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Dresdner Kinder holen sprachlich und motorisch auf: Hilfesysteme dämpfen Entwicklungsdefizite

Dresdner Kinder holen sprachlich und motorisch auf: Hilfesysteme dämpfen Entwicklungsdefizite

Die Sprach- und Motorikdefizite Dresdner Kinder schrumpfen weiter. Offenbarte im Schuljahr 2006/07 über ein Drittel (38,2 Prozent) der Kinder im Kita-Alter Rückstände in ihrer sprachlichen Entwicklung, waren es bei der jüngsten Vierjährigen-Untersuchung im Frühjahr und Sommer 2012 nur noch 26,5 Prozent.

Der Anteil der Kinder mit Feinmotorik-Defiziten sank im selben Zeitraum von 17,4 auf 11,8 Prozent, bei den Grobmotorik-Tests zeigten nur noch 8,1 statt 12,5 Prozent der Kinder Auffälligkeiten. Das teilte der Kinder- und Jugendärztliche Dienst (KJÄD) auf DNN-Anfrage mit. Demnach gab es auch im Vergleich zum Vorjahr weniger Befunde, sieht man einmal von den eher stagnierenden Feinmotorik-Defiziten ab.

"Insgesamt ist, vor allem durch die inzwischen aufgebauten Hilfesysteme, ein Trend zum Besseren erkennbar", betonte KJÄD-Leiterin Dr. Elke Siegert. Dies sei vor allem dem Kita-Eigenbetrieb zu verdanken, der zum Beispiel zusätzliche Sozialarbeiter in die Kindergärten entsandt habe, die dort Kinder und Eltern bei vielen alltäglichen Problemen helfen. In Brennpunktvierteln wie Gorbitz und Prohlis sind das vor allem - ursprünglich bundesfinanzierte - Programme wie KiNet, anderswo aber auch städtische Projekte wie "Aufwachsen in sozialer Verantwortung", in deren Rahmen stadtweit Sozialarbeiter das Personal in 32 Kitas verstärken.

Nach Ansicht von Siegert achten aber auch die Pädagogen nun sensibler auf Sprach- und Motorikprobleme der Kinder und geben Eltern Fördertipps. Überhaupt sieht die Medizinerin die größten Chancen für weitere Verbesserungen in der partnerschaftlichen Arbeit mit den Eltern. Dabei dürfe man Mütter und Väter nicht bedrängen, sollte ihnen aber beispielsweise vor Augen führen, wie wichtig es für die sprachliche und intellektuelle Entwicklung eines Kindes ist, dass daheim gelesen und vorgelesen wird, dass man gemeinsam am Abendbrottisch Probleme bespricht und dergleichen.

Sieht man sich die jüngsten Testergebnisse genauer an, wird auch deutlich, dass es weniger die therapeutisch-medizinischen Hebel waren, die zum Positivtrend beigetragen haben, sondern wohl eher die kleinen Alltagshilfen, die mittlerweile wie ein Auffangnetz in vielen Kindergärten gespannt sind. Denn vor allem die geringfügigen Befunde sind deutlich zurückgegangen. Vermerkten die Medizinerinnen 2004/5 beispielsweise bei jedem zehnten Kind kleinere Sprachdefizite, waren es bei der jüngsten Untersuchung nur noch 1,6 Prozent aller jungen Probanden. "Dort kann man eben viel leichter ansetzen als bei den ernsthafteren Befunden", erklärte Siegert.

Auch im Landesvergleich haben sich die Dresdner Bemühungen um die Förderung der Vorschulkinder sichtbar ausgezahlt: Lagen die Sprach- und Motorikdefizite sächsischer und Dresdner Kinder im Schuljahr 2006/07 noch auf gleichermaßen hohem Niveau, hat sich die Landeshauptstadt inzwischen von diesem Trend abgekoppelt - in vielen Tests schneiden die Dresdner Kita-Kinder um zehn Prozentpunkte besser ab als ihre Altersgenossen in anderen Teilen des Freistaates.

Allerdings ist das Bild auch innerhalb der Stadt nicht einheitlich: In Brennpunktvierteln wie Prohlis, Gorbitz und Johannstadt liegen die Sprach- und Motorikdefizite der Vierjährigen teils stark über dem Dresden-Durchschnitt. Beispiel Sprachauffälligkeiten: Da ermittelte der KJÄD für die Stadt insgesamt eine Quote von 26,5 Prozent, in Johannstadt waren hingegen 37,7 Prozent der Kinder betroffen, in Gorbitz 41,7 Prozent und in Prohlis sogar 55,7 Prozent. Immerhin sind die Werte in Prohlis etwas gesunken, während sie in Gorbitz und Johannstadt zugelegt haben.

Die Medizinerinnen des KJÄD gehen einmal jährlich in nahezu jede Kita in Dresden und untersuchen dort alle vierjährigen Kinder, soweit die Eltern ihr Einverständnis gegeben haben. Die Mädchen und Jungen werden dort im Beisein ihrer Eltern oder Erzieherinnen in einer spielerischen Situation zum Beispiel aufgefordert, Stäbchen zu zählen, Farben zu erkennen, Pseudowörter nachzusprechen, zu malen und auf einem Bein zu springen, um ihren sprachlichen, motorischen und kognitiven Entwicklungsstand abzuschätzen. Hinzu kommen objektive Hör- und Sehtests. Zuletzt nahmen daran rund 4100 Kinder teil, Tendenz steigend. Die Untersuchung ist damit repräsentativ.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.02.2013

Heiko Weckbrodt

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