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Dresdner Kunst-Nacktscanner helfen Restauratoren

Dresdner Kunst-Nacktscanner helfen Restauratoren

Die Restauratoren der 1970er Jahre meinten es nur gut: Sie besprühten antike Textilien und Holzskulpturen mit Schädlingsbekämpfungsmitteln, um sie vor der Zerstörung durch Insekten und Mikroorganismen zu schützen.

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Der Terahertz-Scanner spürt verborgene Wandmalereien auf, kann aber auch Biozide an Kunstwerken nachweisen.Abb.: Andrea Schmid, HfbK

Die Kehrseite wurde erst später klar: Viele dieser Kunstwerke waren danach derart mit gesundheitsgefährdenden Bioziden verseucht, dass sie nicht mehr öffentlich in den Museen ausgestellt werden können. Aufspüren sollen solche Kontaminierungen nun eine neue Generation von mobilen Terahertz-Detektoren für Restauratoren, die am "Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik" (IWS) in Dresden entwickelt wurden.

Diese neuen Detektoren können zum Beispiel auch einst übertünchte Wandbilder wieder sichtbar machen oder vom Künstler verworfene Alternativentwürfe eines Gemäldes zum Vorschein bringen. Möglich machen dies Terahertz-Strahlen (Wellenlänge zwischen 100 Mikrometern und einem Millimeter), die der Öffentlichkeit durch die umstrittenen "Nacktscanner" an Flughäfen bekannt geworden sind. Diese Strahlen haben im Vergleich zu Röntgen-Durchleuchtern einen großen Vorteil: Sie schädigen das analysierte Material oder Gewebe nicht und arbeiten mit geringen Strahlleistungen von nur einem Mikrowatt.

Ausprobiert hatten die IWS-Forscher den Terahertz-Detektor jüngst im Hygienemuseum: Dort analysierten sie mit Kollegen der TU, der Hochschule für bildende Künste Dresden und anderen Institutionen das einst übertünchtes Wandbild "Lebensfreude" von Gerhard Richter. Das hatte der Künstler als Gesellenstück hinterlassen, bevor er die DDR verließ. Daraufhin wurde es in den 60er Jahren übermalt.

Das wandgroße Bild befand sich im Foyer zur heutigen Abteilung "Kindermuseum", es wurde 1994 während der Generalsanierung des Museums entdeckt und provisorisch konserviert. Freigelegt oder restauriert werden soll es vorerst nicht - daran bestehe weder seitens des Hauses noch des Künstlers großes Interesse, sagte ein Museumssprecher. Dies mag am Motiv des Richterbildes liegen: Der Künstler frönte damals noch dem sozialistischem Realismus und entwarf auf seinem übermannsgroßem Wandbild ein sozialistisches Arbeiterparadies.

Heiko Weckbrodt

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.11.2012

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