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Dresdner Pflegefirma Li-iL setzt in Zukunft auf universitäre Hilfe

Dresdner Pflegefirma Li-iL setzt in Zukunft auf universitäre Hilfe

Weil immer mehr gestresste Großstädter sich in "Dresdner Essenzen" aalen wollen, wächst der Dresdner Kosmetik- und Arzneimittel-Hersteller "Li-iL".

Die Kosmetiker planen nun weitere Investitionen in Logistik und Produktion. Sie intensivieren aber auch ihre Forschung in neue Düfte, Farben und Wirkmittel für ihre Badeessenzen, kooperieren dabei mit der TU.

Wenn ein Besucher ihr Duftlabor betritt, verteilt Li-iL-Chefentwicklerin Christiane Grasse ganz besondere Geschenke: Tolle abgeknickte Papierstreifen. Da kann sich auch Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) nicht drücken. "Riechen Sie mal!" Brav hält sich der Promi-Gast die Streifen unter die Nase, schnüffelt, nickt angemessen betört. Man hat ja nicht alle Tage die Chance mitzubestimmen, in welchen Düften die halbe Welt demnächst badet und sauniert.

"Die richtige Kombination aus Farbe, Geruch, Haltbarkeit, Wohlfühlfaktor und Wirksamkeit zu finden, ist bei jedem neuen Produkt immer wieder eine Sisyphos-Arbeit", verrät Grasse, die mit zwei Labor-Kolleginnen gerade eine neue Duftserie für Männer austüftelt. "Wir können auf eine Datenbank mit über 10 000 Rohstoffen zugreifen. Haben wir eine interessante Kombination ausgewählt, müssen wir oft bis zu 100 Varianten durchprobieren, bis die Balance stimmt. Denn wenn man einen Faktor verändert, verschieben sich meist auch die anderen."

Neues Hopfenbad soll Kunden beruhigen

Für ihr neuestes Projekt haben sich die Duft-Frauen externe Hilfe an Bord geholt: Gemeinsam mit TU-Forschern wollen sie ein blaues Bad ertüfteln. Was schwieriger ist, als es klingt, da die Li-iL-Entwicklerinnen nur natürliche Ingredienzien nutzen wollen, keine künstlichen Farbstoffe. Eine andere Bade- innovation ist inzwischen vollbracht und soll im Herbst auf den Markt kommen: Statt Hopfen an Bier zu verplempern, haben die Damen daraus ein Hopfenbad gebraut - das soll die Li-iL-Kunden im wörtlichen Sinne beruhigen.

Der Druck zur Innovation ist groß: "Die Produktzyklen werden immer kürzer", erzählt Li-iL-Chef Stephan Freitag. "Handelsketten wie ,dm' wechseln im Laufe eines Jahres die Hälfte ihres Sortiments aus. Schon deshalb müssen wir uns immer neue Bäder ausdenken." Etwa 50 Prozent des Umsatzes realisiert das an der Leipziger Straße nahe der Stadtgrenze zu Radebeul ansässige Unternehmen über solche Ketten.

Einen wachsenden - wenn auch bisher noch eher kleinen - Anteil machen der Internethandel und der neue Werksverkauf aus. Li-iL bleibt offensichtlich am Ball: Im vergangenen Geschäftsjahr (das im Juni 2013 endete) steigerten die Dresdner ihren Umsatz gegenüber 2010 um 16 Prozent auf 7,2 Millionen Euro, der Personalstamm wuchs um ein Drittel auf 70 Mitarbeiter. Dazu trugen auch neue Sortimente wie Kinderbäder sowie das Boom-Geschäft mit Geschenkverpackungen bei - für die hat Li-iL extra einen neuen Produktionsstandort an der Emilienstraße eingerichtet. Weitere Ausbauten stehen noch an, so soll die Laster-Abfertigung erweitert werden.

Li-iL knüpft dabei an eine lange Tradition in Dresden an: Um 1900 gab es hier rund 100 Gesundheitsbetriebe von teils reichsweiter Ausstrahlung: Odol, Apogepha, Von Heyden, Bombastus, das Lahmann-Sanatorium und viele andere - darunter auch das 1910 durch den Kaufmann Richard Carl Pittlik in der Johannstadt gegründete "Li-iL" (vom lateinischen "Lithium ilatum" für die Träger-Lithiumsalze für ätherische Öle). 1922 zog die Firma an den heutigen Sitz an der Leipziger Straße um. 1972 wurde "Li-iL" verstaatlicht - und stand nach der politischen Wende als "reiner Arzneimittelhersteller mit erheblichem Investitionsbedarf" da, wie der heutige Li-iL-Chef Freitag einschätzt.

"Wollen keine Müllhalde hinterlassen"

Die Rettung kam durch den Einstieg der westdeutschen Familie Holtsch, die sich durch ihre Wurzeln mit Dresden verbunden fühlte. Unter deren Regie baute das Unternehmen seine Erfolgsserie der "Dresdner Essenzen" auf, die inzwischen weltweit vermarktet werden. Der besondere Clou ist der Verkauf in Tütchen, die es - anders als die Großverpackungen der Konkurrenz - verhindern, dass sich die ätherischen Öle darin rasch verflüchtigen. Diese Essenzen machen heute 80 Prozent des Umsatzes aus. Der Rest entfällt auf Arzneimittel wie Erkältungsbäder, Einreibungen und andere Wirkmittel.

Holtsch-Tochter Maria Hertzberg und deren Gatte Malte Hertzberg begleiteten auch die Teilnahme am städtischen "Ökoprofit"-Projekt, in dessen Zuge Einsparpotenziale in der Firma aufgespürt wurden, die die Betriebskosten senken und der Umwelt nutzen. Angesichts stetig steigender Energie- und Rohstoffpreise, die man wegen des Marktdrucks nicht an die Kunden weitergeben könne, sei dieser Effizienzschub sehr willkommen gewesen, betonten die Hertzbergs. "Und außerdem wollen wir als Unternehmen keine ökologische Müllhalde hinterlassen."

@Mehr Infos: Li-iL.de

Weckbrodt, Heiko

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