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Dresdner TU-Eisschränke holen sich ihr Kühlmittel aus der Luft

Dresdner TU-Eisschränke holen sich ihr Kühlmittel aus der Luft

Es klingt absurd, aber: Ausgerechnet mehr Kohlendioxid (CO2) könnte den Industrienationen helfen, das globale CO2-Klimaproblem in den Griff zu bekommen. Denn viele Kühlaggregate, die heute in Privathaushalten, Fabriken, Auto-Klimaanlagen oder Supermärkten vor sich hin brummeln, arbeiten mit halogenen Kohlenwasserstoffen als Kühlmittel, das mehr als 1000-fach so starke Treibhauseffekte erzeugt wie simples CO2. Könnte man dieses Zeug durch das natürliche Gas CO2 ersetzen, würde dies nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch enorm viel Energie sparen, ist Prof. Ullrich Hesse überzeugt, der den Bitzer-Lehrstuhl für Kälte-, Kryo- und Kompressorentechnik der TU Dresden leitet.

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Ausgerechnet mehr Kohlendioxid (CO2) könnte den Industrienationen helfen, das globale CO2-Klimaproblem in den Griff zu bekommen.

Quelle: Heiko Weckbrodt

Sein Team hat nun mit Industriepartnern aus Kesselsdorf eine solche CO2-Kühltechnik entwickelt. Diese Hightech-Anlage, die sich ihr Kühlmittel aus der Luft holt, wird inzwischen in einem Modell-Supermarkt in Basel erprobt - und hat dazu geführt, dass der Markt elf Prozent weniger Energie verbraucht.

Die besondere Expertise der Dresdner ist indes auch in vielen anderen Branchen, die man als Laie gar nicht mit Kühltechnik assoziiert, stark gefragt: BMW beispielsweise zog die TU-Spezialisten heran, um einen Tank für Autos zu entwickeln, die mit flüssigem Wasserstoff angetrieben werden. Mit einem anderen Automobil-Unternehmen arbeiten Hesse und seine Kollegen zusammen, um das Hitze-Problem von Lithium-Ionen-Akkus in Elektroautos in den Griff zu bekommen. Auch kooperieren die Dresdner mit Airbus (Flugzeug-Klimaanlagen) und mit Maschinenbauern, die Großkompressoren für Erdgas-Pipelines, Kunststoff-Werke und PET-Flaschen-Fabriken bauen. "Da sprechen wir über riesige Maschinen, die bis zu 800 Tonnen schwer sind und 42 Megawatt Leistung haben", sagt Hesse.

Eine spezielle "Kryo"-Abteilung am Lehrstuhl jagt zudem einem Element nach, das im Weltall sehr häufig, auf Erden hingegen sehr selten vorkommt: Helium. In flüssiger Form dient es zum Beispiel dazu, Supraleit-Magneten bis nahe an den absoluten Temperatur-Nullpunkt herunterzukühlen, damit die plötzlich anfangen, Strom widerstandslos zu leiten. Gebraucht wird Helium zum Beispiel für Kernspin-Tomografen, die in immer mehr Kranken- und Ärztehäusern stehen. Weil die aber das wertvolle Helium meist hinterher achtlos in die Luft verpuffen, steigt und steigt die Nachfrage für dieses - meist aus Erdgas gewonnene - Gas weltweit rasant. Die TU-Kryoexperten haben deshalb eine zentrale Helium-Verflüssigungsanlage für die Uni konstruiert und arbeiten an effektiven Rückgewinnungs- und Lagermethoden für das begehrte Kühlmittel.

Weil viele dieser Projekte hochinteressant für die Wirtschaft sind, bekommt die Professur jährlich Millionenzuschüsse von der Industrie für ihre Forschungen. Und die gelten als deutschlandweit führend: "Wir sind in der Bundesrepublik der letzte universitäre Lehrstuhl, der Kältetechnik noch in ihrer vollen Breite abdeckt", sagt Hesse. Als die Uni vor einigen Jahren erwog, den Lehrstuhl abzuwickeln und die über 100-jährige Tradition der Kühlanlagen-Forschung in Dresden zu beenden, lief die Industrie Sturm. Letztlich richtete der Sindelfinger Kompressoren-Hersteller "Bitzer" eine Stiftungsprofessur ein, um die Dresdner Expertise zu retten.

Auf einem "Innovationstag Kältetechnik", den die TU-Transfertochter "GWT" mitorganisiert hat, haben die Dresdner Kühltechnik-Wissenschaftler gestern in Nürnberg ihre Projekte vor über 100 deutschen und internationalen Forschern sowie potenziellen neuen Industriepartnern vorgestellt. Ein Schwerpunkt-Thema ist die deutsche Energiewende. Denn Hesse ist sicher: Klassisch und ausgereizt erscheint Kühltechnik nur dem Laien - tatsächlich hat sie das Zeug, um allein in Deutschland Strom in Größenordnungen mehrerer Kraftwerke zu sparen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.10.2014

Heiko Weckbrodt

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