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Dresdner Stammzellenkurier rettet Leben in Teheran

Dresdner Stammzellenkurier rettet Leben in Teheran

Heinz Brück ist promovierter Biologe, Dozent, Ehemann, Vater und heute für einen Patienten in Teheran der wichtigste Mensch der Welt. Er ist der Bote mit der Chance auf Erlösung und der Kurier, der neues Leben bringt.

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Neues Leben gut verpackt: Das Knochenmark wird in einer Spezialbox in der ganzen Welt verteilt.

Quelle: Dietrich Flechtner

Heinz Brück hat schon 600 Kilometer hinter sich, ist bereits von Düsseldorf nach Dresden geflogen. Jetzt steht er hier, im Zentrum für Zellgewinnung in der Fiedlerstraße nahe dem Dresdner Uniklinikum, die wertvolle Spende in der Hand, bereit zum Abflug nach Teheran und zur Übergabe an die dortige Klinik.

Heinz Brück ist einer von 45 sogenannten On-Board-Kurieren des Unternehmens Cellex Medical Transports. Er verteilt Knochenmark und Stammzellen an Krankenhäuser in der ganzen Welt. Jetzt sucht das Unternehmen zehn neue Kuriere für den Standort Dresden. "Die Kuriere sind unsere Aushängeschilder", sagt Volker Knöll. Der Geschäftsführer der Cellex Gesellschaft für Zellgewinnung ist in Dresden bestens bekannt. Er war Cheforganisator des 33. Kirchentages. Später ist er in Köln sesshaft geworden. Cellex wurde 2001 in Dresden gegründet, betreibt heute einen zweiten Standort in Köln und hat vor über sechs Monaten seinen eigenen Transportservice eröffnet. "Damals kamen manche Kuriere mit besseren Plastikbeuteln", sagt Knöll. "Um gute Bedingungen zu garantieren, wollten wir den Transport selbst in die Hand nehmen."

Jährlich erkranken in Deutschland über 11 000 Menschen an Leukämie, darunter etwa sechs Prozent Kinder. Vielen Erkrankten kann mit einer Spende von Stammzellen und Knochenmark das Leben gerettet werden. Etwa 600 Menschen spenden pro Jahr in Dresden allein am Cellex-Zentrum für Zellgewinnung. Doch wie gelangen das lebensrettende Knochenmark und Stammzellen eigentlich zum todkranken Patienten? Wie muss es transportiert werden, damit die wertvollen Zellen keinen Schaden nehmen? Hier kommt Heinz Brück ins Spiel. Der fröhliche grauhaarige Herr kontrolliert die Daten auf den Papieren, verstaut die Spende in der Kühltasche und wartet auf sein Taxi. "Ich freue mich, dass ich etwas Gutes tun kann", erklärt der Kurier. Niemals lässt der Senior seine Spende aus den Augen, nimmt sie als Handgepäck mit in das Flugzeug und überhaupt - behandelt die wertvolle Ware wie ein rohes Ei.

Die Kühltasche haben Experten des Unternehmens mit speziellen Kühlakkus ausgestattet. Sie garantieren über drei Tage eine gleichbleibende Temperatur. Stammzellen müssen unter strengsten Sicherheitsbestimmungen transportiert werden. Nur so kann garantiert werden, dass sie unversehrt beim Empfänger landen. Niemals darf ihre Umgebungstemperatur unter zwei und über sechs Grad liegen. Sie dürfen nicht geschüttelt und vor allem auf dem Flughafen nicht geröntgt werden. Innerhalb von 72 Stunden sollen sie in den Körper des Empfängers transplantiert sein. Kurz nach der Entnahme beginnt der Wettlauf mit der Zeit.

Patienten warten fieberhaft

Während Brück das Knochenmark verpackt, erfährt der Patient in Teheran, dass die für ihn bestimmte Spende erfolgreich abgeschlossen ist. Vorher wurde sein Immunsystems gezielt zerstört. "Das ist wichtig, damit die fremden Zellen nicht abgestoßen werden", erklärt Knöll. Während der Kurier unterwegs sei, zitterten die Empfänger oft um ihr neues Leben. "Es geht immer um alles", weiß Knöll. Kurier Brück wird rund um die Uhr "bewacht". Jede Änderung seines Aufenthalts fließt per Datenleitung in die Logistikzentrale und das Krankenhaus in Teheran. Das neue Leben ist gerade im Taxi, im Flugzeug, im Teheraner Krankenwagen. "Nicht selten brechen die Patienten in Tränen aus, wenn die Zellen gut bei ihnen angelangt sind."

Damit dies auch alles funktioniert, haben sich Knöll und sein Team ein ausgeklügeltes Logistiksystem ausgedacht. Alles muss blitzschnell, absolut zuverlässig und ohne jegliche Fehler passieren. "Zu jedem Flug buchen wir immer eine Back-Up-Variante dazu", erklärt Knöll. Man wolle kein Risiko eingehen. Landen die Zellen zu spät beim Empfänger, könnte dieser sein Leben verlieren. Wer hinter dem Patienten in Teheran steckt, verrät der Geschäftsführer nicht. "Spender- und Empfängerdaten unterliegen der Geheimhaltung", erklärt er. Das sei enorm wichtig, damit Animositäten die Spende nicht gefährden. "Stellen Sie sich vor, ein Israeli erfährt von seinem palästinensischen Spender oder umgekehrt", sagt Knöll. Persönliche Vorbehalte und emotionale Standpunkte könnten dem Erfolg der Transplantation schaden, dies sei medizinisch nicht zu vertreten. Nach zwei Jahren ist ein Austausch der Daten jedoch erlaubt, dann können sich Spender und Empfänger kennenlernen.

Doch warum greifen Ärzte aus Teheran eigentlich auf eine Spende aus Deutschland zurück? "Spenden aus Deutschland sind sehr beliebt, weil es hier ein hochauflösendes Typisierungssystem gibt", sagt Knöll. "Dies erhöht die Chance, einen passenden Spender zu finden." Etwa die Hälfte der Spenden blieben in Deutschland, die andere Hälfte wird über das Zentrale Knochenmarkspenderegister ins Ausland - vor allem nach Nordamerika - vermittelt. Weniger Anfragen kommen aus Asien oder Afrika. "Die genetische Disposition spielt eine Rolle", sagt Knöll.

Nur knapp zwei Stunden, nachdem Brück Dresden verlassen hat, wird er in Berlin in das Flugzeug steigen, um über Istanbul direkt nach Teheran zu fliegen. Dort holt ihn die Polizei höchstpersönlich ab, mit hundert Sachen geht's im Krankenwagen zur Klinik. Brück ist erst seit vier Monaten dabei. In dieser Zeit hat er bereits zehn Todkranken die Zellen über den ganzen Globus geliefert.

Katrin Tominski

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