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Dresdner Jobcenter-Chef Jan Pratzka: Aufschwung ist im Hartz-Sektor angekommen

Dresdner Jobcenter-Chef Jan Pratzka: Aufschwung ist im Hartz-Sektor angekommen

Frage: Bei ihrem Dienstantritt sagten Sie, dass Langzeitarbeitslose zu wenig am Nachkrisen-Aufschwung teilhaben. Jan Pratzka: Bei uns hat sich die Zahl der Arbeitslosen binnen eines Jahres um 12,2 Prozent verringert.

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Quelle: PR

Frage: Bei ihrem Dienstantritt sagten Sie, dass Langzeitarbeitslose zu wenig am Nachkrisen-Aufschwung teilhaben. Hat sich das geändert?

Jan Pratzka: Bei uns hat sich die Zahl der Arbeitslosen binnen eines Jahres um 12,2 Prozent verringert. Bei der Arbeitsagentur, die die kurzzeitig Arbeitslosen betreut, war der Rückgang mit 19 Prozent zwar relativ stärker. Aber in absoluten Zahlen gesehen waren bei uns im vergangenen Jahr deutlich weniger Menschen arbeitslos, nämlich 2530 Dresdner weniger. Das zeigt: Der Aufschwung ist auch bei unseren Klienten angekommen.

Dabei hört man doch aus der Wirtschaft immer: All die Jobs für Hilfs- arbeiter, für Verpacker und Helfer, die per Automatisierung wegrationalisiert worden sind - die kommen nie wieder. Und unter den Jobcenter-Klienten sind doch viele Niedrigqualifizierte...

Das stimmt nur zum Teil. Zum einen haben wir auch Akademiker unter unseren Klienten, die nur noch keine Anrechte auf Arbeitslosengeld I erworben haben. Andererseits hat auch die Nachfrage für Hilfsarbeiter um 432 Stellen zugelegt. Aber im Grundsatz ist es schon richtig: Die Wirtschaft fragt jetzt in erster Linie nach Fachkräften.

Wie viele Ihrer Klienten haben denn keinen Berufsabschluss

Laut unsere jüngsten Kundenpotenzialanalyse etwa 31 Prozent.

Wollen mehr in Weiterbildung investieren

Wenn sich die Nachfrage weiter in Richtung Qualifizierte verschiebt - wie wollen Sie diesen Menschen helfen?

Weiterbildung ist für uns in diesem Jahr ein zentrales Thema, da wollen wir mehr hinein investieren. Denn Niedrigqualifizierte sind die ersten, die wieder auf der Straße stehen, wenn es mit der Wirtschaft bergab geht. Wir werden 14 Prozent mehr Weiterbildungen anbieten. Da geht es zum Beispiel um den Erwerb des Schweißerpasses, spezielle Qualifikationen für SAP-Computerprogramme bis hin zu Ausbildungen für Gesundheits- und Pflegeberufe.

Subventionierte Billigjobs rückläufig

Hmm, das kostet doch was - wo kommt das Geld her?

Wir planen, innerhalb unsere Haushaltes Mittel umzuschichten und werden zum Beispiel weniger Ein- Euro-Jobs und Arbeitsgelegenheiten anbieten.

Sozialbürgermeister Martin Seidel legt viel Wert auf "Bürgerarbeit", für die die Arbeitslosen bis zu 900 Euro im Monat bekommen und nicht nur eine Aufwandsentschädigung wie bei den "Ein-Euro-Jobs". Ist es Ihnen gelungen, die 800 Plätze, die für Dresden avisiert waren, zu bekommen und zu besetzen?

Inzwischen sind 873 Bürgerarbeitsplätze beantragt. Davon sind jetzt 545 besetzt, weitere Bürgerarbeiter folgen bis Mai 2012.

Was haben Sie da für Arbeitslose ausgesucht und was machen die konkret?

Das sind vor allem Leute, die es bisher besonders schwer hatten, eine Arbeit zu finden. Sie bieten jetzt zum Beispiel in Kitas zusätzliche Kreativkurse an, betreuen unser Kinderzimmer für Jobcenter-Kunden, helfen in Vogelschutzvereinen und auf Naturspielplätzen, unterstützen Schulbibliotheken, bauen eine Internetplattform für den Sport in Dresden mit auf - die Liste ist lang.

De facto subventioniert das Jobcen- ter auch Stellen in der freien Wirtschaft: Niedriglohnjobs, die so gering bezahlt werden, dass der Staat etwas für den Lebensunterhalt drauflegt - ein bundesweit umstrittenes Modell, das in den vergangenen Jahren immer mehr um sich griff. Hat sich dieser "Aufstocker"-Sektor weiter ausgedehnt?

Nein, die Zahl dieser Aufstocker ist bis zum September 2011 - neuere Auswertungen liegen noch nicht vor - sogar um drei Prozent auf 9443 gesunken.

Sie hatten sich auch mehr Hilfe für arbeitslose Alleinerziehende auf die Fahnen geschrieben. Hat sich da etwas bewegt?

Wir haben einige spezielle Maßnahmen für Alleinerziehende aufgelegt, eine Beauftragte für Chancengleichheit bei uns eingesetzt und wir arbeiten in diversen Netzwerken mit. Das sorgt zum Beispiel für eine höhere Kontaktdichte. Und Erfolge sind sichtbar: Die Arbeitslosigkeit unter Alleinerziehenden ist überproportional zurückgegangen.

Krippenlücke erschwert die Vermittlung

Gerade für Alleinerziehende ist es bei einem Jobangebot ja besonders wichtig, dass sie einen Kita-Platz bekommen. Wie wirkt sich generell der starke Krippenplatzmangel in Dresden auf Ihre Vermittlungsbemühungen aus?

Wir finden zwar immer wieder mal Einzelfalllösungen, aber der Krippenmangel ist tatsächlich ein wachsendes Problem. Ich sehe auch die Bemühungen der Stadt, das Dilemma zu lösen, aber im Moment passiert es immer öfter, dass wir selbst in dringlichen Fällen keine Lösung finden. Unsere Vermittlungsarbeit wird dadurch natürlich erschwert.

Auch Langzeitarbeitslose profitieren jetzt spürbar vom Wirtschaftsaufschwung, meint der Dresdner Jobcenter-Chef Jan Pratzka. Auch der Vormarsch subventionierter Billigjobs auf dem regulären Arbeitsmarkt ist anscheinend vorerst gestoppt. Pratzka will daher in diesem Jahr mehr in Weiterbildungen seiner Klienten investieren, um sie für echte Jobs fit zu machen, "Ein-Euro-Jobs" werden dafür eingedampft. DNN-Redakteur Heiko Weckbrodt fragte Patzka über dessen Pläne für 2012, die "Bürgerarbeit" und die Kaskadeneffekte der Dresdner Krippenlücke aus.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.01.2012

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