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Dresdner Studentin vertont traditionelle Schlaflieder neu und sucht noch Unterstützer

Dresdner Studentin vertont traditionelle Schlaflieder neu und sucht noch Unterstützer

Auf dem Tisch stehen drei mit Wasser gefüllte Weingläser. Darüber hängt ein kleines Mikrofon. Annette Thoma befeuchtet ihren Zeigefinger und fährt vorsichtig und gleichmäßig über den Rand eines Glases.

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Singende Gläser: Eines der Instrumente für die Schlaflieder-CD, die Studentin Annette Thoma aufnimmt.

Quelle: Julia Behnert

Einmal, zweimal, dreimal. Ein leiser, schwebender Ton ertönt. "Immer noch zu tief", meint sie und gießt etwas Wasser ab. Das gleiche Spiel beginnt von vorne - so lange, bis der Ton stimmt. Jacob Richter vom mobilen Tonstudio "Das Weiße Rauschen" drückt einige Knöpfe auf seiner Tastatur - die Aufnahme beginnt.

Was für einen Außenstehenden etwas seltsam anmuten könnte, hat aber alles seinen Sinn und Zweck. Die Dresdner Studentin Annette Thoma nimmt gerade eine CD auf - der Titel lautet "Suantraí - Deutsche und keltische Abendlieder". "Suantraí" ist irisches Gälisch und bedeutet "Schlaflied". "Ich dachte, das passt ganz gut", lächelt sie. Warum sie die CD zur Hälfte mit irischen, walisischen und schottischen Schlafliedern aufnimmt, ist ihrer Liebe zur keltischen Musik geschuldet. "In meinem Bachelor-Studium in Gießen hatte ich eine Irish-Folk-Band", erzählt sie. "Da hab ich meine Leidenschaft zu dieser Kultur entdeckt."

In Gießen hat sie Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Soziologie studiert. Nach ihrem Bachelor-Abschluss zog sie nach Dresden, arbeitete als Instrumentallehrerin. Im Oktober hat sie ihren Master in Musikwissenschaft an der TU begonnen. Jede freie Minute neben dem Studium verbringt sie für ihr CD-Projekt: Neue Lieder suchen, recherchieren, transponieren, Instrumentation ausdenken. "Ganz wichtig war mir von Anfang an, dass die traditionellen Lieder frisch und überraschend klingen. Einfach modern. Schließlich leben wir ja in modernen Zeiten", erklärt sie. Die Musikwissenschaftlerin verwendet nur wenig "klassische" Instrumente wie Gitarre und Geige, sondern unter anderem eine E-Gitarre, eine Mandoline, elektronische Klänge oder eben Wassergläser. Auch eine alte Kinder-Orgel und eine Melodica sind zu hören.

Alle Aufnahmen werden im Homestudio von "Das Weiße Rauschen" gemacht. Als Multiinstrumentalist hilft Jacob Richter, viele Instrumente professionell einzuspielen. "Sich mit einem Musiker an so ein CD-Projekt zu setzen, fühlt sich ganz anders an", so Annette. "Wir tauschen unsere kreativen Ideen immer gemeinsam aus."

Dass die beiden so viel wie möglich von Hand einspielen, liegt an dem Anspruch, den sie an die Schlaflieder-CD stellen. Selbst das Cover wird eigens gestaltet. Auf diese Weise habe sie einfach die Zügel in der Hand, sagt die Studentin. "Außerdem steht bei mir das Handgemachte im Vordergrund. Das ist einfach echt."

Und warum gerade eine Abend- und Schlaflieder-CD? Annette Thoma grinst. "Das fragen mich die meisten, wenn ich von meinem Projekt erzähle", sagt sie. Der Ursprung der Idee liegt schon fast ein Jahr zurück: Eine gute Freundin hat ein Kind bekommen - als Geschenk hat sie bei sich zu Hause spontan ein Schlaflied aufgenommen. "Das kam so gut an, dass ich überlegt habe, das professionell zu machen." Dazu kommt, dass sie als Instrumentallehrerin im Fach Geige und Gitarre viel mit Kindern zusammengearbeitet hat. "Bei vielen Familien habe ich das gemeinsame Singen vermisst. Auf die Nachfrage, ob die Eltern denn abends mit ihren Kindern singen, habe ich oft ein Nein gehört." Was aber besonders schade ist: Das gemeinsame Ritual, abends als Familie zu singen, stärkt unter anderem das Selbstbewusstsein und die soziale Kompetenz von Kindern. Und: "Die Kleinen können vom Alltag abschalten", so Annette. "Kinder stehen heutzutage so unter Strom, dann brauchen sie das einfach."

Als Studentin kann sie die Produktion der CD nicht alleine stemmen. Werbematerial, die Kosten im Tonstudio und die Herstellung der CD im Presswerk sind die Dinge, die am meisten Geld kosten. Um die CD aber dennoch fertigstellen zu können, hat sich Annette Thoma bei der Crowdfunding-Plattform "Startnext" angemeldet. Dort können Leute von überall her ihr Projekt unterstützen. Mit jeder finanziellen Unterstützung kann man sich ein Dankeschön aussuchen: Instrumentalunterricht, eine handsignierte CD, namentliche Erwähnung im Cover oder ein Wohnzimmer-Konzert. "Und Firmen haben die Möglichkeit, ihr Logo im Booklet abzudrucken", erklärt die Musikerin. Für jeden dürfte also etwas dabei sein. Bis zum 31. Januar ist es möglich, "Suantraí - Deutsche und keltische Abendlieder" auf Startnext zu unterstützen. Falls bis dahin ihr angestrebtes Ziel über 2500 Euro nicht zustande kommt, erhalten alle Unterstützer ihr Geld zurück. Startnext funktioniert nämlich nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip. Falls aber doch, so kann man die fertige CD voraussichtlich im Frühling käuflich erwerben.

iUnterstützungen sind unter www.startnext.de/abendlieder-cd möglich. Dort finden sich auch ein Video und Hörbeispiele.

Mehr zum Mobilen Tonstudio "Das Weiße Rauschen" gibt es unter www.dwr-audio.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.01.2014

Julia Behnert

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