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Dresdner Verkehrsbetriebe befördern keine Elektroscooter

Nach Unfall im Norden Dresdner Verkehrsbetriebe befördern keine Elektroscooter

Bernhardt Kasper kann kaum noch laufen. Mit seinem Scooter und den öffentlichen Verkehrsmitteln fühlte er sich bisher mobil. Doch das ist seit Montag Geschichte. Zum ersten Mal wurde er aus einer Straßenbahn geworfen.

Bernhardt Kasper darf mit seiner elektrischen Gehhilfe nicht mehr in den Bussen und Straßenbahnen der Dresdner Verkehrsbetriebe mitfahren. Der Grund: Der Schwerpunkt seines Gefährts ist so hoch, dass es umkippen könnte, so die DVB.

Quelle: D. Flechtner

Dresden. Bernhardt Kasper hat ein Problem. Es hat vier Räder, einen hohen und sehr bequemen Sitz, einen fahrradähnlichen Lenker und einen Elektroantrieb. E-Scooter heißt das Fahrzeug, auf das der 74-Jährige dringend angewiesen ist. Denn Bernhardt Kasper kann kaum noch laufen. Nur zehn bis 20 Meter traut er sich zu. Mit seinem Scooter und den öffentlichen Verkehrsmitteln fühlte er sich bisher mobil. Doch das ist seit gestern Geschichte. Zum ersten Mal wurde er aus einer Straßenbahn geworfen. Schon vor etwa zwei Wochen ist ihm das in einem Bus der Linie 70 passiert.

Alles rechtens, sagten gestern unisono Falk Lösch, Sprecher der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), und Peter Münzberg vom Verband der Körperbehinderten der Stadt Dresden. Die DVB weisen auf ihrer Website (www.dvb.de) im Faltblatt "Haltestellen-Atlas für Rollstuhlfahrer" auf diese Einschränkung hin. Demnach sind Elektroscooter mit drei und vier Rädern nicht erlaubt in den Dresdner Bussen und Bahnen. "Der Schwerpunkt ist so hoch, dass sie umkippen können", begründet Lösch diese Einschränkung. Außerdem könne man mit ihnen viel schlechter manövrieren als mit einem herkömmlichen Rollstuhl.

"Es geht vorwärts rein und rückwärts wieder raus", erklärt Lösch die Manövrierprobleme, "oder eben andersrum". Das bedeutet, Fahrer solcher Gehhilfen könnten sich nur schlecht oder gar nicht in eine Position bringen, in der sie sich festhalten können. "Es droht Gefahr für sie selbst und für andere Fahrgäste", sagt Lösch. Dabei verweist er auf einen Unfall vor Jahresfrist. Damals ist in einer Straßenbahn auf der Stübelallee an der Haltestelle Lipsiusstraße ein Scooterfahrer mit seiner Gehhilfe umgefallen. Diesen Unfall kennt auch Münzberg. "Der Rollstuhlfahrer hat sich damals nicht verletzt", erinnert er sich, kann aber dennoch das Mitfahrverbot der DVB verstehen. "Wir bedauern das, müssen aber auch selbstkritisch sagen, dass sich unsere Mitglieder nicht an die Regeln halten", sagt Münzberg, der selbst im Rollstuhl sitzt. "Sie halten sich zum Beispiel nicht fest."

Ein Unfall in Norddeutschland, bei dem sich ein Scooterfahrer schwer verletzt hat, legt den DVB das Mitnahmeverbot nahe. "Die Verkehrsbetriebe haben Bedenken, dass sie bei einem Unfall auf den Kosten sitzen bleiben, weil sie gewarnt sind", sagt Münzberg. Dennoch glaubt er nicht, dass in dieser Angelegenheit bereits das letzte Wort gesprochen ist. Der Verband will mit den DVB im Gespräch bleiben, kündigt er an. Schließlich betrifft das Mitnahmeverbot in Dresden etwa 50 E-Scooter-Nutzer, so seine Schätzung. Der Verband vertritt in der Landeshauptstadt rund 3500 Menschen, die auf Rollstühle angewiesen sind. Etwa 600 davon sind aktiv, so Münzberg. Will heißen: Sie sind mit ihren Gehhilfen fast täglich unterwegs.

Auch Bernhardt Kasper will aktiv bleiben. Er bemüht sich nun um einen neuen Rollstuhl. Wie Münzberg meint er aber, dass Krankenkassen lieber E-Scooter verschreiben als richtige Rollstühle. Denn die sind rund 60 Prozent preiswerter. Ein Rollstuhl schlägt mit etwa 9000 Euro zu Buche.

C. Springer

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