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Dresdner Nuklearmediziner wollen mit neuer Krebstherapie Metastasen den Kampf ansagen

Dresdner Nuklearmediziner wollen mit neuer Krebstherapie Metastasen den Kampf ansagen

Für Krebspatienten kommt die Diagnose, dass der Tumor bereits "Metastasen" gestreut hat, einem Todesurteil nahe, denn dann schrumpfen die Behandlungsmöglichkeiten für die Ärzte rapide.

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Doktorandinnen Silke Fähnemann (vorn) und Manja Kubeil Institut für Radiochemie. Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf entwickelt eine Methode, mit der man Krebsgeschwüre und deren Metastasen von innen bestrahlen kann.

Quelle: HZDR

Doch Nuklearmediziner in Dresden arbeiten derzeit an einer vielversprechenden Krebstherapie, die die Heilungschancen von Patienten drastisch erhöhen könnte - selbst wenn der Tumor schon Metastasen im Körper gestreut hat. Dabei setzen sie spezielle, molekular programmierte Botensysteme ein, die sich gezielt Tumore und Metastasen nähern und sie innerlich zerstrahlen.

Von Heiko Weckbrodt

"In Kombination mit externer Bestrahlung haben wir mit dieser Methode bei Versuchen mit Mäusen bereits sehr vielversprechende Ergebnisse erzielt", berichtet Sprecherin Christine Bohnet vom "Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf" (HZDR). Das entwickelt die neue Therapie gemeinsam mit der TU und dem Uniklinikum Dresden. Zwar sei es noch ein weiter Weg, bis man auf diese Art und Weise Menschen behandeln könne, aber: "Das könnte in Zukunft neben Chirurgie, äußerer Bestrahlung und Chemotherapie die vierte große Säule der Krebsbehandlung werden", glaubt sie.

Die klassische Strahlentherapie hat nämlich ein grundsätzliches Problem: Die zerstörerischen Strahlen streuen stark und zerstören daher nicht nur Tumore, sondern auch gesundes Gewebe. Diese Problem versuchen die Rossendorfer zwar nun mit zielsichereren Protonenstrahlen in den Griff zu bekommen, die von kompakten Superlasern beschleunigt werden. Aber auch der Einsatz dieser Atomkernteilchen ist darauf angewiesen, dass die Ärzte das richtige Ziel finden. Und das funktioniert zwar meist bei Tumoren (zusammenhängendem Krebsgewebe). Entartete Streuzellen (Metastasen) zu finden ist hingegen selbst für modernste Bildsuchverfahren wie MRT- und PET-Kombigeräte kaum möglich.

Um dieses Dilemma zu lösen, haben die Rossendorfer Forscher tief in die Trickkiste gegriffen und verschiedene Methoden kombiniert. Ein Vorbild war zum Beispiel die vor etwa 70 Jahren entwickelte Radiojod-Therapie, die den Umstand ausnutzt, dass nur die Schilddrüse im Körper Jod speichert. Jubelt man dem Organ radioaktives Jod unter, kann dies Tumore an dieser Stelle zerstrahlen - aber eben nur dort. Vor allem aber nutzt das Team die jahrzehntelangen Erfahrungen in Rossendorf mit Radiopharmaka sowie die neueren Fortschritte des künstlichen DNA-Designs. Dabei injizieren die Forscher maßgeschneiderte Suchmoleküle in den Körper, zum Beispiel langsame (weil große) Antikörper und schnellere Proteine. Dabei machen sie sich den übergroßen Energiehunger von Krebszellen zunutze, die solche Moleküle magisch anziehen. Diese Sendboten haben allerdings eine Art "Trojanisches Pferd" an Bord: Maßgeschneiderte halbe Erbgut-Stränge.

Haben sich nun genug derart getarnte Suchzellen an die Metastasen und Tumorzellen angedockt, schicken die Wissenschaftler eine Welle von Beta-Strahlern wie Yttrium-90, Lutetium-166 oder Rhenium-188 hinterher, die die andere Hälfte des DNA-Strangs besitzen. An den Krebszellen angelangt, "erkennt der Schlüssel das passende Schloss, also den Antikörper, und bindet ausschließlich an diesen", erläutert Hans-Jürgen Pietzsch, Leiter der HZDR-Abteilung für Radiotherapeutika. Wie bei einem Reißverschluss verbinden sich zuvor angelagerte Antikörper und die eintreffenden Betastrahler. Letztere senden dann Elektronen mit kurzer Reichweite aus, die höchstens rund 100 Zellen weit kommen - und damit das gesunde Gewebe um den Krebs weitgehend unangetastet lassen.

"Wir wollen mit unseren neuen radioaktiven Substanzen den Primärtumor maximal schädigen und die Metastasen im Körper vollständig zerstören", kündigte Pietzsch an. "Dabei soll die interne Strahlentherapie in der Regel zusammen mit der externen Bestrahlung in Form einer Kombinationstherapie angewendet werden. Hier erhoffen sich die Mediziner, dass die externe Strahlendosis so gesenkt werden kann, dass gesundes Gewebe maximal geschont wird. Und das bei "deutlich besseren Behandlungserfolgen".

Mehr Infos und Bilder im Netz: computer-oiger.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.09.2012

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