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Dresdner Tagesmütter arbeiten an Kapazitätsgrenze

Dresdner Tagesmütter arbeiten an Kapazitätsgrenze

Angesichts der Krippennot will die Stadt nicht nur ihr Kita-Netz ausbauen, sondern auch über 50 neue Tagesmütter gewinnen. Inklusive einer schon im Herbst gestarteten Akquise-Aktion sollen so bis zur Jahresmitte 350 neue Plätze für die Kleinkind-Betreuung entstehen.

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Tagesmutter Elke Klaß spielt mit der einjährigen Fiona (.) und der zweijährigen Wanda. Ihre Betreuungsplätze sind sehr begehrt. Sie hat ein kleines Netzwerk mit vier weiteren Klotzscher Tagesmüttern geknüpft, um einander auszuhelfen - und von dort kommen ähnliche Meldungen.

Quelle: Carola Fritzsche

Bei den etablierten Tagesmüttern sind die Platzkapazitäten zumeist bis zur Oberkante ausgelastet - Wartezeiten von einem Jahr sind hier keine Seltenheit.

Von Heiko Weckbrodt

"Als ich vor zehn Jahren in Klotzsche als Tagesmutter angefangen habe, hieß es von der Stadt: Laut Statistik brauchen wir hier keine Tagespflege mehr, es gibt genug", erinnert sich Elke Klaß, die in ihrer Wohnung im Dresdner Norden inzwischen fünf Kleinkinder tagsüber betreut - mehr lässt das Gesetz gar nicht zu. "Ich habe das damals trotzdem gemacht, denn für mich war das ein Traumberuf - ich wollte eigentlich mal Kindergärtnerin werden", erzählt sie. "Heute bin ich voll ausgelastet. Und die anderen Tagesmütter in Klotzsche, die ich kenne, sagen genau das selbe."

So wie Elke Klaß geht es den meisten Tagesmüttern in Dresden. 2002, als das sächsische Kita-Gesetz dieses Betreuungsmodell der Krippe als Alternative gleichstellte, wurden die Tagesmuttis noch von vielen Eltern skeptisch beäugt, so nach dem Motto: In der Krippe weiß ich mein Kind gut aufgehoben - warum sollte ich es einer fremden Frau anvertrauen? Dies hat sich inzwischen grundlegend gewandelt: Das neue Modell, das zum Beispiel kleinere Kindergruppen, flexiblere Absprachen zwischen Eltern und Betreuerin sowie eine bunte Landschaft pädagogischer Konzepte ermöglichte, hat Vertrauen gefunden. Auch, weil der Kita-Eigenbetrieb ein pädagogisches Schulungsprogramm für die Tagesmütter zur Pflicht machte.

Heute bieten in Dresden 343 Tagesmütter und -väter insgesamt 1547 Plätze an. Bis Ende Juni 2012 soll diese Kapazität laut Auskunft des Sozialdezernats auf 1899 Plätze steigen. Die Kandidatinnen für die ersten 100 Plätze befinden sich jetzt im Zulassungsverfahren, die anderen Kapazitäten schreibt der Kita-Eigenbetrieb ab heute aus.

Der Grund für die städtische Eile: Die Betreuungslücke vor allem für bis zu drei Jahre alte Kinder wächst wegen Baby-Boom und Zuzug rasant, in diesem Jahr fehlen rund 1500 Plätze. Aber selbst die geplanten Notlösungen, die Container-Kitas, brauchen ein Jahr Vorlaufzeit und sind bis heute noch nicht voll durchfinanziert. Da bleibt als kurzfristiger "Hebel" nur der Ausbau des Tagesmütternetzes, denn die Frauen und Männer betreuen ihre Gastkinder meist in der eigenen Wohnung, gebaut werden muss also nicht.

Die Lage ist so angespannt, dass der Kita-Eigenbetrieb die Tagesmütter nun gebeten hat, "ihre" Kinder über das dritte Lebensjahr hinaus zu betreuen, obwohl da eigentlich der Wechsel in den Kindergarten ansteht. "Ich würde ja gern, aber da müsste sich auch der Eigenbetrieb bewegen", sagt die Lockwitzer Tagesmutter Jana Köhler. Denn sie bräuchte die Erlaubnis, zeitweise auch mehr Kinder in die Eingewöhnungsphase zu nehmen, was aber der Eigenbetrieb nicht zulasse. "Die Konsequenz ist, dass ich im April ein Kind abgeben muss, die Eltern haben aber erst für September einen Kindergartenplatz."

Und die Neuanmeldungen sind immens. "Vor allem die zugezogenen Eltern suchen dringend Plätze, aber ich muss absagen, weil ich nur fünf Kinder betreuen kann", berichtet die Pappritzer Tagesmutti Elvira Berger. "Nur, wer sich ein Jahr vorher anmeldet, hat gute Chancen. Die Situation ist schon ein bisschen prekär", schätzt sie ein.

Auch bei anderen Tagesmüttern sind die nächsten Plätze erst im Herbst 2013 oder gar 2014 frei. "Es gibt Tage, da rufen drei Eltern an und wollen am liebsten vorgestern einen Platz", erzählt die Bühlauer Tagesmutter Karin Hubricht. "Der ganz normale Wahnsinn eben". Auch in Strehlen kenne kaum eine Kollegin das Wort "Leerstand", ergänzt Tagesmutter Margit Rodmann. "Sobald ein Platz frei ist, wird sofort ein neues Kind durch die Beratungsstelle vermittelt."

Die meisten der von den DNN befragten Tagesmütter begrüßten die Ausbaupläne der Stadt. Einige zeigten aber auch Skepsis, wie viele neue Betreuerinnen die Stadt wohl noch finden werde. "Und ich befürchte auch ein wenig, dass die Qualität auf der Strecke bleibt, wenn es jetzt so auf Masse geht", meint Jana Köhler. Für viele Eltern wird indes wohl vor allem jetzt zählen, überhaupt einen Platz für ihr Kind zu finden. Am Ball bleiben lohne sich aber, meint Elke Klaß. "Mein Rat an die Eltern ist: Geben sie nicht auf bei der Suche, dann findet man doch einen Platz."

In Dresden gibt es drei städtisch beauftragte Vermittlungsstellen:

- Ortsamtsbereiche Leuben, Prohlis, Plauen; Outlaw, Franz-Liszt-Straße 13, Telefon 3 12 06 20

- Ortsamtsbereiche Klotzsche, Losch- witz, Blasewitz: Kinderland Sach- sen, Berggartenstraße 5, Telefon 3 12 09 90

- Ortsamtsbereiche Altstadt, Neustadt, Pieschen, Cotta: Malwina, Leipziger Straße 112, Telefon 21 52 36 40

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.02.2012

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