Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Dresdner Studenten fahren mit Minifabriken gegen Krebs in die USA

Dresdner Studenten fahren mit Minifabriken gegen Krebs in die USA

Während andere junge Menschen in sogenannten "Casting Shows" herummodeln, stellen sich elf Dresdner TU-Studenten einer etwas komplizierteren Herausforderung: Sie haben mikroskopisch kleine Medizinfabriken konstruiert, die in Zukunft vielleicht einmal helfen könnten, Krebs zu heilen.

Voriger Artikel
Trübes Herbstwetter bleibt – Winter noch nicht in Sicht
Nächster Artikel
Chip-Auftragsfertiger rüsten enorm auf - Globalfoundries steckt Erlöse in Fabriken

Die Kapsel-Bildung unter dem Elektronenmikroskop. Für ihr Forschungsprojekt durften die Studenten die Anlagen mehrerer Institute nutzen.

Quelle: TUD

Anfang November reisen sie nach Boston und stellen ihre raffinierten Nanokapseln in einem internationalen Studenten-Wettbewerb der Harvard-Universität vor.

"Wir sind schon ziemlich aufgeregt", räumt Nachwuchs-Physiker Frederic Berndt aus dem studentischen Projektteam ein. "Aber ich freue mich auch sehr auf die USA - ich bin das erste Mal dort." Immerhin messen sich die "Dresden Nanormous" (aus "Nano" und "enorm" gefügt) beim "BIOMOD"-Wettbewerb in den USA mit studentischen Spitzenteams von 29 Institutionen aus aller Welt. Dort müssen siemit ihrer Präsentation eine Jury aus erfahrenen Wissenschaftlern überzeugen.

Für ihre Arbeit haben sich die Bio-Nanotech-Studenten die japanische Faltkunst "Origami" zum Vorbild genommen, wie Projektbetreuer Dr. Hans-Georg Braun vom Dresdner Leibniz-Institut für Polymerforschung (IPF) erklärt. Sie setzen "DNA-Origami" ein, um aus bloßen Kapseln Mini-Pharmafabriken zu machen. Dabei bringensie lange Kohlenstoff-Wasserstoff-Moleküle (Polymere) in Wasser mit zuvor speziell programmierten Gen-Code-Ketten zusammen, wie sie ähnlich auch im menschlichen Erbgut vorkommen.

Diese Atomketten haben ein paar wohl präparierte Besonderheiten: Die Polymere sind an beiden Enden wasserlöslich, so dass sich die Moleküle im Wasser an bestimmten Stellen aneinanderketten und so nach und nach Kunststoff-Kugeln mit gerade mal 200 Nanometer (Millionstel Millimeter) Durchmesser bilden. Diese Kapseln ähneln normalen biologischen Zellen, wie Dr. Braun betont, nur sind sie eben besser gepanzert.

Die DNA-Halbstränge wiederum haben ein paar absichtlich platzierte Fehlstellen, an denen sich keine Gegenstücke anheften können. Dort entstehen mikroskopisch kleine Schlaufen, an die sich andere Helix-Moleküle ketten, so dass nach und nach die gewünschte dreidimensionale Struktur entsteht - nämlich Tunnel.

Am Ende stehen Kapseln, in die Enzyme oder anderen Wirkstoffe eingeschlossen werden können. Die DNA-Origamis haben derweil kleine Tunnel in der Kapselwand gefaltet, die nur fünf Nanometer dünn sind, dass nur ausgewählte Moleküle durchpassen. Und der Außenpanzer der Kapseln ist mit Antikörpern beschichtet, die sich nur an kranke Zellen anheften.

Sinn dieses Konzeptes: Auf diese Weise könnten Mediziner in Zukunft vielleicht einmal in Patienten eine Art intelligente Suchsysteme injizieren, die sich zum Beispiel gezielt an Krebszellen anheften und diese vernichten, ohne gesunde Zellen ringsum zu schädigen. Allerdings werde es wohl noch Jahre dauern, so Braun, bis aus diesem Ansatz ein Praxiseinsatz erwachsen könne.

Die Kapsel-Idee kam den elf Studenten im Mai. "Ich war sofort begeistert, da mitzumachen" erzählt Berndt. Vor allem der interdisziplinäre Ansatz habe ihn gereizt: "Da sind Leute aus der Biologie dabei, aus den Materialwissenschaften, ich selbst bin Physiker - da hat jeder ganz besondere Kenntnisse und Methoden eingebracht." Zudem sind auch gleich sechs Nationen im Team vertreten - Studenten, die aus ihrer Heimat an das Biotechnologische Zentrum der TU Dresden gekommen waren.

Und: "Wir waren auch sehr fasziniert, wie sehr uns Professoren von allen möglichen Institutionen sofort geholfen haben", sagt Berndt. So stellten TU-Labore, Forscher des IPF, des Forschungszentrums Rossendorf und aus Basel ihre Gerätschaften und Expertise zur Verfügung. "Dieses Projekt ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie gut der hiesige Forscherverbund ,dresden concept' über Institutsgrenzen hinweg funktioniert", meint Dr. Braun.

@Weitere Informationen über das Nachwuchs-Forscherprojekt im Kontaktnetzwerk "Facebook" über die Adresse: www.facebook.com/dresdenanormous

Weckbrodt, Heiko

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.