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Dresdner Schuldnerberater findet Wege aus der Schuldenfalle

Dresdner Schuldnerberater findet Wege aus der Schuldenfalle

Wer Schulden hat, möchte meist nicht, dass andere davon erfahren. Auch der Gang zu einer Schuldnerberatungsstelle ist vielen Menschen peinlich. Erst wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, suchen sie Hilfe.

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Seit dem Jahr 2000 berät Benno Schebiella Dresdner Schuldner bei ihren finanziellen Sorgen und Nöten.

Quelle: Dietrich Flechtner

Im vergangenen Jahr haben sich 3713 Dresdner an die fünf bestehenden Schuldnerberatungsstellen der freien Träger gewandt. Im Jahr davor waren es nach Angaben der Einrichtungen 3649.

Obwohl der Anstieg nur geringfügig ist, bestätigt er einen seit langem zu beobachtenden Aufwärtstrend. Allerdings haben die Zahlen auch einen positiven Aspekt. Immer mehr Dresdner erkennen, dass sie ihre schwere Lage nur mit Hilfe der kostenlos angebotenen Beratung bewältigen können. Auch Missverständnisse werden auf diese Weise beseitigt.

"Nicht wenige unserer Klienten haben große Furcht. Sie denken, dass sie, weil sie Schulden haben, ins Gefängnis müssen", berichtet der Leiter der Dresdner Beratungsstellen der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Benno Schebiella. Das sei aber in der Regel nicht der Fall, erklärt der 41-Jährige.

Der harten Wahrheit ins Gesicht blicken müssen sie dennoch. Stück für Stück gehen sie mit dem Berater ihre Einnahmen und Ausgaben durch und überlegen sich, welche Prioritäten sie setzen sollten. "Es gibt Klienten, die möchten zum Beispiel unbedingt ihre Handyschulden begleichen oder ihr neues Sofa bezahlen. An die Miete oder den Strom denken sie erst einmal nicht", so Schebiella, der seit dem Jahr 2000 als Schuldenberater bei der AWO arbeitet. Er mache den Schuldnern dann klar, dass ihnen das Sofa auch nichts mehr nützt, wenn sie auf der Straße sitzen.

Obwohl 50 Prozent der Menschen, die die Beratungsstellen besuchen, Hartz IV-Empfänger sind, weiß Schebiella, dass es eigentlich jeden treffen kann. "Vor mir sitzen nicht selten Menschen, deren Lebensentwürfe gescheitert sind. Sei es, weil sie sich von ihrem Partner getrennt haben, sei es, weil unverhofft jemand gestorben ist." Trotz der schwierigen Situation erweist es sich jedoch immer wieder als fatal, die Probleme einfach zu ignorieren. "Zu mir sind schon Klienten mit vier Tüten voll ungeöffneter Briefe gekommen. Wir haben dann zusammen alles aufgemacht und sortiert", erklärt der Schuldenberater.

Allerdings sei es meist zu spät gewesen. "Wenn der Vollstreckungsbescheid ergangenen ist, sind die Forderungen rechtskräftig." Das gelte im Übrigen auch für Verträge, die auf betrügerische Weise zustande gekommen sind. Wer hingegen innerhalb von 14 Tagen Widerspruch einlegt, hat bessere Karten. "Dann muss das entsprechende Unternehmen klagen, was es aber in Fällen, in denen beispielsweise die Unterschrift gefälscht wurde, nicht tun wird." Betrüger lauern indes nicht nur bei den Anbietern von Waren und Dienstleistungen, auch die Schulden selbst und der Versuch, sie loszuwerden, können einen zu den falschen Leuten führen.

"Im Internet lauern zahlreiche Kredithaie, die Umschuldungen anbieten. Für die Mehrheit der Schuldner lohnt sich das aber gar nicht." Zudem hörten viele Interessenten, nachdem sie eine hohe Vermittlungsgebühr für die Kreditanfrage gezahlt hätten, nur selten ein weiteres Mal von dem vermeintlichen Anbieter, so Schebiella.

Besser sei es da, die Schulden peu à peu abzutragen und sich nicht von Inkassobüros oder Rechtsanwälten einschüchtern zu lassen. "Bei uns erfahren die Betroffenen oft zum ersten Mal, dass es nicht nur die Pflicht gibt, etwas zu bezahlen, sondern dass auch ein Pfändungsschutz für das Existenzminimum existiert." Die Einrichtung des P-Kontos im Jahr 2010, das Schuldnern einen Freibetrag von 1028,89 Euro gewährt, sei ein großer Fortschritt gewesen, betont Schebiella.

Trotz dieser Errungenschaft weiß er aber, dass es Schuldnern in unserer Gesellschaft nicht leicht gemacht wird: "Wohin man auch schaut, überall werden wir zum Kaufen animiert. Wer da nicht mithalten kann, hat schnell das Nachsehen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.03.2013

Stephan Hönigschmidt

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