Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -1 ° Schneefall

Navigation:
Google+
Dresdner Planck-Forscher wollen mit Computerhilfe Genese von Molekülen und Zellen sichtbar machen

Dresdner Planck-Forscher wollen mit Computerhilfe Genese von Molekülen und Zellen sichtbar machen

Seit 20 Jahren forschen Wissenschaftler aus dem In- und Ausland am Dresdner "Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme" am Zusammenspiel von Chaos und Kausalketten in der Natur.

Voriger Artikel
Mehrheit des Stadtrates steht immer noch hinter der Hafencity
Nächster Artikel
Zu oft dicke Luft in Dresden: Feinstaubgrenzwerte sind fast erreicht

Komplexität allerorten: Direktor Prof. Jan-Michael Rost, Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik komplexer Systeme mit den Gästehäusern für internationale Forscher im Hintergrund.

Quelle: Heiko Weckbrodt

Im November feiern die Physiker an der Nöthnitzer Straße dieses Jubiläum - und weihen eine neue Forscherherberge für Gastwissenschaftler ein. DNN-Redakteur Heiko Weckbrodt hat Direktor Prof. Jan-Michael Rost ausgefragt, was komplexe Systeme überhaupt sind, welche Trends die Forscher bewegen und welche Ausbaupläne sie hegen.

Komplexe Systeme - was ist das eigentlich?

Jan-Michael Rost: Lange Zeit haben Physiker versucht, die Natur zu erklären, indem sie Ursache-Folge-Ketten untersucht haben. Wir sprechen von linearen oder regulären Systemen. Dann gab es in den 1980ern den großen Trend hin zur Chaostheorie mit dem legendären Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien, der angeblich in Texas einen Tornado auslösen kann. Das ist freilich Quatsch, weil die Natur viel komplexer ist, weil neben dem Schmetterlings-Flügelschlag zuviele andere Variablen hineinspielen. In der Natur passieren sowohl reguläre wie auch chaotische Prozesse - und wir forschen an dieser Grenze.

Hört sich nicht so an, als ob dies in nächster Zeit zu greifbaren Produktenführen würde-

Rost: Das liegt nun mal in der Natur von Grundlagenforschung, da dauert es oft Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, bis sich eine praktische Anwendung ergibt. Aber was wir tun, ist an manchen Stellen gar nicht so weit weg von der Praxis: Ein Motor ist zum Beispiel ein komplexes System und wenn durch unsere Forschungen beizeiten anhand kleiner Signale erkannt werden könnte, wenn das Material ermüdet, wäre schon viel gewonnen. Oder nehmen Sie Windräder: Die liefern den meisten Strom, wenn viel Wind weht. Ist der Wind aber zu stark, können sie kaputt gehen, daher werden sie lange vorher abgeschaltet. Da könnten unsere Arbeiten helfen, diese Abschaltgrenze hinauszuschieben und Windkrafträder effektiver zu machen.

Gibt es in der Forscherszene Megatrends, die die Wissenschaftler in Ihrem Gebiet besonders elektrisieren?

Rost: Auf jeden Fall steigt der Bedarf an Rechenkapazitäten enorm an, das Schlagwort heißt "Big Data". Das hat auch damit zu tun, dass die Instrumente der Physik inzwischen viel tiefere Einblicke in gewisse Prozesse ermöglichen: Wir sind zum Beispiel nahe daran, in Echtzeit beobachten zu können, wie ein Elektron von einem Atom zum nächsten springt und dadurch Moleküle entstehen. Das dürfte unser Verständnis chemischer Prozesse auf eine neue Ebene der Anschauung heben.

Ähnlich ist es mit der Systembiologie, für die wir gemeinsam mit den Kollegen vom Genetikinstitut in der Johannstadt derzeit ein neues Forschungszentrum installieren. Durch neue, leistungsfähigere Mikroskope live filmen zu können, was eigentlich in einer biologischen Zelle genau passiert, wenn sie sich zum Beispiel teilt, könnte für einen ähnlichen Sprung sorgen: War die Biologie bisher eine phänomenologische Wissenschaft, die sich Dinge von außen angeschaut hat, könnte sie nun zu einer quantitativen Wissenschaft entwickeln wie die Physik.

Diese Methoden führen allerdings zu großen Datenmengen - vor allem viele Bilder -, die durch Computer verarbeitet werden müssen. Wegen dieses Trends sind wir jetzt auch dabei, unsere Rechnerfarm im Keller auszubauen.

Und Sie wollen bald ein neues Gästehaus einweihen?!

Rost: Ja, eine Besonderheit unseres Instituts innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft ist unser Gastforscherprogramm. Wir haben hier - neben den rund 30 Verwaltungs-Mitarbeitern - nur fünf festangestellte Wissenschaftler im Institut, die anderen Forscher sind auf Zeit hier: einige nur für ein paar Tage, andere für Monate oder höchstens zwei Jahre. Im Schnitt haben wir hier zwischen 50 und 70 Gastwissenschaftler auf dem Campus, 80 Prozent davon aus dem Ausland - deshalb unterhalten sich hier auf den Fluren auch auf Englisch. Und diese Gäste wollen hier forschen, an Workshops teilnehmen und dergleichen, nicht aber viele Stunden mit Fahrten zwischen Hotel und Instituten verplempern. Daher haben wir jetzt für 2,5 Millionen Euro ein viertes Gästehaus bauen lassen, das wir im November offiziell einweihen.

Müssen Sie viel Überredungskunst aufbringen, Forscher in den "wilden Osten", nach Dresden, zu locken?

Rost: Im Gegenteil, die kommen gerne nach Dresden und bringen oft auch ihre Partner mit.

Könnte die Stadt selbst da mehr tun?

Rost: Einen Wunsch hätten wir tatsächlich: Viele Gastwissenschaftler kommen mit der Straßenbahn vom Flughafen oder vom Hauptbahnhof. Ein Haltestellenname wie "Nöthnitzer Straße" ist für Nichtdeutsche ein Problem. Es wäre schön, wenn man die Haltestelle hier in "Max-Planck-Institute/Nöthnitzer Straße" umbenennen könnte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.10.2013

Heiko Weckbrodt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
15.12.2017 - 14:10 Uhr

Trainer Uwe Neuhaus erwartet beim MSV Duisburg ein Geduldsspiel / Mittelfeldduo Hartmann und Konrad fällt aus

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.