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Dresdner Unternehmen bei der Schadensaufnahme: "Noch ist alles chaotisch"

Dresdner Unternehmen bei der Schadensaufnahme: "Noch ist alles chaotisch"

Wenn Jens Berthold in seiner Gärtnerei in Gohlis steht, tut ihm das Herz weh. Umgekippte, schlammige Töpfe, die Pflanzen schmutzig grau - so sieht das Stück Staudenfeld aus, das aus dem Wasser aufgetaucht ist.

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Wochenlange Pflege hat die Elbe bei der Gärtnerei Berthold in Dresden-Gohlis innerhalb weniger Stunden vernichtet. 60000 Topfpflanzen muss Gartenbau-Chef Jens Berthold auf den Müll werfen.

Quelle: Marion Doering

Und so wird auch der Rest aussehen, wenn der See, der sich auf den Anbauflächen gebildet hat, in ein oder zwei Monaten versickert ist. Ein halber Hektar mit Freilandpflanzen ist eine Woche vor dem Verkauf vom Hochwasser zerstört worden. 26 000 Töpfe mit Rittersporn, Mädchenauge, Schleierkraut und anderen Sommerpflanzen wurden vernichtet. Auch die neun Folienzelte und alle Gewächshäuser wurden überflutet. "Ich habe insgesamt 60 000 Töpfe verloren", sagt Berthold.

Es war weder Zeit noch gab es geeigneten Raum, um die Pflanzen in Sicherheit zu bringen. "Wir konnten einige junge Chrysanthemen retten, die müssten jetzt getopft werden", so Berthold. Doch das nötige Freiland steht noch unter Wasser. "Ich weiß noch nicht, was wir machen", sagt der 44-Jährige und hebt die Schultern, "aber wenn wir die Chrysanthemen nicht topfen können, dann haben wir dieses Jahr nichts mehr." Für seine sieben Mitarbeiter hat Berthold Kurzarbeitergeld beim Arbeitsamt beantragt. Den Hochwasser-Schaden schätzt er auf maximal 100 000 Euro, je nachdem, wie viel von der Bewässerungsanlage übrig ist. "Wir haben eine spezielle landwirtschaftliche Versicherung für Freikulturen und technische Anlagen", so der Chef. Inwieweit diese für kaputte Folienzelte, Matten und Bewässerungsschläuche aufkommt, sei fraglich. Aber es geht weiter, auch dank der vielen Anwohner, die in den letzten Tagen geholfen haben. Ab heute öffnet wieder der Blumenladen der Gärtnerei.

Auch in Laubegast berappeln sich die Firmen und Gewerbetreibenden wieder. "Es ist alles noch ein bisschen chaotisch", sagt Madeleine Schweitzer vom Spielzeugladen "Trullala" an der Osterreicher Straße 23. Am Montag stand sie noch knöcheltief im Wasser des vollgelaufenen Kellers, seit gestern hat sie wieder Strom, heute hat ihr Geschäft geöffnet. Weitermachen ist auch die Devise von Kfz-Meister Rainer Weber. Werkstatt und Wohnhaus an der Österreicher Straße 17 waren komplett abgesoffen. "Das Grundwasser drückt immer noch in den Keller", sagt Weber seufzend. Die Schadenshöhe ist nicht absehbar. Es wird sich in den nächsten Tagen zeigen, ob in der Werkstatt noch Hebebühnen und Bremsenprüfstand funktionieren. 1500 Euro Soforthilfe hat der Laubegaster beantragt: "Es ist eine Geste, aber ein Tropfen auf den heißen Stein." Nicht unmittelbar von der Flut betroffen war die Holzindustrie Dresden GmbH in Laubegast. Doch da alle Zufahrten überschwemmt waren, konnte der Betrieb mit seinen 86 Mitarbeitern seit letzten Mittwoch nicht produzieren. "Wir sind zum Teil auf die Zweigstelle in Heidenau ausgewichen, trotzdem gab es Ausfallzeiten", brichtet Prokuristin Cerstin Konrad.

Dieser Tage klingeln die Krisentelefone von Handwerkskammer (HWK) und Industrie- und Handelskammer (IHK). "2002 waren über tausend Betriebe in Ostsachsen von der Flut betroffen, von dieser Zahl geht man diesmal aber nicht aus", so HWK-Sprecher Ralf Krüger. Zehn Betriebsberater seien unterwegs, helfen bei Versicherungsfragen, Anträgen, vermitteln Azubis an trockengebliebene Betriebe.

Auch über die 1500 Euro Soforthilfe, die der Freistaat ausreicht, haben sich viele Betriebe erkundigt. "Die 1500 Euro je Betrieb können in vielen Unternehmen sicher nicht den Gesamtschaden decken, aber sie sind ein Signal, das Mut macht in dieser schwierigen Situation", erklärt HWK-Präsident Jörg Dittrich. "Dresden ist verglichen mit Pirna oder Heidenau glimpflich davongekommen", sagt IHK-Sprecher Jan Fiehler. Weniger das große, verarbeitende Gewerbe, sondern die kleinen, mittelständischen Betriebe habe es getroffen. "Ein großes Problem ist der Umsatzausfall", so Fiehler. Im Tourismusbereich ist die Sommersaison wahrscheinlich im Eimer.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.06.2013

Madeleine Arndt

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