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Dresdner Kreative arbeiten gemeinsam mit Geflüchteten

„K9 – kreativ – integrativ“ Dresdner Kreative arbeiten gemeinsam mit Geflüchteten

Noch sieht es ziemlich ungemütlich aus im Gemeinschaftsraum der Flüchtlingsunterkunft Katharinenstraße 9 (K9) in der Alten Feuerwache . „Wir brauchen hier Aufbewahrungsmöglichkeiten und eine gemütliche Sitzecke“, sagt Innenarchitektin Judith Scholz. Ihre Hocker, die sie im Rahmen des Projekts „K9 – kreativ – integrativ“ mit Asylsuchenden baut, sollen beide Aufgaben erfüllen.

Asylsuchende aus Dresdner Übergangswohnheimen bauen Multifunktionsmöbel für den Gemeinschaftsraum der Katharinenstraße 9.

Quelle: Tanja Tröger

Dresden.  Noch sieht es ziemlich ungemütlich aus im Gemeinschaftsraum der Flüchtlingsunterkunft Katharinenstraße 9 (K9) in der Alten Feuerwache in der Dresdner Neustadt: rauer Steinfußboden, kahle Wände, ein paar zusammengewürfelte Schränke, Garagen-Charme. Kein Wunder – in diesem großen Raum parkten früher die Fahrzeuge. „Wir brauchen hier dringend Aufbewahrungsmöglichkeiten und eine gemütliche Sitzecke“, sagt Innenarchitektin Judith Scholz. Ihr Raumteiler-Hocker soll beide Aufgaben erfüllen. „Die Hocker kann man übereinander stapeln und dann verschrauben“, erklärt die Dresdnerin. „Das kann man dann beliebig erweitern – vielleicht wollen manche Heimbewohner so etwas ja auch für ihre Zimmer.“

Gemeinsam etwas Sinnvolles schaffen und geflüchteten Menschen das Ankommen im neuen Zuhause erleichtern, das ist das Ziel des Projekts „K9 – kreativ – integrativ“, das jetzt startet. Dresdner Kulturschaffende und Kreativwirtschaftler bieten für die Asylsuchenden handwerkliche Tätigkeiten, Sprachübungen oder Fortbildungen an. Außerdem ist geplant, dass die Geflüchteten die Dresdner Neustadt und auch den Rest der Landeshauptstadt besser kennenlernen. „Das Projekt ist sehr bedarfsorientiert. Wir schauen, was die Bewohner sich wünschen, was sie brauchen“, erläutert Projektleiterin Sindy Berndt von der gemeinnützigen GmbH „Projektschmiede“, die als Träger des K9-Projekts fungiert. So schwebt beispielsweise die Idee von Hochbeeten für den tristen Innenhof des Wohnheims im Raum. Indem die Flüchtlinge selbst aktiv werden, mit den eigenen Händen etwas erschaffen, Kontakte knüpfen und Neues lernen, soll ihre Integration erleichtert werden.

Für Asylsuchende bieten Dresdner Kreativwirtschaftler handwerkliche Kurse, Fortbildungen und Sprachübungen an.

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Und obendrein schafft es Abwechslung, füllt die oft leeren Tage der Asylsuchenden. Der 19-jährige Amin-mazrbi aus Afghanistan beispielsweise langweilt sich oft und baut deswegen an den Hockern mit. „Ich habe leider keine Chance, zur Schule zu gehen oder einen Deutschkurs zu machen, da ist so ein Projekt okay.“

Ein älterer Landsmann bestätigt, dass es wichtig wäre, die Sprache zu lernen und rauszukommen, etwas Nützliches zu machen. „Wir warten oft nur, haben nichts zu tun.“ In seiner Heimat habe er als Fernsehjournalist gearbeitet, erzählt der Familienvater, dessen Frau und Kinder noch in Afghanistan leben. Weil er nicht für die Taliban arbeiten wollte und die ihm mit dem Tod drohten, verließ er seine Heimat. Während er in Aghanistan Regierungs- und Verwaltungsprozesse kritisch begleitet und daher regelmäßig mit Politikern und Verwaltungsmitarbeitern zu tun gehabt habe, interessiere seine Meinung hier niemanden, sagt er frustiert. „Naja, wenn du dich langweilst, liegt das aber auch ein bisschen an dir“, versucht ihm Heimleiterin Elvira Ploß ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Du könntest jetzt in einem Deutschkurs sitzen.“ Die K9-Bewohner könnten die ehrenamtlich organisierten DAMF-Sprachkurse besuchen, in der Bibliothek das W-Lan nutzen und Bücher leihen oder zu regelmäßigen Treffs in die Martin-Luther-Gemeinde gehen, zählt sie auf.

„K9 – kreativ – integrativ“ ist zwar ans Übergangswohnheim Katharinenstraße angebunden, aber offen für Asylsuchende aus der gesamten Stadt, so Berndt. Bewilligt hat das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz die Fördergelder, mit denen sowohl der Projektträger als auch die Partner aus der Kreativwirtschaft bezahlt werden, zunächst bis Ende des Jahres. Die Projektschmiede hofft allerdings auf eine Verlängerung und Ausdehnung aufs gesamte Stadtgebiet.

Von Tanja Tröger

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