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Dresdner Wirtschaftsforscher: Sachsen ist von einem selbstragenden Wachstum weit entfernt

Dresdner Wirtschaftsforscher: Sachsen ist von einem selbstragenden Wachstum weit entfernt

Sachsen ist von einer selbsttragenden Wirtschaft und Eigenfinanzierung seiner öffentlichen Ausgaben noch weit entfernt. Das hat Prof. Joachim Ragnitz, Vizechef der Dresdner ifo-Niederlassung, eingeschätzt.

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Dresden . Das Ziel der Landesregierung, 2020 finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, sei "eher pessimistisch" zu beurteilen. Jedoch sei "mit klug gesetzten wachstumspolitischen Impulsen ein schnelleres Aufholen der sächsischen Wirtschaft durchaus möglich", betonte der Forscher, der neue Ansätze in der sächsischen Wirtschaftspolitik forderte.

Derzeit sei der Freistaat noch in erheblichem Maße von Soli-Transfers und dem Länderfinanzausgleich des Westens abhängig, erklärte Ragnitz. Die wirtschaftliche Pro-Kopf-Leistung in Sachsen liege noch ein Viertel unter dem Niveau der westdeutschen Bundesländer. "Selbst die drei sächsischen Großstädte erreichen bislang nur etwa 90 Prozent der Wirtschaftskraft der schwächsten Ruhrgebietsstädte - die kürzlich mit Verweis auf die gut ausgebaute Infrastruktur im Osten die Transferleistungen für die neuen Länder grundsätzlich in Frage stellen wollten", betonte der Professor.

Zudem sei in Teilbereichen der hiesigen Wirtschaft in naher Zukunft mit Wachstumsdämpfern zu rechnen: So werde die erwerbsfähige Bevölkerung laut Prognose in Sachsen bis 2025 um etwa 20 Prozent sinken, dies führe zu einem spürbaren Arbeitskräftemangel. Auch dürfte die schrumpfende Bevölkerung die Binnennachfrage dämpfen.

Um dennoch den Anschluss an den Westen zu erreichen, müsse die sächsische Wirtschaft produktiver werden - also mit weniger Arbeitskräften auskommen und sich von ihrer starken Fixierung auf Inlandsmärkte zu Gunsten einer stärkeren Internationalisierung lösen. Diese Entwicklung könne die Landesregierung zumindest indirekt beeinflussen. "Die Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation muss künftig Vorrang in der Wirtschaftspolitik haben", forderte Ragnitz.

Dies werde zwar vom Kabinett bereits nach außen gepredigt, "in der Praxis sieht es aber oftmals anders aus", erklärte der Forscher. "Investitionen ,in Beton' oder auch: ,in Maschinen' haben häufig noch immer Vorrang vor Investitionen ,in Köpfe'; Forschungs- und Technologiepolitik ist oftmals eher an Moden wie ,Spitzentechnologien' als an ihrem Beitrag zur technologischen Erneuerung der heimischen Wirtschaft in der Breite ausgerichtet; ,Fairness' und ,Gerechtigkeit' zählen bei der Verteilung öffentlicher Mittel vielfach mehr als langfristige Wachstumswirksamkeit."

Konkret forderte er, den Wissenstransfer von Unis und Instituten in die Unternehmen stärker zu fördern - durch Kooperationsanreize für Hochschulen, Fachinformationssysteme, Personalaustausch und die Einbindung der Hochschulen in die Aus- und Weiterbildung von Firmenmitarbeitern zum Beispiel. Heiko Weckbrodt

www.ifo-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.06.2012

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