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„Dresdner Verein Brühlsche Terrasse“ feiert 25-jähriges Bestehen

In den Kasematten zuhause „Dresdner Verein Brühlsche Terrasse“ feiert 25-jähriges Bestehen

Festung? Was für eine Festung? So fragte vor 1990 mancher, wenn die Rede auf Dresdens Festungsanlagen kam. Ohne den „Dresdner Verein Brühlsche Terrasse e.V.“ wäre dies wohl noch immer so. Seit 25 Jahren engagieren sich die Mitglieder für den Erhalt der Anlage.

Blick in die Kasematten der Festung Dresden.

Quelle: imago stock&people

Dresden. Festung? Was für eine Festung? So fragte vor 1990 nicht nur Hans-Jürgen Hempel, wenn die Rede auf Dresdens Festungsanlagen kam. Vielen anderen Menschen in seinem Umfeld erging es ähnlich. Die Festung Königstein kannte jeder, aber eine Anlage mitten in Dresden, angelegt in der Renaissance unter Kurfürst Moritz? Inzwischen ist Hempel im „Museum Festung Dresden“ - populärer vielleicht als Kasematten - zu Hause. Seit sechs Jahren gehört er dem „Dresdner Verein Brühlsche Terrasse e. V.“ an und ist derzeit dessen Vorstandsvorsitzender. Ohne den Verein würde es das Museum gar nicht geben und ohne die fortgesetzten Bemühungen der Mitglieder würden sich viel weniger Leute in die Ecke Georg-Treu-Platz verirren, wo sich der Zugang versteckt.

Das sieht auch Christian Striefler so, Geschäftsführer der Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH, die Eigentümer der gesamten Festungsanlagen ist. Anfang der 1990er Jahre legten engagierte Bürger wichtige Teile der Festungsbauten frei und erforschten Dresdens frühe Geschichte. „Wir sind dem Verein für die Erschließung dieses spannenden und historisch so faszinierenden Areals sehr dankbar“, sagte Striefler anlässlich des 25-jährigen Vereinsjubiläums, zu dem im Museum auch eine kleine Ausstellung zum Vereinsleben eröffnet wurde.

Am 25. Januar 1991 hatten 22 Bürger ihren Brühlsche-Terrasse-Verein aus der Taufe gehoben. 13 der Gründungsmitglieder sind noch immer dabei. Aber angefangen hat alles schon viel früher. Natürlich gab es etliche fachkundige Menschen, die sich schon lange mit der linkselbischen Stadtbefestigung befasst haben. Sie wollten retten, was nach den Kriegsverlusten zu retten war und führten schon in den 1960-er Jahren Grabungen durch – bis es 1968 ein Verbot von oben gab.

Erst die politische Wende befeuerte die Spurensuche in Dresdens „Unterwelt“ wieder. Wobei das Bild durchaus stimmig ist, denn auch die Beschäftigung mit Feuerwaffen gehört dazu. Bei Beräumungsarbeiten machten die freiwilligen Festungsforscher gleich einen Sensationsfund: Teile einer Brücke über den Stadtgraben. Sie gilt als älteste Steinbrücke der Stadt und bildet heute neben dem letzten erhaltenen Stadttor (Ziegeltor) eines der Highlights der Schau, die 1992 nach vielen vorherigen Führungen eröffnet werden konnte. Die Resonanz war groß. Ehrenmitglied Joachim Sacher sprach vom 50000. Besucher schon 1992.

Doch 1993 war erneut Schluss mit Graben, Freilegen, Sichern. Das Landesamt für Archäologie verbot es. So mussten sich die Praktiker unter den Vereinsmitgliedern neue Betätigungsfelder suchen und sich zunehmend auf die Theorie verlegen. Bis heute sind unzählige Führungen organisiert und Vorträge erarbeitet und gehalten worden. Auf großes Interesse stießen anschauliche Modelle und Nachbauten, es wurden historische Kostüme kreiert und die Publikation „Kasemattengeist“ mit Wissenswertem gefüttert. Striefler lobte ausdrücklich die Leistungen jedes einzelnen Mitglieds. Erwähnt sollen hier nur Christoph Zeidler als Chronist und Referent sein oder Wolfgang Made als Organisator und Fotograf. Vereinsmitglied Eva Papke ist als Autorin stadtgeschichtlicher Bücher weit über Dresden hinaus bekannt.

Das Wichtigste aber war der Ausbau des Vereinsdomizils in der Piatta Forma. Eine kleine Tür am Terrassenufer führt direkt in die Gewölbe hinein. Dort informieren die Mitglieder Interessierte gern in Wort und Bild oder anhand von Modellen zur Festungsgeschichte und zur Brühlschen Terrasse. Nicht zuletzt auch darüber, wie sie schon dreimal dem Hochwasser trotzen mussten. Der Besuch in der Piatta Forma kann eine gute Ergänzung zum Museum sein.

Falls sich die Existenz der Festung Dresden immer noch nicht rumgesprochen hat, Schlösserchef Striefler plant hier künftig eine Art Fest der Sinne, bei dem multimediale Gestaltungen Augen und Ohren ansprechen sollen. „So kann Geschichte erfahrbar werden. Das Grobkonzept steht, aber die technische Ausführung braucht noch Zeit“, sagte er den DNN. Der Zugang zu den Kasematten wird dann von der Brühlschen Terrasse aus über den Kleinen Kanonenhof erfolgen.

Diese Zukunftsaussicht könnte vielleicht auch die jüngere Generation mehr ansprechen. Im Verein fehlt sie derzeit. Die rührigen Mitglieder sind überwiegend in Ehren ergraut, das älteste Mitglied zählt 91 Jahre. Vorsitzender Hempel will diesem Trend jetzt gegensteuern und gezielt Schulen ansprechen. So sollen Führungen entsprechend des Lehrplans angeboten werden – und vielleicht wird ja aus Unterricht auch ein Hobby. Genia Bleier

www.festung-dresden.de www.dresdner-verein-bruehlsche-terrasse.de

Ausstellung zur Vereinsgeschichte bis 30. Juni

Von Genia Bleier

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