schlag über 3000 Menschen hier ihre Jobs verloren, Chip- und Weltwirtschaftskrise zusammentrafen und der Dresdner Industrieumsatz um über 22 Prozent einbrach, ist dies zwar immer noch gelinde - aber angesichts eines sonst über die Jahre hinweg fast kontinuierlichen Wachstums doch bemerkenswert. Besonders getroffen hat es diesmal die Elektronik- und die Pharmaindustrie, vor allem die exportorientierten und etwas größeren Unternehmen. Entsprechend ist die Exportquote von 52,4 auf 50,9 Prozent gefallen.

Dahinter steckt offensichtlich ein ganzes Bündel von Ursachen. So ist Dresdens Industrie bei weitem auslandsorientierter als die sächsische oder gar die ostdeutsche. Dies sorgt in guten Weltwirtschaftsjahren für überdurchschnittliches Wachstum, hat aber angesichts von Euro-Kriselei und der Verunsicherung internationaler Investoren zu weniger Aufträgen für die vergleichsweise exportstarken Dresdner geführt. Zum Vergleich: Der Umsatz der stärker binnenmarkt-orientierten sächsischen Industrie ist "nur" um 2,2 Prozent geschrumpft.

Hinzu kommen nach Einschätzung von IHK-Sprecher Lars Fiehler auch Sondereffekte: "Untersucht man die über das Jahr aufgelaufenen Umsatzrückgänge der Dresdner Industrie genauer, wird deutlich, dass diese insbesondere von zwei Branchen verursacht wurden: Sowohl der Umsatzspitzenreiter Datenverarbeitung/Elektronik/Optik als auch der Bereich Pharma setzten 150 beziehungsweise 200 Millionen Euro weniger um." In der Pharma-Branche (zu der beispielsweise das Serumwerk von GlaxoSmithKline gehört) fiel die Exportquote innerhalb nur eines Jahres von 81 auf 64 Prozent - "ein massiver Rückgang der Auslandsnachfrage", so Fiehler. In der Elektronikbranche wiederum sind derzeit massive globale Marktverschiebungen im Gange: Statt Personalcomputer zu kaufen, schaffen sich immer mehr Kunden Tablettrechner und Computertelefone (Smartphones) an, manche Branchenbeobachter sprechen schon von einem "Tod des PCs". Dadurch sind aber auch klassische Hochleistungs-Prozessoren und Speicherchips, wie sie früher Hauptproduktionslinien von AMD (jetzt: Globalfoundries) und Qimonda in Dresden waren, immer weniger gefragt.

Das städtische Wirtschaftsdezernat wiederum verweist darauf, dass 2011 "ein extrem gutes Jahr" für die Dresdner Industrie war. Wegen der damals guten Auftragslage hätten die Betriebe ihre Produktionskapazitäten ausgebaut, konnten diese aber mit dem verfügbaren Personal nicht voll bemannen, analysiert Torsten Rex, der persönliche Referent von Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP).

Dazu würde ein interessanter Punkt in der Statistik passen: Statt angesichts fallender Umsätze leute zu entlassen, haben die Betriebe sogar eingestellt, so dass es im vergangenen Herbst 26 526 Industrie-Beschäftigte gab, 1,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ähnlich hatten viele Dresdner Unternehmer schon in der 2009er Krise agiert - wohl weil sie wussten, was ihr "Humankapital" wert ist.

Und die erwähnten Impulse für den Arbeitsmarkt zielten nicht etwa - wie oft angenommen - auf schlecht bezahlte oder Leiharbeiter-Jobs, wie aus den Statistiken der Arbeitsagentur hervorgeht, die sich allerdings nicht nur die Industrie beziehen. Demnach war bis zum Herbst 2012 in der gesamten Dresdner Wirtschaft ein Jobzuwachs um 0,8 Prozent zu verzeichnen, während die "geringfügig entlohnt Beschäftigten" um 1,1 Prozent zurückgingen, die Zahl der Zeitarbeiter sogar um fast 17 Prozent. Was im Umkehrschluss heißen mag: So gering der Arbeitsplatzaufbau auch war, so floss er wohl vor allem in reguläre Vollzeit-Jobs.

Dies bedeutet allerdings auch: Obwohl jetzt wieder ein Aufschwung bevorsteht, wie erst jüngst das ifo-Institut in Dresden prognostizierte, haben viele Unternehmen den dafür benötigten Personalaufbau schon vorweggenommen. Dadurch wird der Arbeitsmarkt in diesem Jahr wohl nicht übermäßig von Umsatzzuwächsen profitieren. Letztere jedenfalls sind recht sicher für die zweite Jahreshälfte zu erwarten: Im ersten Quartal 2013 waren die Auftragsbücher der Dresdner Industrie 18 Prozent dicker gefüllt als ein Jahr zuvor, wie aus städtischen Angaben hervorgeht. "Wir haben jetzt so viele Aufträge - das reicht bis in die erste Jahreshälfte 2014 hinein", hatte beispielsweise erst am Donnerstag Highvolt-Chef Bernd Kübler verkündet.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.07.2013

Heiko Weckbrodt

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