Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Google+
Dresdner Koala-Doktor Dimitri Widmer im Interview

Dresdner Koala-Doktor Dimitri Widmer im Interview

Dimitri Widmer hat Anfang Januar seinen Dienst als neuer Zoo-Tierarzt angetreten. Der 31-Jährige vertritt in den kommenden beiden Jahren Eva Ziemssen, die im Sommer ihr erstes Kind erwartet.

Widmer kennt sich bestens mit Koalas aus, denn er hat nach dem Studium der Tiermedizin in Hannover vier Jahre im Duisburger Zoo gearbeitet. Dort leben einige Exemplare der begehrten Beuteltiere, auf die Dresden hofft. Warum sind Sie ausgerechnet Tierarzt geworden?

Dimitri Widmer: Diesen Wunsch hatte ich schon ganz früh, noch bevor ich überhaupt zur Schule gekommen bin. Exotische Tiere fand ich schon immer faszinierend. Ich habe im Urlaub alle möglichen Spinnen, Skorpione, Frösche und Eidechsen gesammelt, sie eine Weile zu Hause im Aquarium oder Terrarium gehalten, dann aber wieder freigelassen. Ich wollte nicht, dass sie bei mir ein jahrelanges einsames Dasein fristen müssen. Und meine Eltern fanden mein Hobby auch ganz spannend. Die haben immer gesagt: Der Junge will das halt.

Haben Sie die Vorliebe für Exoten von Ihren Eltern geerbt?

Ganz und gar nicht. Meine Eltern sind alle beide Schauspieler am Theater. Seit Jahrzehnten schon. Mein Vater ist Schweizer, meine Mutter Deutsche. Aufgewachsen bin ich in Bielefeld.

Wie sieht der Alltag eines Zootierarztes aus?

Zunächst: Die Arbeit im Zoo unterscheidet sich von der eines Tierarztes. Der Tierarzt in seiner Praxis freut sich, wenn er viele Termine am Tag hat, weil er ja Geld verdienen muss. Im Zoo ist das anders. Wir Zootierärzte sind froh, wenn die Tiere gesund sind. Hier in Dresden ist es so, dass die Zoologen morgens eine Runde drehen und in den Revieren mit den Pflegern sprechen. So erfahre ich, ob ein Tier krank ist. Anschließend plane ich meine Behandlungstermine für den Lauf des Tages. Entweder ich verarzte die Tiere gleich vor Ort oder nehme sie mit in die Praxis, sofern das möglich ist. Ich tausche mich auch oft mit Kollegen aus, weil man ja nicht Spezialist für jedes Tier sein kann.

Aber wofür sind Sie Spezialist?

Spezialist ist vielleicht ein wenig übertrieben. Sagen wir so: Mit Beuteltieren, speziell den Koalas, kenne ich mich ganz gut aus. Der Duisburger Zoo, in dem ich vier Jahre gearbeitet habe, hat ja die Koalas, die Dresden so gerne auch hätte. Nachwuchs gibt es jedenfalls bei den possierlichen Tieren und wir hoffen, dass wir in Dresden in diesem Jahr welche abbekommen. Außer den Beuteltieren mag ich die Meeressäuger gern. Duisburg hat Delfine und Robben. Mein ganz spezielles Steckenpferd sind die Pinguine. Ich freue mich sehr, dass wir hier auch wieder neue Humboldtpinguine bekommen.

Wie schätzen Sie die Haltungsbedingungen in Dresden ein?

Sagen wir so: Ich könnte nicht in einem Zoo arbeiten, wo ich nicht mit einem ruhigen Gewissen einschlafen kann. Die Pfleger hier sind sehr hinterher zu gucken, dass es ihren Tieren wirklich gut geht. Was ich persönlich problematisch finde, ist, Tiere privat zu Hause zu halten. Wie viele Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster sitzen völlig unbeobachtet im Kinderzimmer und fristen da ein trauriges Dasein, weil sie den Kindern inzwischen langweilig geworden sind.

Was war Ihr dramatischster Einsatz?

Im November mussten wir in Duisburg unseren uralten Breitmaulnashornbullen einschläfern. Der war schon weit über 50 Jahre alt und damit eines der ältesten Nashörner überhaupt auf der Welt. Das war schon eine dramatische Sache. Einige Pfleger kannten das Tier schon 30, 40 Jahre.

Welches besonders schöne Erlebnis ist Ihnen in Erinnerung geblieben?

Ich war ja bei ziemlich vielen Tiergeburten dabei. Besonders schön ist es immer zu sehen, wenn die kleinen Koalas zum ersten Mal aus dem Beutel herausgucken. Sie sind ja bei der Geburt rosa, nackt und nur so groß wie ein Gummibärchen. Dann kriechen sie in den Beutel der Mutter, die Beule wird immer dicker und etwa ein halbes Jahr später kommt der Moment, wo zum ersten Mal beispielsweise ein Fuß heraushängt aus dem Beutel. Und irgendwann taucht dann auch das Köpfchen auf. Das ist schon niedlich anzuschauen.

In Erinnerung geblieben ist mir auch, wie wir einen Sibirischen Tiger von seinem jahrelangen Zahnleiden befreit haben. Wir mussten ihn dafür zweimal in Narkose legen. Ein Spezialist aus den USA hat zwei Zähnen Füllungen verpasst. Diesen Tiger wieder geheilt zu sehen, das war sehr schön.

Gespräch: Katrin Richter

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.01.2013

Katrin R.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
23.10.2017 - 14:57 Uhr

Für Manuel Konrad geht es in der zweiten Runde des DFB-Pokals mit Dresden in seine alte Heimat zum SC Freiburg.

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.