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Dresdner Gründer wollen Millionenstädte in aller Welt vom Feinstaub befreien

Umwelttechnologien Dresdner Gründer wollen Millionenstädte in aller Welt vom Feinstaub befreien

Der Architekt Dénes Honus hat 2014 gemeinsam mit drei weiteren Gründern die Firma Green City Solutions gestartet. Das Forbes-Magazin hat ihn in die Liste der 30 wichtigsten Jungunternehmer Europas aufgenommen. Im Interview erzählt er von Erreichtem und ehrgeizigen Plänen, wie dem, in Städten mit mehr als zehn Millionen Einwohnern das Problem Feinstaub zu lösen.

Dénes Honus hat gemeinsam mit drei Mitstreitern 2014 das Start-up Green City Solutions gegründet und verfolgt ehrgeizige Ziele.

Quelle: GCS

Dresden. Der Architekt Dénes Honus hat im März 2014 gemeinsam mit dem Gartenbau-Ingenieur Peter Sänger, dem Medieninformatiker Zhengliang Wu und dem Maschinenbauingenieur Victor Splittgerber die Firma Green City Solutions gegründet. Seitdem macht das kleine Start-up weltweit Werbung für den „Citytree“, einen Luftfilter aus Pflanzen, der die Feinstaubbelastung in Städten verringern soll und außerdem als Sitzgelegenheit und WLAN-Hotspot dienen kann. Seit Anfang dieses Jahres steht der Firmenchef auf der Liste der 30 wichtigsten europäischen Jungunternehmer in seinem Segment – herausgegeben vom renommierten US-amerikanischen Forbes-Magazin. Wir sprachen mit ihm über die Wirkung der Auszeichnung und über Zukunftspläne.

Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Ankunft in der Forbes-Liste. So eine Auszeichnung kann sicher ein Türöffner sein. Ist das aber für den Chef eines Unternehmens, das noch so klein ist, nicht auch mit einem kaum zu erfüllenden Erwartungsdruck verbunden?

Dénes Honus: Mir wäre es lieber gewesen, wir wären bei Forbes als Team gelistet. Unser Erfolg entsteht ja aus dem Zusammenwirken völlig unterschiedlicher Berufsfelder. Aber die Forbes-Regeln sind nun einmal so, dass nur Einzelpersonen auf die Liste kommen. Natürlich steigt der Erwartungsdruck enorm, aber mit der wachsenden Bekanntheit wachsen fast noch schneller die Möglichkeiten, Erwartungen zu erfüllen. Ich habe in den letzten Wochen eine Unmenge an Kontaktanfragen erhalten, aus denen viele interessante Kooperationen entstehen könnten.

Sie versprechen eine Lösung für ein weltweites Problem, haben enorme Aufmerksamkeit und viele Auszeichnungen bekommen. Wo stehen denn nun die „Citytrees“?

Erste feste Installationen gibt es bereits in Dresden, Jena und Oslo. In Reutlingen und Hongkong werden in den nächsten Monaten weitere „Citytrees“ aufgebaut. Mit Leipzig, Berlin, Dresden und Hamburg sind wir in Gesprächen für größere Projekte. Insgesamt stehen wir mit rund 50 Städten in Europa, Asien und Amerika in Kontakt.

Das klingt nach viel Arbeit, die vier Gründer allein gar nicht bewältigen können...

Ja, wir haben inzwischen acht weitere Mitarbeiter, einige davon über ein Förderprojekt der EU zur Datenerfassung für die Luftreinhaltung, das im gesamten ersten Halbjahr 2016 läuft. Das ist eine tolle Sache, denn wir können damit unsere Luftfilter so ausstatten, dass sie nicht nur auch als Werbemittel und WLAN-Hotspots nutzbar sind, sondern außerdem ihre Wirkung auf die Luftqualität der Umgebung dokumentieren und Vergleichswerte liefern können.

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Vier junge Dresdner wollen die Millionenstädte der Welt vom Feinstaub befreien. Dafür haben sie Luftfilter aus Pflanzen entwickelt, von denen einer soviel Schadstoffe aus der Luft filtern kann wie 275 Straßenbäume.

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Sie werben damit, dass einer ihrer „Citytrees“ soviel Feinstaub aus der Luft filtern kann wie 275 Straßenbäume. Wie viele davon müssten aber in einer Großstadt stehen, um die Feinstaubwerte nachhaltig zu senken?

Das haben wir für unsere Projektvorschläge berechnet. Für Berlin Mitte zum Beispiel wären es 116. Und Leipzig könnte mit rund 200 „Citytrees“ sein Problem mit den EU-Grenzwerten beim Feinstaub lösen.

Über welche Investitionssummen sprechen wir da?

Die Preisobergrenze für einen „CityTree“ liegt bei rund 25 000 Euro. Bei vielen gleichzeitigen Installationen treten Effekte auf, die den Stückpreis günstiger machen. Nehmen sie das mal 200 und rechnen Sie die 20 Millionen Euro gegen, die zum Beispiel Leipzig pro Jahr für die Luftreinhaltung ausgibt, oder die 700 000 Euro pro Tag die der Stadt bei Überschreitung der EU-Grenzwerte drohen.

Sie sprechen immer von großen Projekten in anderen Städten, sind aber bei der Initiative „Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt“ als Dresdner Idee gelistet – gilt der Prophet im eigenen Land wenig?

Auch in Dresden ist man an unserer Idee interessiert. Erst kürzlich hatten wir ein Gespräch mit der Referentin des Oberbürgermeisters. Es sieht so aus, als könnte bald eine zweistellige Zahl unserer „Citytrees“ hier stehen.

Und wo werden die Dresdner die im Stadtbild finden?

Erst einmal an so genannten Hotspots, an denen die Feinstaubbelastung besonders hoch ist – wie an der viel befahrenen Bergstraße. Wir sind der festen Ansicht, dass die dabei gewonnenen Messwerte Überzeugungskraft in Richtung weiterer Installationen entfalten werden.

Sie haben in einem Interview einmal als Ziel formuliert, dass bis spätestens 2020 eine Megacity flächendeckend mit Ihrer Umwelttechnik ausgestattet sein soll. Ich interpretiere Megacity mal als Millionenstadt?

Was wir unter Megacity verstehen, geht bei zehn Millionen Einwohnern los.

Dann klingt aber vom Stand jetzt aus gesehen, ein solches Ziel ziemlich utopisch...

Wir sind in Kontakt mit großen Städten in China, Indien und Mexiko und guter Dinge, es zu erreichen.

Riesiges Marktpotenzial im Ausland, selbst in der deutschen Version Ihrer Website viele Texte auf Englisch – müssen wir uns darauf einrichten, dass Green City Solutions demnächst auswandert?

Nein. Der Hauptsitz unserer Firma wird auf jeden Fall in Deutschland bleiben. Wir legen großen Wert auf unsere Kultur und unsere Werte und hängen alle mit dem Herz an Dresden. Entwickeln können wir auch von hier aus für den internationalen Markt. Wir haben hier ja schon ein internationales Team mit Mitarbeitern aus China, Polen und der Ukraine. Bei der Produktion sieht das anders aus. Es hätte wohl – auch mit Blick auf den Umweltschutz – wenig Sinn, zum Beispiel „Citytrees“ für Indien hier zu bauen und sie dann dorthin zu transportieren.

Haben Sie gar keine Angst, dass eine Idee mit solchem Potenzial von einem Marktkonkurrenten mit erheblich größerem Budget einfach kopiert wird?

Nein, wir haben einen gewaltigen Wissensvorsprung durch die Kooperation mit Forschungseinrichtungen, die nur mit uns zusammenarbeiten. Unsere Patente und im Patentierverfahren befindlichen Technologien bestätigen den Fortschritt. Es gibt viele Stadtbegrüner, viele Werbefirmen und Umwelttechniker. Aber mit unserer Kombination dieser Gebiete, von der wir überzeugt sind, sind wir die ersten auf dem Markt, und wir wollen auch die letzten sein. Wenn es irgendjemand schafft, das, was wir können, aus dem Nichts heraus nachzumachen, dann macht nicht er etwas falsch – dann haben wir etwas falsch gemacht.

Citytree

Umweltfreundliches Werbemittel , das über eine vertikale Begrünung (Blütenpflanzen, Gräser, Moose) Feinstaub aus der Luft filtern kann

erreicht die Filterleistung von 275 Straßenbäumen

einsetzbar auch auf versiegelten Flächen , auf denen keine Bäume gepflanzt werden können

filtert den Feinstaub und andere Schadstoffe in einer Höhe über dem Erdboden aus der Luft, in der Menschen atmen. Bäume wachsen, so dass nach einiger Zeit in dieser Höhe nur noch der Stamm ohne Filterleistung ist.

Von Holger Grigutsch

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