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Dresdner Originale im Zoo: Nackt, langlebig und schmerzunempfindlich

Dresdner Originale im Zoo: Nackt, langlebig und schmerzunempfindlich

Wenn das stimmt, können Männer von Glück reden, dass es ihnen nicht so ergeht wie den Nacktmull-Männchen. Laut Wikipedia altern diese Tierchen nämlich erstaunlich schnell, nachdem sie sich gepaart haben.

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Schmerzunempflndlich: der drollige Nacktmull.

Quelle: Dietrich Flechtner

"Bei unseren Nacktmullen ist mir das noch nicht aufgefallen und ich habe dafür in der Literatur auch keine Erklärung gefunden", widerspricht der Zoologische Leiter Wolfgang Ludwig zwar. Was er aber bestätigen kann, ist, dass diese Tierchen sowohl schmerzunempfindlich als auch äußerst langlebig sind und sich deshalb als Versuchstiere für die Alters-, Schmerz- und Krebsforschung eignen.

Ludwig kennt sich bestens aus mit den etwa 50 Gramm schweren und bis zu 15 Zentimeter langen Geschöpfen. "Wir halten Nacktmulle seit 1995, vor zehn Jahren gab es zum ersten Mal Nachwuchs", berichtet er. Lange Jahre sei der Dresdner Zoo der deutschlandweit einzige gewesen, dem die Zucht dieser stressanfälligen Wesen gelang.

90 Nacktmulle leben im Zoo, 26 davon in der Schauanlage im Eingangsbereich. Sie lassen sich durch die Glasscheibe gut beobachten, wie sie die unterirdischen Gänge ihres Baus entlang wieseln. Das können sie ebenso schnell vorwärts wie rückwärts. Klassische Schönheiten sind sie nicht mit ihrer braun-rosa Haut, die lose und faltig am Körper anliegt. Weil sie nur wenige, sehr feine und deshalb fast unsichtbare Härchen haben, können sich Parasiten schlechter ansiedeln auf ihren Körpern.

Ansonsten verfügen Nacktmulle über vier auffallend große, immer wieder nachwachsende Nagezähne, die sie wie Baggerschaufeln einsetzen können. Die Augen sind kleiner als Stecknadelköpfe. "Damit können sie nur hell und dunkel unterscheiden", weiß der Zoologe.

Ein Kapitel für sich ist die Lebensweise der Nacktmulle: In den Halbwüsten Ostafrikas leben sie in Kolonien von weit über 30 Tieren zusammen. "Wie bei den Erdmännchen und den Rothunden gibt es jeweils nur ein Weibchen pro Kolonie, das sich mit zwei, drei Männchen paart", erklärt Ludwig.

Diese "Königin" ist größer und kräftiger als alle anderen Weibchen, hat eine gewölbte Wirbelsäule, um mehr als zehn Junge in ihrem Leib unterzubringen, und wächst während der Trächtigkeit in die Länge. Das Alpha-Weibchen gebärdet sich äußerst aggressiv, kontrolliert seine Rivalinnen, rempelt sie an und zwickt sie.

Der Dauerstress, den auch die Töchter und Söhne der Königin ertragen müssen, verhindert letzten Endes, dass sie in Ruhe Nachkommen zeugen können. Wachsen die Gruppen an, wandern einige Männchen oftmals aus, um sich fortpflanzen zu können. "Manchmal splitten sich auch mehrere Tiere ab, verschließen und bewachen einen der unterirdischen Gänge, um schließlich eine neue Gruppe zu gründen", weiß Ludwig.

Bei den Wesen gibt es zudem eine strenge Arbeitsteilung: Junge Nacktmulle kümmern sich um ihre kleinen Geschwister. Werden sie älter, sind sie für den Ausbau des Gangsystems zuständig oder halten an den Ausgängen Wache.

Diese kuriosen Geschöpfe werden im Übrigen weit über 15 Jahre alt und übertreffen damit Mäuse und Ratten um ein Vielfaches. Sie beherrschen 18 verschiedene Laute, die sich wie ein Zwitschern anhören. Außerdem sind sie die einzigen schmerzunempfindlichen Säugetiere. Sie nehmen Schnitte, Verbrennungen und Verätzungen zwar wahr, empfinden sie jedoch nicht als schmerzhaft. Auch andere Zoos interessieren sich mittlerweile für die Nacktmulle. "Wir haben inzwischen schon ganze Gruppen an die Zoos in Prag und Osnabrück abgegeben", berichtet Ludwig.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.10.2013

Katrin Richter

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