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Dresdner Uniklinik bietet ADHS-Therapie über Konzentrationstraining per Computerspiel

Dresdner Uniklinik bietet ADHS-Therapie über Konzentrationstraining per Computerspiel

Manuel* kann einfach nicht still sitzen. Ständig läuft er umher, krakeelt und quasselt wie ein Wasserfall. Dann scheint er wieder wie abwesend, träumt sich in den Tag hinein, vergisst die Welt und seine Termine, ergibt sich seiner Angst und weint.

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Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Stephanie Enghardt demonstriert das Neurofeedback-Verfahren zur Therapie von ADHS-Patienten. Wenn sie sich nicht konzentriert, verschwinden Bild und Ton.

Quelle: Carola Fritzsche

Sein Zimmer gleicht einem Schlachtfeld und überhaupt scheint ein Klumpen Chaos ständig auf ihn hernieder zu stürzen. Manuel ist eines von den Kindern, die an einer Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung leiden, auch unter der Abkürzung ADHS bekannt. Die Krankheit gilt als häufigste Verhaltensstörung bei Kindern und Jugendlichen. Jetzt bietet die Dresdner Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie eine neue Therapie, bei der die jungen Patienten lernen, ihre Hirnströme selbst zu steuern - nach eigenen Angaben als erste Klinik in Sachsen.

Mit dem sogenannten Neurofeedback werden über ein Elektronencephalogramm (EEG) aufgefangene Hirnströme genutzt, um Computerspiele zu steuern. Die jungen Patienten können also Autorennen fahren und Flugzeuge steigen lassen, ohne eine Maus zu bewegen und Tasten zu drücken - nur mit ihren eigenen Gedanken. Allerdings müssen sie trainieren, diese mit einer Art "Tunnelblick" komplett auf das Auto oder das Flugzeug zu fokussieren. Denn nur so bewegen sich die bunten Verkehrsmittel auf dem Bildschirm. Wer keine Lust auf Computerspiele hat, kann sich auch Trickfilme ansehen. Allerdings verschwinden bei den Therapiefilmen Bild und Ton, wenn die Aufmerksamkeit nachlässt, die Handlung lässt sich also nur bei vollster Konzentration nachverfolgen.

Doch wie kann das neue Verfahren überhaupt funktionieren? Den jungen Patienten werden mindestens fünf Elektroden am Kopf und im Gesicht befestigt. Sie sind über Kabel mit einer Elektrodensteckdose und diese wiederum mit einem Computer verbunden. Ein spezielles Programm macht dort die Hirnströme in einer Grafik sichtbar. Gleichsam werden diese direkt in das Computerspiel geleitet. Auf dem Bildschirm gilt es nun, das rote Auto kreisen zu lassen. "Ziel ist es, so viele Runden wie möglich zu schaffen", erklärt Neurowissenschaftler Christian Beste.

Der Experte der kognitiven Neurophysiologie leitet die Forschung für die neue ADHS Therapie ohne Pillen. Durch ein fortwährendes Training in etwa 16 Sitzungen à 45 Minuten erhoffen sich die Ärzte, dass sich die Hirnrhythmen normalisieren. Damit könnte die Aufmerksamkeit der Kinder und Jugendlichen langfristig gesteigert werden. Sie würden sich folglich besser konzentrieren und stärker in den schulischen Alltag integrieren können. Der Erfolg des Trainings ist in ersten Studien belegt. In einem neuen Forschungsvorhaben geht es nun darum, die Wirksamkeit auch im Vergleich zur medikamentösen Behandlung zu untersuchen. Bislang wird ADHS mit einer Kombination aus Medikamenten sowie Ergo-, Physio- und Verhaltentherapie behandelt. Für die neue Studie sucht Neurowissenschaftler Christian Beste mit seinem Team noch ADHS-Patienten. Sie können das Neurofeedback kostenlos ausprobieren, bislang werden die Kosten von den Kassen noch nicht übernommen.

*Name der Redaktion bekannt

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.03.2014

Katrin Tominski

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