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Dresdner Tierretter: Zahl der Einsätze hat sich seit 2008 halbiert

Elch im Flur, Pferd in der Grube Dresdner Tierretter: Zahl der Einsätze hat sich seit 2008 halbiert

Ein Pferd bricht in die Jauchegrube ein, ein Elch verläuft sich in ein Bürogebäude, eine Katze bleibt im Spalt eines angekippten Fensters stecken – in solchen Fällen rücken die Tierretter der Dresdner Feuerwehr aus. 2015 fuhren sie 763 Einsätze. Nicht selten ein aufregender und manchmal auch gefährlicher Job.

Dieses Pferd war in eine Jauchegrube eingebrochen.
 

Quelle: Roland Halkasch

Dresden.  Sie sind Retter in der Not, nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere – die Kameraden und Kameradinnen der Dresdner Feuerwehr. Bei der Feuerwache in Übigau steht dafür ein speziell ausgestattetes Fahrzeug bereit. Es ist mit einem Käfig für etwas größere Tiere, Transportboxen für kleinere Tiere, einem Imker-Schutzanzug, Bienenkisten, die in einem Kühlfach untergebracht werden können, einer Box für Tierkadaver, und diversen Hilfsmitteln zum Einfangen von Tieren, Desinfektionsmitteln u.a.m. ausgerüstet.

2015 fuhren die Feuerwehrleute 763 Einsätze, davon 335 zur Tierrettung, 378 zur Bergung von toten Tieren, 29 Mal standen Insekten im Mittelpunkt und 21 Mal Wildtiere. Die Feuerwehr leistet auch Amtshilfe, übernimmt z.B. den Transport von Tieren, wenn der Tierhalter verstorben ist oder ihm das Recht zur Tierhaltung entzogen wurde und das Tierheim den Transport nicht selber übernehmen kann.

„Seit 2008 hat sich die Zahl der Einsätze bei der Tierrettung halbiert“, weiß Ralf Schröder, Sprecher der Dresdner Feuerwehr. Er begründet das mit der besseren Zusammenarbeit mit Institutionen und Vereinen. Die Feuerwehr kann sich nicht nur auf die Unterstützung von Tierheim und Wildvogelauffangstation verlassen. Auch der Dresdner Imkerverein sei in Sachen Bienen ein zuverlässiger Partner geworden. Zudem versuche man in der Leitstelle, wenn die Hilferufe eingehen, durch sensibel geführte Gespräche abzuchecken, ob ein Einsatz wirklich nötig ist. Nicht immer gelingt das. „Manche Anrufer sind jedem Argument unzugänglich, sie wollen uns vor Ort sehen“, so Schröder. Der Servicebedürfnis sei sehr hoch.

Viele Einsätze bei Wildtieren wären vermeidbar

„Viele Einsätze, gerade was Wildtiere betrifft, wären vermeidbar, denn sie kommen durch Unwissenheit und falsch verstandene Tierliebe zustande“, bestätigt Jochen Müntner. Der Brandmeister ist einer der Kameraden, die u.a. auch in der Tierrettung tätig sind. Als einstiger Berufsfischer sowie als Jäger und Jagdpächter kennt er sich mit der Fauna bestens aus. „Vor allem wenn Jungtiere scheinbar alleine sind, kommt vielen sofort der Gedanke, dass diese hilflos sind. Oft ist das gar nicht so und die Elterntiere befinden sich in der Nähe“, weiß Müntner.

Erst kürzlich versetzte eine Entenfamilie eine Menschenfamilie in tiefe Besorgnis. Denn das Entenpärchen, das im begrünten Innenhof der Hochschule für Bildende Künste brütete, hatte bei schönem Wetter mit dem Nachwuchs den Innenhof durch ein Gitter verlassen, sich auf einen Ausflug begeben und watschelte auf dem Gehweg entlang. Aufgrund „drohender Gefahren durch den Straßenverkehr“ wurde die Feuerwehr informiert. Als die eintraf, hatten sich die Enten bereits wieder „in ihr Refugium im Innenhof zurückgezogen“, heißt es im Lagebericht.

„Verirrter Hahn“ hielt nur ein Nickerchen

Ein anderes Mal wurde ein „verirrter Hahn auf einem Zaun“ gesichtet. Wie sich herausstellte, war es der Haushahn, der ein Nickerchen hielt. Auch der Waschbär, der nach Angaben des Anrufers „taumelnd und orientierungslos in der Mittagszeit auf der Straße lief“, deshalb von ihm eingefangen und in ein leeres Wasserfass gesteckt worden war, hatte augenscheinlich keine Verletzungen und wurde deshalb wieder frei gelassen. Und die „fremdländisch aussehende, 60 cm lange Schlange“ entpuppte sich als einheimische, ungiftige Äskulapnatter.

Die meisten Anrufe „Tier in Not“ betreffen allerdings Hunde und Katzen. Allein in diesem Jahr wurden z.B. bis jetzt 45 herrenlose Hunde und 23 herrenlose Katzen eingefangen. Ein Klassiker ist auch die Katze auf dem Baum. „Manchmal ist die Katze, wenn wir eintreffen, schon selber wieder runtergeklettert. Manchmal genügt es, eine Leiter an den Baum zu stellen“, erzählt Ralf Schröder.

Und er bestätigt, dass die Menschen in der Stadt eher zum Telefonhörer greifen und die Tierretter rufen, als in den eher ländlich geprägten Gebieten. „Wenn dort ein toter Vogel auf der Straße liegt, holt man die Schaufel. In der Stadt eher nicht. Was aber gewiss auch mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu tun hat. Als Mieter in der Innenstadt hat man nicht mal eben schnell eine Schaufel zur Hand.

Der verirrte Elch hinter der Scheibe eines Dresdner Bürogebäudes

Der verirrte Elch hinter der Scheibe eines Dresdner Bürogebäudes.

Quelle: Roland Halkasch

Doch in den meisten Fällen ist wirklich Gefahr im Verzug. Die spektakulärsten Fälle in jüngerer Vergangenheit: Der Elch, der im August 2014 im Siemens-Gebäude eine Scheibe zertrümmert hatte und ins Gebäude gelaufen war. Und das Pferd, das im August 2015 auf einem Bauernhof am Merbitzer Ring aus einer Jauchegrube gerettet wurde. „Die Besitzerin des Pferdes war so glücklich und hat sich mehrmals bedankt“, so der Feuerwehrsprecher.

Am 24032013 rettete die Berufsfeuerwehr ein Reh aus einer Grube

Am 24.03.2013 rettete die Berufsfeuerwehr ein Reh aus einer Grube. Das Tier war in der Nähe des Haltepunktes Grenzstraße in Klotzsche in einen Schacht gefallen. Mit einem Seil zogen die Kameraden das Reh aus der Grube. Fast unverletzt flüchtete das Reh in den Wald.

Quelle: brennpunktfoto

Auch das Reh, das im März 2013 in Klotzsche aus einem Schacht gezogen wurde, ist dem ein oder anderen vielleicht noch in Erinnerung. In diesem Jahr haben die Tierretter u.a. einen Eichelhäher, der sich in einem Strick verheddert hatte, befreit, eine kleine Eule aus einem Luftschacht geholt, ein zwischen zwei Zaunsäulen eingeklemmtes Reh gerettet.

Für Brandmeister Jochen Müntner hat sich in den elf Jahren, die er nun schon in der Tierrettung arbeitet, ein anderer Einsatz tief ins Gedächtnis eingegraben: „Ein Mann hatte nach einem Streit mit seiner Frau wütend die Wohnung zerlegt. Dabei gingen auch mehrere Terrarien zu Bruch. Wir haben dann zehn Geckos von den Wänden gepflückt, eine zwei Meter lange Königspython eingefangen, zwei Hunde und eine Katze eingesammelt. Am Ende hatten wir einen halben Zoo im Auto.“

Tiertransport zahlt Tierbesitzer

Doch wer bezahlt eigentlich die Rettung der Tiere? „Wir haben einen öffentlichen Auftrag, also bei Gefahr im Verzug die öffentliche Hand“, so Feuerwehrsprecher Ralf Schröder. „Für die Kosten eines Tiertransportes dagegen muss der jeweilige Tierbesitzer aufkommen. Allerdings gibt es da einen Ermessensspielraum. „Es kommt immer auch auf die Situation an und ob der Besitzer Schuld an der Situation hatte. Die Kameraden vor Ort können das am besten einschätzen und treffen die Entscheidung.“

Werden streunende Hunde eingefangen und der Eigentümer meldet sich, weil er ihn wiederhaben möchte, dann bekommt er von der Feuerwehr eine Rechnung. Auch wenn eine Katze vom Baum geholt wird und der Eigentümer bekannt ist, muss er zahlen. „Eigentum verpflichtet“, begründet Ralf Schröder. Er weiß aber auch, dass sich bei Katzen meist kein Eigentümer meldet.

Zudem verweist er darauf, dass die Feuerwehr nicht der richtige Ansprechpartner ist, wenn auf einem privaten Grundstück Bienen, Wespen oder Hornissen für Probleme sorgen. „Da muss der Grundstücksbesitzer schon die Gelben Seiten bemühen, sich einen Spezialisten bestellen und diesen auch selber bezahlen.“

Von Catrin Steinbach

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