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Dresdner Videotheken stecken im Überlebenskampf - Internet macht Branche zu schaffen

Dresdner Videotheken stecken im Überlebenskampf - Internet macht Branche zu schaffen

"Es hat in Dresden in den 1990er Jahren mehr als hundert Videotheken gegeben, heute gibt es kaum noch etwas", fasst Frank Kunze, Geschäftsführer von Video World Dresden, eine Entwicklung zusammen, die sich auch bundesweit beobachten lässt.

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Sven Voigt, Chef der Filmgalerie Phase IV, setzt auf Programmkino statt Kassenschlager.

Quelle: Carola Fritzsche

Die Zahl der Videotheken hat sich in den letzten fünf Jahren auf rund 2200 fast halbiert, berichtet der Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD). Vor allem legale und illegale Streamingangebote im Internet machen den Videotheken das Leben schwer. Kunze sieht mit seinen sechs Dresdner und der Freitaler Filiale von Video World allerdings optimistisch in die Zukunft. Genauso wie Sven Voigt, der allerdings mit seiner "Phase IV" an der Königsbrücker Straße eine ganz andere Strategie verfolgt als der Dresdner Platzhirsch.

"Wir werden weiter existieren, weil wir eine gute Beratung durch unser Personal haben", sagt Kunze. Er hat schon Filme verliehen, da wurde noch mit DDR-Mark bezahlt, beschäftigt 40 Mitarbeiter in seinen Filialen und kennt das Geschäft in Dresden wie kaum ein zweiter. Er setzt wie bisher darauf, dass mit aktuellsten Filmen in hoher Abspielqualität im DVD- oder Blu-Ray-Standard Kunden gewonnen und gehalten werden können. Allerdings habe man zuletzt sechs Prozent weniger Umsatz mit dem DVD-Verleih gemacht. Der Blu-Ray-Absatz sei dagegen um elf Prozent gestiegen. Absolute Zahlen nennt Kunze aber nicht. "Die Menschen greifen zum besseren Produkt", folgert er und erwartet in diesem Bereich weiteres Wachstum.

Auch sonst unterscheiden sich seine Videotheken stark vom Durchschnitt der 1990er Jahre. In den Läden sind - wie im Kino auch - Knabbereien und Getränke zum ausgeliehen Film mit verkäuflich. Außerdem werden Spiele und Konsolen verliehen - auch hier "immer das neuste", wie Kunze betont. Er setzt darauf, den Video-Ausleih wie ein Erlebnis zu gestalten und sich so gegen Konkurrenzangebote aus dem Internet abzugrenzen. "Das ist wie ein Ritual", sagt er. Die Kunden kommen, lassen sich etwas empfehlen, nehmen vielleicht auch ein Sonderangebot mit und verschaffen sich einen Überblick über die Neuerwerbungen.

"Zuhause müssen sie dann nur noch die Scheibe einlegen, das ist doch viel einfacher als sich langwierig aus dem Internet etwas herunterzuladen", sagt er. Dass es gerade die junge Generation andersherum hält, wisse er aber auch. Immerhin könne man jedoch mehr Familien in den Videotheken begrüßen, seit diese auch Sonntags öffnen dürfen.

Auch Sven Voigt setzt Qualität an die erste Stelle, wenn er über die Zukunft seiner Videothek nachdenkt. Er meint damit aber etwas anderes als sein Konkurrent Frank Kunze. "Wir funktionieren wie ein guter kleiner Buchladen", sagt er über seine Programmvideothek, die er mit acht Mitarbeitern betreibt. "Natürlich kann man bei Amazon kaufen, aber wenn man etwas entdecken will, dann braucht man Leute, die Ahnung haben", sagt er. Dabei führt er seine Auswahl weg von den Filmen, die kurz zuvor als Blockbuster im Kino liefen, hin zu denen, die über die Leinwände der Programmkinos flimmerten oder bei Cineasten hoch im Kurs stehen. Eine Nische, dessen ist sich Voigt bewusst, aber eine, die in Dresden offenbar groß genug ausfällt. Nicht umsonst habe die Stadt so viele Programmkino-Leinwände wie kaum eine andere Großstadt. Doch die allgemeine Entwicklung ist auch an der Nische nicht vorbei gegangen. Etwa 8000 aktive Mitglieder hat die Phase IV. "Als wir 2006 angefangen haben, waren es mehr", sagt Voigt.

"Es geht darum, die Phase IV als Ort, als Gravitätszentrum zu stärken", sagt Voigt und sendet damit eine Absage an Bringdienste oder Online-Angebote. Wie sein Konkurrent Video World gehe es darum, den Besuch der Videothek zum Erlebnis zu machen. Und als Anlaufstelle für alle, die cineastischen Rat brauchen. Dozenten kämen her, um sich für die Zusammenstellung ihrer Seminarpläne Tipps geben zu lassen, auch Schauspieler des Staatsschauspiels stünden hin und wieder auf der Matte, um Vorlagen für das Rollenstudium zu bekommen. Mehr können als das Internet, das ist für die Videotheken im Moment die aussichtsreichste Überlebensstrategie.

Uwe Hofmann

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