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Dresdner Pferde fürs Oktoberfest: Figurenbauer Peter Ardelt gestaltet neues Wiesn-Zelt

Dresdner Pferde fürs Oktoberfest: Figurenbauer Peter Ardelt gestaltet neues Wiesn-Zelt

Dieser Sommer bringt viel Arbeit. Das war dem Dresdner Figurenbauer Peter Ardelt Ende April klar, als er hörte, wer das Rennen um die Hippodrom-Nachfolge beim Münchner Oktoberfest gemacht hatte.

Siegfried Able - den Neuen unter den Betreibern der gerade mal fünf brauereifreien Zelte - kennt Ardelt seit fast 15 Jahren. Der Münchner Wirt war auf der Wiesn bislang mit der "Kalbskuchl" vertreten. Die eher bescheidene Zirbenholzstube für 300 Besucher am Rand der Theresienwiese ziert eine überdimensionale Kalbshaxe nebst vier Meter großem Besteck - gebaut von Peter Ardelt. Auch der Riesen-Bierkrug am Paulaner-Zelt stammt aus Ardelts Übigauer Werkstatt.

Nun also das nächste Großprojekt: Pferde für das neue Zelt "Marstall", dessen Name auf die königliche Hofreitschule verweist. Dass ein Rennen im Oktober 1810 auf der Theresienwiese als Vorläufer des heutigen Oktoberfestes gilt, macht edle Rösser noch unverzichtbarer.

Able wird für seine Neubaupläne in München heftig angefeindet. Denn mit dem seit 1902 bestehenden Hippodrom, das Wiesn-Wirt Sepp Krätz als verurteilter Steuerhinterzieher aufgeben muss, verschwindet ein Stück langer Tradition. Doch das Münchner Urgestein hält an seinem Ziel fest: Zum Start des 181. Oktoberfestes am 20. September soll sein neues Zelt mit gut 4000 Sitzplätzen stehen. Und es soll Eindruck machen.

Das ist unter anderem der Part von Peter Ardelt. Denn der Dresdner Theaterplastiker ist zuständig für die Eye-Catcher: Die Quadriga mit der Bavaria über dem Zelteingang und die nostalgischen Prachtpferde im Innern. Dort soll eine Bühne stehen, die einem Karussell nachempfunden ist. Die Verträge zwischen Able und Ardelt sind mit Handschlag besiegelt, die Details noch streng geheim.

Zwar gibt es bereits Entwürfe für das neue Jugendstil-Zelt, doch nun müssen alle - Wirtsleute, Architekten, Zeltbauer, Bühnenbildner und Beleuchtungsmeister -festzurren, wie das alles bis September in einen würdigen Nachfolger fürs Hippodrom münden kann. "Das wird jetzt besprochen und kalkuliert", sagt Ardelt, der bei den Planungen selbstredend nicht fehlen darf. Für die Bühne im Zelt, die einem Karussell nachempfunden ist, stehe er "schon im Kontakt mit italienischen und deutschen Firmen, die solche Pferde bauen", sagt er. Logisch, dass er Sonderwünsche hat. Denn natürlich werden die Bühne keine der üblichen Spaßrösser zieren. Im Interesse von Statik und Aufwand sollen das so "um die zehn" sehr leichte, elegante, aber vor allem robuste Tiere sein.

"Schön, stabil, leicht und unverwüstlich" sind denn auch die Vokabeln, die Ardelt den Quadriga-Figuren außen zueignet. Sechs Pferde werden den Zelteingang dominieren, vier rund um die Bavaria, jeweils eins links und rechts. Anders als auf dem Brandenburger Tor, auf dem eine in Bronze gegossene Siegesgöttin Viktoria den von vier Pferden gezogenen Wagen (Quadriga) lenkt, soll Ardelts Bayern-Patronin Bavaria vor den Rössern stehen und sie zügeln: "Säße sie im Wagen", erklärt der Plastiker, "wäre sie für Gäste kaum sichtbar. Zu weit hinten".

Die Quadriga-Figuren sind eine besondere Herausforderung. Doch jahrelange Erfahrung lässt den Allrounder in seiner Übigauer Werkhalle ruhig bleiben. Sein 2011 fürs Paulaner-Zelt gebauter Riesen-Bierkrug hält ebenso einwandfrei Stellung und Form wie seine lebensgroßen Wale im Stralsunder Meeresmuseum oder wie die riesigen Köpfe, die er für Asisis Großausstellungen baut. Einer der Köpfe liegt gerade fast versandfertig in der Werkstatt: Er wird demnächst in Paris zu sehen sein. Die dreieinhalb Meter hohe Winkekatze daneben ist fürs Splash-Festival in Sachsen-Anhalt.

Für die sechs Reittiere auf dem "Marstall" hat Ardelt mit dem Bildhauer Lothar Beck, dem Theaterplastiker Robert Frenzel und seiner Angestellten Anne Rauschenberg bereits drei Künstler im Blick, denen er individuell gestaltete Pferde zutraut, "bei denen Bewegung, Dynamik, Darstellung, Ausdruck und Farben stimmen". Künstler, die mit Styropor umgehen können. Denn der Werdegang der Außenfiguren ist ein sehr spezieller. "Wir machen Entwürfe, aus denen wir 1:10-Modelle bauen. Die müssen gaaaanz exakt sein, damit wir sie einscannen können als Grundlage für den Stahlbau im Innern", erläutert Ardelt. Steht das Tiergerüst, bringen Plastiker die Styroporplatten an. Nun naht die Stunde der Bildhauer, die dem weißen Rohling Form und Ausdruck geben. "Bis zu drei Wochen kann das dauern", meint Ardelt. Das Ergebnis kaschiere er mit einer Packpapierschicht, bevor ein Polyester-Überzug die Figuren unkaputtbar macht und Farbe ihnen den letzten Schliff gibt.

Gut vier Monate, das weiß Ardelt, sind knapp. Doch auf einen gehetzten Blick wartet man bei dem Profi vergebens. Zwar stöhnt er ein bisschen bei dem Gedanken an die Pendelei zwischen Dresden und München. Doch an ihm, das ist mal klar, wird der große Auftritt im "Marstall" am 20. September nicht scheitern.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.05.2014

Barbara Stock

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