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Dresdner Forscher erhält Manecke-Preis und arbeitet an Wirkstoff-Liefersystem für den Körper

Dresdner Forscher erhält Manecke-Preis und arbeitet an Wirkstoff-Liefersystem für den Körper

Der aus Russland stammende Forscher Dr. Leonid Ionov entwickelt derzeit im "Leibniz-Institut für Polymerforschung" (IPF) in Dresden eine Art Paketpostdienst für die Zustellung von Stammzellen und Medikamenten im menschlichen Körper: Aus Polymeren - also Kettenmolekülen aus Kohlenstoff-Wasserstoffverbindungen - konstruiert er winzig kleine "Mikro-Origami", die sich ähnlich wie die namensgebende japanische Papierkunst selbstständig zusammenrollen und wieder auseinanderfalten - und am Zielort im Körper die Wirkzellen, die sie in ihrem Innern transportiert haben, freisetzen.

Ein ähnliches Prinzip hatte er bereits bei der Konstruktion mikroskopisch kleiner Polymer-Bürsten eingesetzt, für die er nun den diesjährigen "Georg-Manecke-Preis" der "Gesellschaft Deutscher Chemiker" erhält.

Für seine Mikro- und Nano-Konstruktionen orientierten sich Ionov und sein Team am Vorbild Natur, zum Beispiel an der Venusfliegenfalle, die sich blitzschnell zuklappt, wenn ein unvorsichtiges Insekt zu nahe an ihren "Schaufeln" geraten ist. Ähnlich reagieren auch seine "Mikro-Origami" auf gewisse "Trigger", also Auslöser. Bei niedriger Temperatur falten sich seine Polymerfilme zusammen und kapseln so zum Beispiel eine Zelle ein. Steigt die Temperatur, entrollen sich die organischen Origami und lassen die Zelle wieder frei.

"Diese Technik könnte man beispielsweise als Liefersystem einsetzen, um Stammzellen zu transportieren", sagte Ionov. Denn oft genug stehen Genetiker und Mediziner vor dem Problem, bestimmte Wirkstoffe oder eben Stammzellen durch die Abwehrmechanismen des Körpers zum Beispiel genau zu einem Tumor zu schleusen, damit sie erst dort ans Werk gehen.

Die zuvor von Ionov entwickelten schaltbaren Polymerbürsten wiederum können zum Beispiel winzige Flüssigkeitskanäle öffnen oder schließen und so etwa das Wachstum bestimmter Zellen beeinflussen oder als biologische Sensoren dienen. Dr. Ionov hatte von 1994 bis 1999 an der Moskauer Lomonossow-Universität Chemie studiert, bevor er 2002 nach Dresden kam. Seit 2009 ist er Gruppenleiter am Institut für Physikalische Chemie und Physik der Polymere des IPF. Der Georg-Manecke-Preis erinnert an einen Wegbereiter der Polymerforschung, den Berliner Chemieprofessor Georg Manecke (1916-1990). Heiko Weckbrodt

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.08.2012

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