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Dresdner Mikroelektronik soll sich mit 1,6 Milliarden Euro Landesförderung neu profilieren

Dresdner Mikroelektronik soll sich mit 1,6 Milliarden Euro Landesförderung neu profilieren

Sachsen richtet seine Mikroelektronik-Politik neu aus. In diesem Zuge ist ein aus Landesmitteln mitfinanziertes Investitions- und Förderprogramm für intelligentere Computerchips geplant, aus dem in den kommenden Jahren aus öffentlichen und privaten Quellen bis zu 1,6 Milliarden Euro in neue Pilotlinien, Anlagenausrüstungen und Forschungsprojekte für neuartige komplexe Nanoelektronik fließen sollen.

Das hat der sächsische Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) angekündigt.

Dieses Programm dockt an das neue Konzept der Fraunhofer-Gesellschaft an, deutschlandweit zehn Nationale Leistungszentren für Schlüsseltechnologien aufzubauen (DNN berichteten). Dabei soll auch ein Mikroelektronik-Zentrum in Dresden entstehen, das sich um die industrienahe Entwicklung solcher "intelligenteren Chips" kümmert. Rechnet man diese Projekte mit ein, könnte sich für die Mikroelektronik in und um Dresden in Summe eine Investitionsspritze von über 1,7 Milliarden Euro ergeben.

Hintergrund: In den 1990er Jahren hatte der Freistaat vor allem die Ansiedlung von großen Halbleiter-Unternehmen wie Infineon und AMD gefördert, die immer schnellere Speicherchips und Prozessoren in immer kleineren Strukturen herstellen ("More Moore"-Ansatz, benannt nach Intel-Mitgründer Gordon Moore). Vor allem nach der Qimonda-Pleite fiel Dresden in diesem Sektor aber zurück. Auch der Landesregierung wurde bange um den Ruf des Mikroelektronik-Standortes Dresden. Sie holte ein Gutachten des Marktanalyse-Unternehmens "Oliver Wyman" ein. Ergebnis der Ende 2011 vorgelegten Expertise: Sachsen wird international kaum noch als führender Halbleiter-Standort wahrgenommen, es fehlt zudem ein klares Profil.

Daher will die Landesregierung ihre Förderpolitik künftig in hohem Maße auf das "More than Moore"-Konzept konzentrieren: Chips, die neben digitalen Rechenwerken und Speichern auch Sensoren, Kreiselkompasse, Spiegel, mechanische und andere Bauelemente enthalten und dadurch komplexere Aufgaben lösen. Als "Mikroeletromechanische Systeme (MEMS) wird solche Elektronik zum Beispiel in Computertelefonen wie dem iPhone, aber auch in Autos und Werkzeugmaschinen eingesetzt.

Um diese Neuprofilierung des Standorts zu fördern, will Morlok ein 4,8 Milliarden Euro schweres EU-Programm anzapfen. Brüssel erwartet, dass die Hälfte dieser Summe von der Privatwirtschaft kommt. Die andere Hälfte sollen Fördergelder sein, in die sich wiederum EU und Mitgliedsstaaten hineinteilen. Alle Versuche der Sachsen, den Bund zu dieser Kofinanzierung zu überreden, blieben bisher aber weitgehend erfolglos. "Wir mussten erkennen, dass es uns ohne signifikanten eigenen Finanzierungsanteil nicht gelingen wird, den Bund mit ins Boot zu holen", räumt Morlok ein.

Sein Konzept nun: Sachsen überlässt je ein Drittel des EU-Programms von vornherein den anderen beiden großen europäischen Mikroelektronik-Standorten, die sich auf den Umstieg auf 450-Millimeter-Scheiben (IMEC im belgischen Löwen) und kleinere Chipstrukturen (Grenoble/Frankreich) fokussieren. Daher will der Minister auch alle bisherigen sächsischen Versuche, eine Chipfabrik-Pilotlinie mit neuartigen, 450 Millimeter großen Chip-Scheiben für Dresden zu angeln, nur noch auf Sparflamme weiterköcheln lassen.

Für das "Intelligentere Chips"-Programm in Sachsen blieben dann rechnerisch 1,6 Milliarden Euro. Davon soll die Hälfte die Industrie einzahlen, 400 Millionen die EU, Sachsen einen "dreistelligen Millionenbetrag", der Bund den Rest. Ausgezahlt würde der Großteil der Gelder ab 2015. Eine entsprechende Kabinettsvorlage wolle er in den nächsten Wochen einbringen, kündigt Morlok an.

"Wenn wir nichts unternehmen, besteht das Risiko, dass wir den Mikroelektronik-Standort Sachsen nicht in der bisherigen Form und Größe halten können", wirbt der Wirtschaftsminister nun um Unterstützung. "Wir versprechen uns von diesem Programm aber nicht nur Bestandssicherung, sondern mittel- und langfristig auch neue Arbeitsplätze, neue Ansiedlungen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.09.2013

Heiko Weckbrodt

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