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Dresdner Professor Thomas Hummel erklärt: "Riechen macht glücklich!"

Dresdner Professor Thomas Hummel erklärt: "Riechen macht glücklich!"

Schenken Sie Ihrer Nase zum heutigen Welttag des Duftes einmal besondere Aufmerksamkeit. Denn: "Riechen macht glücklich!" Das sagt einer, der es wissen muss. Professor Thomas Hummel, Arzt für Pharmakologie und Toxikologie, ist seit 2003 an der Uniklinik Dresden tätig und leitet das interdisziplinäre Zentrum "Riechen und Schmecken" der HNO-Klinik.

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Die Studentinnen Nadin (l.) und Lisa schnuppern an einer asiatischen Rose. Wie wichtig der Geruchssinn ist, wird vielen erst bewusst, wenn er nicht mehr da ist. Denn Gerüche haben auch soziale Funktionen und warnen vor Gefahr.

Quelle: Jan Woitas, dpa

Aus langjähriger Erfahrung weiß er: Patienten ohne Geruchssinn (Anosmiker) leiden häufig an Depressionen und verlieren an Gewicht, da mit dem Verlust des Geruchs auch der Geschmack schwindet. Zwar registriert die Zunge weiterhin die Geschmäcker süß, salzig, bitter, sauer und umami - in etwa der Geschmack von Hühnerbrühe - sämtliche Aromen aber werden über die Nase wahrgenommen. Ohne diese schmeckt jedes Essen fade, eine Erdbeere zwar süß, aber nicht mehr nach Erdbeere.

Der Geruchssinn ist der komplexeste chemische Sinn. Die Duftmoleküle wandern bei jedem Atemzug zu den Riechzellen im obersten Bereich der Nasenhöhle. Dort docken die Moleküle an, werden - laienhaft ausgedrückt - in Nervenimpulse umgewandelt und an den Riechkolben (Bulbus olfactorius) weitergeleitet. Diese Ausstülpung des Gehirns sitzt tief zwischen den Augäpfeln. Jeder Mensch riecht täglich unbewusst alles Mögliche. Bestimmte Gerüche wecken jedoch Erinnerungen, sie werden im Gehirn in die Bereiche für Gedächtnis und Emotionen geleitet.

Der Hauch eines Parfüms weckt Erinnerungen an einen bestimmten Menschen. Wenn wir Hunger verspüren, lässt uns leckerer Essenduft das Wasser im Munde zusammenlaufen. Der Duft von Babys, das Aroma von Brandy oder Zigarren, der frische Geruch nach einem Sommerregen - all das nehmen wir über unsere rund 30 Millionen Riechzellen auf und verarbeiten es. Über den Geruchssinn bekommen wir auch soziale und Warnsignale mit. Verdorbene Lebensmittel, angebranntes Essen, Gasgeruch, fremdes Parfüm am Kragen des Partners, der eigene müffelige Körpergeruch - all das nehmen Anosmiker nicht mehr wahr. Soziale Unsicherheit und auch erhöhtes Gefährdungspotential sind die Folge.

Wenn der Geruchssinn wegfällt, fehlt eben ein wesentliches Stück der täglichen Wahrnehmung. Wie kann das passieren? "Manchmal reißen die Riechfasern am Bulbus olfactorius beispielsweise nach einem Sturz auf den Hinterkopf", weiß Hummel. Auch nach einem akuten Infekt oder chronischer Nasennebenhöhlenentzündung kann der Geruchssinn verloren gehen. Die Riechfasern wachsen in 20 Prozent der unfallbedingten Fälle nach, bei einem Infekt regenerieren sich bei 60 Prozent der Patienten die Riechzellen wieder. "Das Nachwachsen ist sehr selten bei Nervenzellen", so Hummel. Allerdings dauert die Wiederherstellung mindestens ein halbes Jahr, bei Abriss der Fasern sogar mehrere Jahre. Auch bei neurodegenerativen Erkrankungen schwindet der Geruchssinn, etwa bei Alzheimer oder Morbus Parkinson. Allerdings: Wer schlecht riecht, muss nicht automatisch Parkinson bekommen. Jedoch: "Wenn jemand mit Parkinson-typischen Symptomen kommt, aber gut riechen kann, liegt eventuell eine andere Erkrankung vor", erklärt der Professor.

Um den Wiederaufbau der Nervenzellen zu fördern, absolvieren manche Patienten täglich morgens und abends ein Riechtraining. "Das bringt bei vielen Leuten eine Besserung", erklärt Hummel. Auch gesunde Menschen können durch gezieltes Training ihre olfaktorische Wahrnehmung verbessern und ihren Riechkolben vergrößern. Ob das an der Neubildung von Nervenzellen oder dem Entstehen neuer Verbindungen liegt, ist noch nicht hinreichend erforscht wie so einiges, das mit dem Riechen zusammenhängt.

Am interdisziplinären Zentrum in Dresden zum Beispiel forschen Physiker, Neurologen, Anthropologen und Mediziner an den Geheimnissen der Nase. Daneben werden Patienten behandelt und Diagnosen gestellt, oft in Kooperation mit Kollegen beispielsweise von der neurologischen Klinik oder der Allergieabteilung.

Die Komplexität des Geruchssinnes ist noch lange nicht abschließend geklärt. Und es offenbaren sich immer wieder kleine Unglaublichkeiten. Nach dem "Genuss" einer Zigarette beispielsweise ist der Geruchssinn stark beeinträchtigt. Nach rund zwei Stunden schmeckt und riecht alles wie vor der Kippe. "Es ist ein kleines Wunder, dass die Riechzellen sich nach so einem Anschlag überhaupt wieder erholen", betont Hummel. iDerzeit werden Personen mit Riech- und/oder Schmeckstörungen für eine Umfrage gesucht: http://www.blaufilm.de/files/test/index.php/fragebogen_prof_hummel_08_2012.html

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.06.2013

Schmieder, Franziska

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