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Dresdner Start-Up Lovoo vereint Millionen Menschen per Echtzeit-Dating und Smartphone

Dresdner Start-Up Lovoo vereint Millionen Menschen per Echtzeit-Dating und Smartphone

Das Herz der Lovoo-Zentrale pocht im vierten Stock über einem Warenhaus auf der Prager Straße in Dresden. Die Start-Up-Mentalität ist greifbar: Handwerkerutensilien liegen im Foyer, Folien kleben frischgestrichene Räume ab.

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Alexander Friede, Mitgründer und einer der Geschäftsführer des Dresdner Start-Ups Lovoo.

Quelle: Dominik Brüggemann

Eine Etage höher erweitern Bauarbeiter das Dresdner Büro um weitere Arbeitsplätze. Vor den Computern sitzen viele Männer, weniger Frauen. Entwickler, Marketing-Expertinnen und Systemadministratoren arbeiten hier an Lovoo, einem sozialen Netzwerk, das per Smartphone und Echtzeit-Umkreissuche Verabredungen ermöglicht. Einer der Erfinder und Geschäftsführer, Alexander Friede, spricht vom mobile dating, das unkompliziert Kontakte zwischen Menschen herstellt, die die gleichen Interessen haben.

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Im Idealfall sollen sich so Menschen leicht verabreden können.

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Den Menschen fehle häufig die Zeit, berichtet Friede gegenüber DNN-Online. Und eine Kontaktanzeige sage häufig nur wenig über den Inserenten aus. Man wisse nicht, wie er aussieht, wie er ist, sondern muss auf ein paar Zeilen hoffen. Bei Lovoo erhält der Nutzer mehr Informationen über den gewünschten Kontakt, sofern dieser das möchte. Und er kann in Echtzeit mit anderen Leuten schreiben und diese bei Interesse unkompliziert treffen. „Lovoo ist somit schneller, direkter und dank Smartphone standortbezogen“, benennt Friede die Vorzüge von Lovoo gegenüber einer Zeitungskontaktanzeige. „Ich sehe die Profile von Menschen in der Nähe, kann mich bemerkbar machen, sie anschreiben und im besten Fall zusammen einen Kaffee trinken gehen.“

Die letzten Zahlen liegen bei 8,8 Millionen angemeldeten Nutzern weltweit. Friede lacht bei der Nennung der Zahlen selbst ungläubig, so schnell rasen die Kontakte in die Höhe. Wichtigster Markt sei weiterhin der deutschsprachige Raum samt Österreich und der Schweiz. Allein hier haben rund 5,7 Millionen Menschen die Lovoo-App auf ihrem Smartphone installiert. Danach folgen die neuen Zielländer Frankreich, Spanien und Brasilien, die seit Februar von einem Mitarbeiterteam aus Berlin erschlossen werden. Eine permanente Live-Schaltung auf einem großen Display zeigt die Kollegen in der deutschen Start-Up-Hauptstadt. Der Gang nach Berlin sei unausweichlich gewesen, allein um Mitarbeiter zu finden. „In Dresden schlägt unser Herz, hier haben wir mit fünf Leuten gestartet. Aber für internationale Märkte brauchen wir auch internationale Fachkräfte“, sagt Friede. Und die ließen sich in Berlin sowohl leichter finden als auch anwerben. Das Hauptquartier bleibe jedoch auf jeden Fall in Dresden stehen. Wie zum Beweis erweitert das Unternehmen die Büros an der Prager Straße gerade um eine weitere Etage.

Ein klassisches Problem bei Datingportalen ist die Geschlechteraufteilung. Auch Lovoo verzeichnet deutlich mehr Männer als Frauen. Die ungleiche Verteilung hat finanzielle Vorteile für Frauen: Sie können die meisten Dienste der App kostenlos nutzen, während Männer für einige Dienste zur Kasse gebeten werden. „Männer zahlen häufiger, während sich die Frauen lieber umwerben lassen“, meint Friede über das Modell.

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Mit der Dresdner Lovoo-App können Nutzer in Echtzeit flirten und Unbekannte in der Umgebung treffen.

Quelle: PR

Die Dresdner wollten auch auf den amerikanischen Markt streben. Dort gibt es seit 2012 die App „Tinder“ des Konzerns InterActivCorp mit einem ähnlichen Konzept. „Die Einführung von Tinder hat uns definitiv getroffen“, so Friede. Denn die amerikanische Applikation nutzt eine eigene Kreation der wichtigsten Funktion des deutschen Vorreiters. Das Start-Up aus Dresden wurde eiskalt erwischt. Derzeit sondiere man weiterhin den Markt und hat in Europa gegengesteuert und eine eigene App namens „Voo“ ausgegliedert, die der amerikanischen Konkurrenz entspricht. „Uns kam es nicht in den Sinn, diese Funktion vorher auszugliedern und jetzt müssen wir den Vorsprung von Tinder akzeptieren“. Der entscheidende Unterschied liege jedoch in der Monetarisierung. „Wir sind komplett eigenfinanziert und auf Erlöse angewiesen. Bei Tinder ist noch kein Konzept da, wie sie Geld einnehmen wollen“, meint Friede und zollt den Amerikanern Respekt. „Deren Zahlen sind interessant: Sie haben inzwischen 16 Millionen Nutzer in sehr kurzer Zeit akquiriert, wir stehen in Europa in etwa bei der Hälfte.“ Das Beispiel zeigt auch das schnelllebige Lebensgefühl der Gründerszene. Vor einem Jahr wussten die acht Geschäftsführer von Tinder und überlegten, wie sie reagieren sollten. Trotzdem verstrichen zwölf Monate voller Arbeit, bis die eigene Antwort auf die Kopie kam. Für den amerikanischen Markt bedeutet das im direkten Duell zunächst eine Niederlage. „Wir sondieren weiterhin den Markt, sind mit einem kleinen Team vor Ort“, sagt Friede. Mehr will er über die nächsten Schritte nicht verraten. Die Herausforderung will er jedoch auf jeden Fall annehmen.

Die Arbeit fordere das Team von derzeit knapp 60 Leuten jeden Tag. „Wir befinden uns in einem ständigen Prozess der Optimierung. Wir berücksichtigen Wünsche der Nutzer, internationalisieren uns und passen das Design laufend den Trends an“, erklärt Friede einige Aufgaben. Momentan sei das Unternehmen in einer Phase, wo es am Markt aufgrund der Nutzerzahlen ernstgenommen werde. Ständig riefen Geschäftemacher und Interessenten an, bei denen man zwischen sinnvollen Kontakten und Träumern trennen müsse. Sollte eines Tages Facebook-Gründer Marc Zuckerberg persönlich mit einem Koffer voll Geld auf der Matte stehen, müssten Friede und die anderen Geschäftsführer eine persönliche Hemmschwelle überschreiten:„Das ist der Geist der Gründerszene. Wir haben dieses Baby zum laufen gebracht und man will es großziehen. Wir sind alles Leute, die noch tausend andere Ideen haben. Aber momentan glauben wir an Lovoo und stecken unsere knappen Ressourcen hier hinein.“ Sollte der Koffer jedoch groß genug sein, würden die Lovoo-Macher ihn allerdings auch nehmen. Käme dieser noch dazu vom Facebook-Gründer Zuckerberg, ginge wohl ein Traum für die Dresdner in Erfüllung.

Dominik Brüggemann

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