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Dresdner Kleingärtner kämpfen um ihre bedrohte Scholle

Dresdner Kleingärtner kämpfen um ihre bedrohte Scholle

"Dieser Orden vom Opernball für die tanzenden Dresdner ist jetzt öffentlich im Rathaus ausgestellt. Der ist ja wichtig. Und wo ist die Goldmedaille, die Dresden als grüne Stadt im europäischen Wettbewerb Entente Florale bekommen hat? Ist die nicht wichtig?" Frank Hoffmann ist sauer.

Der Chef des Stadtverbandes der Gartenfreunde hat den Hut für einen wichtigen Teil des Dresdner Stadtgrüns auf: die Dresdner Kleingärten. Denn der Verband ist Dachorganisation und Interessenvertreter von rund 50 000 Schrebern, die in 364 Vereinen organisiert sind und rund 23 330 Parzellen bewirtschaften. Doch der Fortbestand von immer mehr Kleingärten ist in Gefahr.

"Es wird immer nur überlegt, wie man uns am besten los wird."

Die Ursachen sind vielfältig. Private Landbesitzer, die mit ihrem Grund und Boden mehr Gewinn erwirtschaften wollen als die Kleingartenpacht einbringt, ist eine. Geplante Bauprojekte eine zweite. Hochwasserschutz die dritte.

"Wir sträuben uns nicht gegen sinnvolle Bauprojekte, wollen der Stadtentwicklung nicht im Weg stehen. Dass Gärten weichen müssen, die im Hochwasserfall ein Abflusshindernis darstellen und zur Gefahr für Dritte werden können, steht außer Frage", so Hoffmann. Doch er befürchtet, dass am grünen Tisch unnötig viele Kleingärten zur Disposition gestellt werden, ohne dass man die tatsächlichen Lage vor Ort berücksichtigt. Er vermisst bei Bauplanungen den grundsätzlichen Willen darüber nachzudenken, inwiefern sich Kleingärten zum Vorteil aller eventuell integrieren lassen. "Es wird immer nur überlegt, wie man uns am besten los wird. Dabei bereichern Kleingärten doch die Stadt. Sie sind ein Teil der grünen Lunge, erfüllen eine nicht zu unterschätzende soziale Funktion. Des Weiteren arbeiten wir daran, unsere Anlagen mehr und mehr für Nicht-Gärtner als Erholungsgebiete zu öffnen", argumentiert Frank Hoffmann.

Er kämpft mit dem Verband der Gartenfreunde derzeit an "unendlich vielen" Fronten. Dass zehn Kleingärten einem neuen Parkhaus an der Pfotenhauerstraße weichen sollen, ist eher ein kleiner Fall. Um den Fortbestand von rund 100 Parzellen geht es im Zusammenhang mit den Expansionsplänen der TU in Zschertnitz. Auch bei der Entwicklung des "Wissenschaftsparkes Ost" zwischen dem Fraunhofer-Campus Gruna und der Reicker Straße sind Kleingärten in Größenordnungen betroffen. Die Alarmglocken läuten für Frank Hoffmann zudem bei Planungen im Zusammenhang mit der geplanten Verschönerung des Hechtparkes. Keinesfalls sei der Verband bereit, Parzellen kampflos aufzugeben.

Und dann das Thema Hochwasser. Rund 100 Gärten haben Dresdner Kleingärtner im Ergebnis der neuerlichen Flut im Juni des vergangenen Jahres mehr oder weniger freiwillig aufgegeben beziehungsweise sind dabei. Doch ist das schon das Ende der Fahnenstange? "1500 Gärten waren im Juni 2013 erneut überschwemmt", so Hoffmann. Er ahnt, dass das Umweltamt am liebsten alle diese Gärten wegrationalisieren würde. Eine klare Aussage der Stadtverwaltung gibt es noch nicht.

Frank Hoffmann weiß, dass die Stadtverwaltung gegenwärtig an einer Beschlussvorlage für den Stadtrat arbeitet. Er erhofft sich in dieser klare Aussagen zur Zukunft der Kleingartenanlagen im Überschwemmungsgebiet, zu Alternativstandorten, zur Übernahme der Pflegekosten für die freigeräumten Flächen und zu einer angemessenen pauschalen Entschädigung für die Kleingärtner, die ihre Parzelle räumen müssen.

Vandalismus und Mülltourismus Problem in verlassenen Gärten

Die Dresdner Kleingärtner warten außerdem sehnsüchtig darauf, dass die aufgegebenen Parzellen - wie von der Stadt zugesagt - schnellstmöglich beräumt werden. Denn die leeren Gärten entwickeln sich zunehmend zu Müllplätzen. Außerdem ziehen diese Gärten Plünderer an, die sich gleich noch in weiterhin bewirtschafteten Gärten in der Nachbarschaft bedienen.

"In wenigen Tagen kommt der Kleingartenbeirat zusammen, bei dem Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert zur Stadtratsvorlage Stellung beziehen möchte", so der Vorsitzende des Stadtverbandes der Gartenfreunde. Er freut sich zudem über einen kleinen Erfolg im Kampf um den Erhalt der Dresdner Kleingärten. Die Anträge auf Verlängerung der im Nachgang der Flut 2002 erteilten, bis Ende Juni 2014 befristeten Sondergenehmigungen zur Reparatur bzw. Wiederaufbau von Lauben werden nicht pauschal abgelehnt, sondern einzeln geprüft. Für die Kleingärtner, die viel Geld und Arbeit investiert haben, um der Forderung der Stadt nach massiven Lauben mit tiefgründigem Fundament nachzukommen, ist das allerdings ein kleiner Trost.

In diesen Vereinen wurden im Nachgang der Flut 2013 Gärten aufgegeben:

"Ostragehege": 25 von 79 Gärten

"An dem Zschierbach I": 23 von 33 Gärten

"Die Ufergärten": 10 von 20 Gärten

"Leubener Wiesen": 23 von 24 Gärten

"Berchtesgadener Straße": 4 von 55 Gärten

"Elbtal II": 20 von 358 Gärten

"Neu-Leuben": 5 von 95 Gärten

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.03.2014

Catrin Steinbach

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