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Dresdner Tierhalterin wegen Beleidigung vor Gericht

Wieder Katzenjammer wegen Maxi Dresdner Tierhalterin wegen Beleidigung vor Gericht

Immer wieder hört man, dass die Justiz am Limit läuft und total überlastet ist. Mag sein, aber manchmal scheint die Staatsanwaltschaft Langeweile zu haben und macht dann aus einer Mücke einen Elefanten. Dr. Angelika H. kann ein Lied davon singen.

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Symbolfoto

Quelle: dpa

Dresden. Immer wieder hört man, dass die Justiz am Limit läuft und total überlastet ist. Mag sein, aber manchmal scheint die Staatsanwaltschaft Langeweile zu haben und macht dann aus einer Mücke einen Elefanten. Dr. Angelika H. kann ein Lied davon singen. Die 53-Jährige liebt ihre Katze Maxi über alles. Seit 2003 lebt der 13 Jahre alte Stubentiger gut behütet in ihrem Haushalt. Allerdings brachte Maxi Frauchen schon zweimal in die Tretmühlen der Justiz.

Rückblick: Amtsgericht Juni 2015. Die Staatsanwaltschaft wirft der Katzenmutti einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor. Grund: Sie hatte sich geweigert ihre diabeteskranke Maxi mit Insulin behandeln zu lassen. Dr. H. konsultierte Tierheilpraktiker und behandelte ihre Katze mit homöopathischen Mitteln. Allerdings weckte sie damit den Jagdinstinkt einiger Behörden. Die Frau wurde von einem Tierarzt angezeigt, dann das Veterinäramt, die Staatsanwaltschaft und das Gericht bemüht. Nur wenige Wochen nach der Anzeige rückte die Kavallerie, sprich das Veterinäramt und die Polizei, an, um die Katze zu „befreien“. Vernachlässigte Kinder müssen da oft viel länger warten, bis sie Hilfe bekommen.

Da die Angeklagte die Katze nicht freiwillig rausrückte, sondern kämpfte wie eine Löwin, gab es eine Rangelei mit den Beamten. Maxi kam ins Tierheim und Frauchen vor Gericht. Richter Ralf Schamber musste strafrechtlich klären, ob die Katze vernachlässigt wurde und durch die Nichtbehandlung mit Insulin langwierige Qualen erlitten hat. Er kam zu dem Schluss „nein“, sprach die 53-Jährige frei. Für die Rangelei erhielt sie eine Verwarnung mit Strafvorbehalt. Das vorläufige Tierhalteverbot wurde aufgehoben. Die Katzenmutti hätte ihr Tier am liebsten sofort nach Hause geholt. Doch weil die Staatsanwaltschaft das Urteil nicht akzeptierte, sollte Maxi als Beweismittel für eine Berufungsverhandlung im Tierheim bleiben. Er als die Verteidigerin Einspruch einlegte, konnte sie zurück zu Frauchen.

Maxi geht es wieder richtig gut, Dr. H. nicht ganz. Sie wartet auf die Berufungsverhandlung am Landgericht. Zudem stand sie jetzt erneut vor dem Amtsgericht – diesmal wegen Beleidigung. Bei der Auseinandersetzung um die Beschlagnahmung von Maxi war ein Polizist auf die Katzenmutti gestürzte oder sich auf die kleine Frau geworfen, da gingen die Meinungen etwas auseinander. Beide knallten in den Wohnungsflur und auf den Katzenkorb, der zu Bruch ging, ebenso wie die Brille der Angeklagten. Dr. H. wurde durch den Sturz verletzt – dem Beamten war nichts passiert.

Diese Situation hatte die Angeklagte eindrucksvoll bei einer anschließenden Polizeivernehmung geschildert, den ziemlich korpulenten Beamten dabei aber als „fettes Vieh“ bezeichnet. Dr. H. wurde, wenn auch viel später, angezeigt. Da war einiges nicht ganz schlüssig. Die Angeklagte entschuldigte sich im Gericht für ihre verbale Entgleisung. „Ich wollte ihn nicht beleidigen, aber ich war so aufgeregt. Man sagt da ja oft Sachen, die man nie zu Papier bringen würde. Es tut mir leid.“ Zwei böse Worte in einem Nebensatz während einer über zwei Stunden dauernden und sonst sehr sachlichen Vernehmung. Überspitze Meinungsfreiheit oder persönliche Diffamierung? „Die Äußerung allein wäre strafbar“, so Richter Schamber. „Aber sie steht nicht allein, sondern im Zusammenhang mit der Schilderung der Wegnahme der Katze, die für die Angeklagte ungerecht war. Hier steht nicht die Schmähung im Vordergrund, sondern die Sache.“ Wieder ein Freispruch – zunächst, es bleibt abzuwarten, was die Staatsanwaltschaft tut. Die Prozesskosten trägt bei Freispruch übrigens die Staatskasse – also der Steuerzahler. Mal ehrlich, haben wir keine anderen Probleme?

Von Monika Löffler

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