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Dresdner TU-Informatiker wollen mit hochdetaillierten 3D-Scans Kunstgalerien im Netz ermöglichen

Dresdner TU-Informatiker wollen mit hochdetaillierten 3D-Scans Kunstgalerien im Netz ermöglichen

Dank schneller Internetverbindungen und moderner 3D-Scan-Technologien können sich Touristen und Forscher in naher Zukunft bereits vor ihrer Reise in virtuellen Kunst-Galerien ein erstes Bild von prunkvollen Ausstellungen in Dresdner Museen machen, Musiker schon vor ihrem Gastspiel in der Semperoper wie in einem Videospiel ihre Aufführungen planen.

An solchen Szenarien arbeiten jedenfalls bereits mehrere Teams in der Informatikfakultät der TU Dresden. Mit Strategien und Richtlinien zur Erfassung musealer Sammlungen und dem Einsatz moderner 3D-Technik haben sich auch die 300 Museumsfachleute aus aller Welt bei ihrem Treffen in Dresden beschäftigt, das heute zu Ende geht.

"Die Staatlichen Kunstsammlungen haben über 7000 Porzellanobjekte - Vasen, Teller, Tassen, Skulpturen und vieles mehr", sagte Professor Stefan Gumhold vom Lehrstuhl für Computergraphik und Visualisierung. Wenn man die mit den neuen Scantechniken der TU als 3D-Objekte erfassen und wie eine virtuelle Ausstellung ins Internet stellen würde, könne dies sicher für viele Touristen ein Anreiz sein, doch nach Dresden zu kommen, um sich die Originale anzusehen. "Vorstellbar wäre auch, diese virtuellen Sammlungen mit 3D-Druckern zu koppeln, um aus der Ferne exakte Repliken zu erstellen", meint der Professor

Zwar hatten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) bereits in der Vergangenheit Anläufe unternommen, insbesondere ein jüngeres Publikum durch virtuelle Ausstellungen im Netz zu "echten" Besuchen zu animieren. Als zum Beispiel die Internetwelt "Second Life" noch als jung und trendy galt, hatte die SKD-Galerie "Alte Meister" dort eine virtuelle Dependance eröffnet. Doch was da zwischen 2007 und 2011 an Kunst herumstand, war eher klobig anzusehen, zudem gilt "Second Life" längst als "out" bis ausgestorben.

Was Gumhold und seine Kollegen vorhaben, zielt nun auf eine ganz andere Qualitätsklasse: hochauflösende 3D-Scans der Kunstobjekte nämlich, an deren virtuellen Kopien man wirklich jedes Detail erkennen soll. Weil kommerzielle 3D-Scantechnik dafür zu grob ist, haben sie dafür eigene flexible Kombinationssysteme aus Spiegelreflex-Kameras, Projektoren, Eichmustern und spezieller Software entwickelt. Erste hochdetaillierte Computerkopien von Porzellan-Kunstobjekten haben sie damit bereits erstellt. Nun suchen die Partner SKD und TU nach Geldquellen, um einen Massen-Scan zu finanzieren.

Zudem haben Gumholds Studenten schon Prototypen internetgestützter Kunstgalerien entwickelt. In einem virtuellen Abbild des Lipsiusbaus haben die Nachwuchsinformatiker auch moderne Navigationskonzepte, die vor allem junge Besucher ansprechen sollen, erprobt - beispielsweise mit Computertelefonen oder durch freie Fingergesten im Raum.

Ein anderes Lehrstuhl-Projekt entstand zusammen mit der Semperoper. Die nämlich schickt bisher Gast-Ensembles vor der Tournee Papierhandbücher vom Bühnenaufbau zu, die freilich einiges räumliches Einfühlungsvermögen erfordern. Der Informatikstudent Andreas Peetz entwickelt nun auf dieser Basis ein interaktives Handbuch, das mit 3D-Grafiktechniken ("Engines") arbeitet, wie sie so ähnlich auch in Videospielen verwendet werden. In dieser virtuellen Semperoper können die Tournee-Planer dann von zu Hause aus umherwandeln, die 16 Hebebühnensegmente in Bewegung setzen und auch Gefahrenquellen für die Künstler bei bestimmten geplanten Abläufen beizeiten erkennen.

Ihre neuartigen 3D-Erkennungs- und Visualisierungstechniken wollen die Dresdner Forscher aber auch in sehr dynamischen und komplexen Alltagsszenarien einsetzen: So statten sie beispielsweise Mini-Flugroboter mit Systemen aus, damit die Brückenschäden erkennen können. Statt Menschen bei fälligen Inspektionen auf waghalsige Klettertouren zu schicken, sollen fortan diese unbemannten Mini-Drohnen die Brücken umfliegen und Probleme melden. Auch versuchen die Informatiker, Haushaltsrobotern beizubringen, sich selbst in chaotischen Wohnungen richtig zu orientieren. Die Kunst dabei ist, den künstlichen Helfern beizubiegen, umherlaufenden Menschen nicht ins Gehege zu kommen oder zu erkennen, wenn etwas nicht auf dem rechten Platz liegt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.09.2014

Heiko Weckbrodt

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