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Dresdner Sunstrom sorgt in Berlin für grünen Strom - mit bitterem Beigeschmack

Dresdner Sunstrom sorgt in Berlin für grünen Strom - mit bitterem Beigeschmack

Im August wollen Beamte des Berliner Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in einen neuen Verwaltungsgebäudekomplex an der Spree einziehen. Der Neubau soll 80 Prozent des benötigten Stroms selbst erzeugen - auch mit Hilfe der Photovoltaik-Spezialisten von MR Sunstrom aus Dresden.

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So soll der im Bau befindliche Verwaltungsneubau für das Bundesforschungsministerium im Sommer aussehen. Das Architektenbüro Heinle, Wischer und Partner hat den Wettbewerb dafür gewonnen. An der Umsetzung des innovativen Energiekonzepts ist auch der Dresdner Photovoltaikanbieter MR Sunstrom beteiligt.

Quelle: Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten

Die haben aber trotz des prestigeträchtigen Großauftrags gerade mit der Bundesregierung so ihre Probleme.

Mit Solaranlagen an architektonisch anspruchsvollen Gebäuden kennen sich Stephan Riedel und seine Mitarbeiter aus. Zu den Topreferenzen der Dresdner Sonnenstrom-Spezialisten gehören die BMW-Welt und die ADAC-Zentrale in München. Gebaut worden sind sie bevor Sunstrom durch die Pleite des Mehrheitsgesellschafters Solarwatt im Juli 2012 mit in die Insolvenz gerissen wurde. Riedel und sein Geschäftspartner Reiner Mathees haben die Firma zurückgekauft und als MR Sunstrom einen Neustart gewagt - mit 64 von einst 145 Mitarbeitern. Im vergangenen Jahr haben sie mit 50 Mitarbeitern fünf Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.

Der imposante Regierungsbau am Berliner Spreebogen, in dem ein Smartgrid aus gasbetriebener Brennstoffzelle, Blockheizkraftwerk sowie insgesamt 700 Solarmodulen an der Fassade und auf den Dächern für sauberen Strom sorgen soll ist gut fürs Renommee. Das täglich Brot müssen sich die Dresdner aber woanders verdienen. "Unsere Stärke ist, dass wir auch Sachen hinbekommen, die andere nicht können", sagt Riedel. Photovoltaik in Hanglagen zum Beispiel, wie auf der Altdeponie in Gröbern bei Meißen. Fast 4500 Solarmodule liefern dort seit Ende September vergangenen Jahres sauberen Strom für bis zu 350 Haushalte.

Immer öfter warten und reparieren Mitarbeiter von MR Sunstrom aber auch Solaranlagen, die von Firmen gebaut worden sind, die es inzwischen nicht mehr gibt. Der heftige Markteinbruch im Jahr 2012, der die deutsche Solarbranche die Hälfte ihrer Arbeitsplätze gekostet hat, ist immer noch im Gange. Bis 2012 sei die Kappung der Solarförderung in der Regel moderater gewesen als der Preisrückgang für Solaranlagen, dann aber unverhältnismäßig forciert worden, beklagt der Branchenverband BSW Solar. So schnellte die Zubaurate bei Photovoltaik von 1,9 Gigawatt im Jahr 2008 auf 7,4 Gigawatt im Jahr 2010 hoch und pegelte sich dann auf etwa diesen Wert ein. 2012 und 2013 sanken die Preise für Solaranlagen um 25 Prozent, die Förderung wurde aber um 56 Prozent gekürzt. Der Zubau sank auf 3,3 Gigawatt im vergangenen Jahr, für dieses Jahr prognostiziert der BSW Solar einen weiteren Rückgang auf 2,8 Gigawatt und warnt vor einem Kahlschlag.

Das Problem für Anlagenbauer wie MR Sunstrom sind nicht Billigmodule aus China. Auch die könnten sie verbauen. Sinkende Zubauraten sind politisch gewollt, sollen den starken Anstieg der EEG-Umlage bremsen. Und die Bundesregierung will mit der Förderkappung - so steht es in ihrem Energiekonzept - den Druck auf die Anbieter erhöhen, Innovationen anzubieten und Potenziale zur Kostensenkung zu nutzen. Diesem Druck stellt sich Riedel. Er verlangt aber eine faire Chance. "So, wie es jetzt aussieht", sagt er, "besteht die Gefahr, dass immer mehr deutsche Solarfirmen für eine Übernahme durch ausländische Konkurrenten reif geschossen werden". Gemeinsam mit seiner Forschungsabteilung entwickelt der Physiker intelligente Steuerungen und innovative Lösungen, die die Energieausbeute der Solaranlagen erhöhen. Die Talsohle könnte für MR Sunstrom nun durchschritten sein, denn Riedel klagt über Fachkräftemangel. Er habe bereits den einen oder anderen Mitarbeiter zurückholen können, den er einst entlassen musste, sagt er, aber gute Leute seien nicht lange auf dem Markt. Jetzt würde er gern wieder zwei bis drei Elektroinstallateure einstellen. Ein viel versprechendes Geschäftsfeld ist, Gewerbetreibenden und mittelständischen Unternehmen Lösungen zur Eigenstromversorgung zu bieten. Aber gerade hier droht Ungemach.

Die Pläne von Energieminister Sigmar Gabriel (SPD), auch die Eigennutzung von Solarstrom in die EEG-Umlage einzubeziehen, würde Solaranlagen weniger rentabel machen. Anders als Privathaushalte brauchen Gewerbetreibende aber möglichst kurze Amortisationszeiten. "Unsere potenziellen Kunden sind verunsichert, ob sich die Anlage noch rechnet, wenn Gabriels Eckpunkte im April im Bundestag tatsächlich beschlossen werden. Das lähmt ihre Investitionsbereitschaft.", sagt Riedel. Er hofft, dass Gabriel keine Mehrheit bekommt. Allerdings steckt auch die Politik in einem Dilemma. Wächst beim Sonnenstrom der Eigenverbrauch, der auch durch Innovationen von MR Sunstrom immer attraktiver wird, sinkt die Zahl derer, die EEG-Umlage zahlen. Damit steigt der EEG-Anteil am Strompreis.

Riedel kämpft weiter - um die Mittelständler und um Prestigeprojekte wie den Regierungsneubau. Eine der Neuentwicklungen, mit denen MR Sunstrom künftig am Markt punkten will, stellt er Anfang März auf der Dresdner Baufachmesse "Haus" im Ostragehege vor. Auch würde er gern zwei Azubi-Stellen besetzen. Weil es an Bewerbern mangelt, wird das Photovoltaikunternehmen am 5. April zum ersten Mal bei der Ausbildungsmesse der Arbeitsagentur im Glücksgasstadion mit dabei sein.

Holger Grigutsch

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