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Dresdner Sunstrom-Chef Stephan Riedel: Wir setzen auf Qualität zu einem guten Preis

Dresdner Sunstrom-Chef Stephan Riedel: Wir setzen auf Qualität zu einem guten Preis

Nach der Insolvenz der Dresdner SunStrom GmbH haben die Firmengründer und bisherigen Geschäftsführer Stephan Riedel und Reiner Matthees die frühere Solarwatt-Tochter gekauft und führen sie unter dem Namen "MR SunStrom GmbH" fort.

Dresden.

Mit etwa der Hälfte der Belegschaft wollen sie weiter Solarstromanlagen planen, errichten und warten. (DNN berichteten). Wir sprachen mit Stephan Riedel über die Ursachen der Insolvenz und darüber, wie es nun weitergehen soll.

DNN: Herr Riedel, Sie haben die SunStrom GmbH zehn Jahre lang gemeinsam mit Reiner Matthees erfolgreich geführt, nun sieht es so aus, als hätten Sie sich durch die Mehrheitsbeteiligung der Solarwatt AG an Ihrer Firma selbst ein Bein gestellt. War die Insolvenz von SunStrom letztendlich Folge dessen, dass Sie die teuren Solarwatt-Module verbauen mussten?

Stephan Riedel: Nein, das war nicht der Grund. Wir haben natürlich Module von Solarwatt verwendet, waren aber nicht auf einen Lieferanten festgelegt. Die strategische Partnerschaft hat uns zunächst für größere Projekte im In- und Ausland in eine bessere Marktposition gebracht.

Nach der Ankündigung der Bundesregierung, die Förderung des Solarstroms kurzfristig zurückzufahren, ist die Branche in der ersten Jahreshälfte 2012 nicht nur in Deutschland unter Druck geraten. Auch im Ausland gab es ähnliche Entwicklungen. Dass Solarwatt daraufhin - für mich unerwartet - das Schutzschirmverfahren beantragen musste, hatte für SunStrom Folgen, die wir nicht aus eigener Kraft kompensieren konnten.

Zum Beispiel?

Zum einen waren SunStrom-Kunden aufgrund der ungeklärten Gewährleistungssituation bei Solarwatt-Modulen stark verunsichert und haben Aufträge storniert. Zum Anderen wurden nun auch wir - quasi über Nacht - von unseren Kautionsversicherern und in der Folge von den meisten Lieferanten als insolvenzgefährdet eingestuft. Damit verbunden waren Vorkasse-Forderungen verschiedener Lieferanten. Obwohl wir nicht überschuldet waren, konnten wir ab Anfang Juli Verbindlichkeiten nicht mehr pünktlich bedienen.

War damit die Insolvenz unausweichlich?

Als klar wurde, dass Sunstrom Finanzmittel für eine Sanierung benötigt, haben wir mit Unterstützung von Unternehmensberatern ein Sanierungskonzept erarbeitet und dieses dem Hauptgesellschafter vorgelegt. Damit hätte die Insolvenz abgewendet werden können. Es hieß jedoch, aufgrund des eigenen Insolvenzverfahrens könne Solarwatt die zur Sanierung der SunStrom GmbH notwendigen Mittel nicht aufbringen. Diese aus meiner Sicht bedauerliche Entscheidung hat uns gezwungen, den Gang zum Insolvenzgericht anzutreten.

Hatten Sie zu wenig Eigenkapital, um finanzielle Schwierigkeiten abzufedern?

Die Eigenkapitalsituation der SunStrom GmbH hatte sich bis zum Jahr 2011 stetig verbessert. Trotzdem konnten wir keine ausreichenden Liquiditätsreserven für schlechte Zeiten aufbauen. Ein Beispiel: Durch Projekte in Italien haben wir dort einen höheren sechsstelligen Betrag als Umsatzsteuer- guthaben aufgebaut. Italienische Finanzbehörden haben jedoch bis zu sechs Jahre Zeit, dieses zu erstatten. Ich denke, alle in Italien tätigen Unternehmer kennen das Problem. Hier wäre eine europäische Vereinheitlichung dringend notwendig.

Sie sagten, die Probleme bei Solarwatt hatten Sie nicht erwartet...

Als Solarwatt Mitte Juni den Insolvenz-Schutzschirm beantragt hat, kam das für mich vollkommen überraschend. Ich habe es durch Pressemitteilungen erfahren. Und damit fingen, wie gesagt, die Probleme bei uns erst an...

-die letztlich 80 Mitarbeiter - mehr als die Hälfte ihrer Belegschaft - den Arbeitsplatz gekostet haben.

Richtig. Sie können sich nicht vorstellen, wie wir uns an diesem schwarzen Freitag Ende September gefühlt haben, als wir zu vielen Kolleginnen und Kollegen sagen mussten: "Wir können Dich leider nicht weiter bei uns beschäftigen." Ich habe im Laufe der vergangenen zwölf Jahre fast alle Einstellungen persönlich vorgenommen und alle Kolleginnen und Kollegen stets sehr geschätzt. So einen schwarzen Freitag möchte ich nicht noch einmal erleben.

Warum haben Sie mit Ihrem Geschäftspartner Reiner Matthees dann trotzdem den Neustart gewagt?

Weil wir allgemein von der Photovoltaik als Technologie und speziell von dem Potenzial, das im SunStrom-Team steckt, überzeugt sind. Außerdem konnten wir so immerhin die Hälfte der Belegschaft halten. Dass uns die meisten Kunden und Lieferanten auch in der Insolvenz die Treue gehalten haben, hat uns in der Entscheidung bestärkt.

Soll MR SunStrom bald wieder so groß sein, wie vor der Insolvenz?

Zuerst einmal wollen wir uns auf dem derzeitigen Stand stabilisieren. Die Zubauraten an Photovoltaikanlagen in Deutschland zeigen, dass der Bedarf da ist. Gegen die vielen Billiganbieter haben wir es zwar schwer, können uns aber häufig mit Erfahrung und Qualität durchsetzen. Vertrauen ist das A und O, denn wir müssen ja ständig neue Kunden finden. Unsere Anlagen halten 20 Jahre. Das ist nicht wie bei einem Autohändler, der Ihnen alle paar Jahre ein neues Modell verkauft.

Wie wollen Sie denn Vertrauen schaffen?

Vor allem durch Offenheit gegenüber den Kunden und zum Beispiel dadurch, dass die MR SunStrom GmbH sich auch weiterhin um den störungsfreien Betrieb der von SunStrom gebauten Photovoltaikanlagen kümmert.

Und mit Billig-Modulen aus China?

Den reinen Billigmarkt überlassen wir den Wettbewerbern. Wir setzen auf Qualität zu einem guten Preis. Das und Innovation sind unsere Stärken.

Gehen Sie damit in einem schwierigen Marktumfeld nicht erneut ein hohes Risiko ein?

Natürlich ist das nicht einfach. Aber ich denke, wenn wir uns auf unsere Stärken konzentrieren, können wir die Risiken sogar minimieren. Wir waren schon immer auch innovativ unterwegs, haben das erste energieautarke Eigenheim Europas mitentwickelt. Künftig werden wir unsere Forschungsabteilung noch stärker ausbauen. Die Energiewende bringt großen Bedarf an modernen Lösungen. Dazu gehören die Optimierung des Stromverbrauchs durch intelligente Steuerung und Speicherung, die Nutzung von Solarstrom für die Unabhängigkeit von zentraler Versorgung und Elektromobilität. In diesen Bereichen wollen wir uns breiter aufstellen - auch, um etwas unabhängiger zu werden von politischen Rahmenbedingungen.

Sind Sie auch bei Banken und Versicherungen auf einem guten Weg?

Unsere Strategie hat neue Finanzpartner, wie die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen und die Ostsächsische Sparkasse überzeugt. Für deren Unterstützung und ihr Vertrauen sind wir sehr dankbar.

Und wie sieht es mit neuen strategischen Partnern aus?

Mit den genannten Finanzpartnern sind wir erst einmal sehr gut aufgestellt.

Interview: Holger Grigutsch

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.11.2012

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