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Dresdner Wirtschaft gerät immer mehr ins Visier von Cyber-Spionen

Dresdner Wirtschaft gerät immer mehr ins Visier von Cyber-Spionen

Dresdner Unternehmen werden in wachsendem Maße Zielscheibe für Internet-Wirtschaftsspione. Das geht aus Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen und des "Sächsischen Verbandes für Sicherheit in der Wirtschaft" (SVSW) hervor.

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Cyberspione und -kriminelle sind oft hochspezialisierte Teams: Einer schreibt Schad-Codes, andere suchen nach Angriffszielen oder kümmern sich um Abnehmer.

Quelle: Oliver Berg, dpa

Hauptgrund: Im ostdeutschen Vergleich sind in Sachsen und da wiederum im Raum Dresden besonders viele innovative Technologieunternehmen gewachsen, deren Know-How und Erfindungen auch für internationale Konkurrenten interessant geworden sind.

Zwar stagniert die offiziell bekannt gewordene Cyberkriminalität in Sachsen seit 2011 bei etwa 2200 bis 2300 Fällen und einer erfassten Schadenshöhe um die 1,6 Millionen Euro pro Jahr. Experten gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist, etwa nur ein Zehntel aller Attacken überhaupt bekannt wird. "Kein Unternehmen gibt gerne zu, dass es Opfer von Hacker-Attacken geworden ist", schätzt SVSW-Vorsitzender Andreas Nenner ein. "Sie haben Angst vor einem Reputationsverlust bei Zulieferern und Kunden und dass diese den Eindruck bekommen, ihre Daten wäre bei ihnen nicht sicher."

Know-How-Abgreifer aus China

Daher können wir hier größtenteils auch nur anonymisierte und verfremdete Beispiele nennen. Dazu gehört etwa eine Dresdner Technologie-Firma, die durch eine interne Umstrukturierung besonders angreifbar war. Hinterher stellten Experten fest, dass Angreifer während der Umstrukturierung per Internet versucht hatten, Know-How abzugreifen. Ob dies gelang, ist bis heute ungeklärt. Fest steht aber, dass die Angriffe von einer chinesischen Internetadresse ausgingen - wobei auch dies nur eine Maskierung gewesen sein könnte.

In einem anderen Fall wurde eine Dresdner Elektronikschmiede zweimal mit "DoS"-Attacken ("Denial of Service") konfrontiert. Dabei überschwemmen die Angreifer die Netzseite mit Massen-Anfragen, bis diese zusammenbricht. Bei der ersten Attacke entstand ein Schaden von rund 10 000 Euro, beim zweiten Angriff zehnmal soviel. Eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft sei ausgegangen wie das Hornberger Schießen, beklagte sich ein Unternehmens-Vertreter bei einem Cyberspionage-Seminar, das die Dresdner Wirtschaftsprüfer-Kanzlei "Schneider + Partner" am Montagabend im Hotel "Bellevue" ausgerichtet hatte.

Viele Unternehmen würden die Risiken von Internetspionage immer noch dramatisch unterschätzen, meint Frank Rieger von der Hacker-Vereinigung "Chaos Computer Club". Sobald eine Firma anfange, innovative Produkte international zu verkaufen, könne es ins Visier von Netzspionen und Internet-Kriminellen geraten. "Absoluten Schutz gegen solche Angriffe gibt es nicht", meint er. "Aber nur ein paar einfache Vorkehrungen können zu einem Effekt wie beim Wohnungseinbrecher führen: Wenn der an einer Tür mit dem Brecheisen nicht gleich weiterkommt, geht er weiter zum Nachbarn."

Innovative Firmen "hochgefährdet"

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) seien betroffen, meint SVSW-Vorsitzender Nenner. "Wir haben in Sachsen mindestens 30 KMU, die auf ihrem Gebiet Weltmarktführer sind", sagt er. "Diese innovativen Unternehmen sind hochgefährdet." Denn diese "Hidden Champions" sind zwar top auf ihrem Spezialgebiet, aber leisten sich anderes als große Konzerne selten hochspezialisierten IT-Sicherheitsabteilungen - und haben oft genug keine Ahnung selbst von elementarsten Vorkehrungen.

Mittlerweile, so schätzen Experten, waren bereits 80 Prozent aller sächsischen Unternehmen in den vergangenen 24 Monaten mindestens einmal Ziel von Cyberattacken. Parallel dazu wachsen Professionalisierung und Profitmargen der Cyber-Gangster. "Heute ist das keine Domäne hochspezialisierter Hacker mehr", betont Nenner. "Für ein paar 100 Dollar können sich die Kriminellen Baukastensysteme für Netzangriffe zusammenstellen lassen, für die die Verkäufer rund um die Uhr Beratung und Hilfe anbieten."

Ein besonders dreistes Beispiel für digitale Schutzgelderpressung ist erst jüngst den CCC-Experten untergekommen. "Da wurde eine Unternehmens-Seite mit DoS-Attacken überschwemmt", erzählt CCC-Sprecher Rieger. "Dann bekamen die eines Tages ein Fax, in dem wurde ein ,DoS-Schutzgerät angeboten. Das haben die gekauft und danach hörten die Angriffe auf. Wir haben das Gerät dann aufgemacht und darin nur einen kleinen Signalgeber gefunden. Der hatte nur eine Aufgabe: an eine Adresse in Südamerika die Information zu senden: ,Der hat bezahlt'".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.10.2014

hw

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