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Dresdner Forscher: 18 krebserregende Stoffe in jedem Drink

Dresdner Forscher: 18 krebserregende Stoffe in jedem Drink

Der Durchschnitts-Europäer konsumiert täglich Alkohol in einer Menge, die Krebs auslösen kann. Zu diesem Ergebnis kamen Dresdner Wissenschaftler bei einer Studie für das europäische Forschungsprojekt "Amphora".

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Mit Sorge betrachtet der Dresdner Professor Jürgen Rehm vom Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie den Alkoholkonsum. Er forscht zum Zusammenhang zwischen Alkohol und Krebs und will die Verfügbarkeit alkoholischer Getränke einschränken. Der Verkauf an Tankstellen ist für ihn "der größte Quatsch, den es gibt".

Quelle: Christian Juppe

Die DNN sprachen mit Jürgen Rehm, der die deutschen Forschungen leitet, und ließ sich erklären, warum schon zwei Gläser Wein in der Woche verheerende Folgen haben können.

Von Katrin Tominski

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Warum interessiert sich die EU dafür, wie viel die Europäer trinken?

Tabak und Alkohol gelten als Risikofaktoren für die Volkskrankheiten, an denen allein in Deutschland Millionen Menschen erkrankt sind. Während Aufklärungskampagnen über das Rauchen und das Nichtraucher-Gesetz in den vergangenen Jahren erfolgreich gewesen sind und zu einem reduzierten Tabakkonsum geführt haben, wurde das Thema Alkohol eher am Rande behandelt. "Doch wir haben mehr und mehr bemerkt, dass sich der Alkoholkonsum gravierend auf die öffentliche Gesundheit auswirkt", erklärt Professor Rehm, der mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammenarbeitet. Die WHO sei lange Zeit der Meinung gewesen, nicht beide Industrien gleichzeitig angehen zu können. Das habe sich nach dem Erfolg der Anti-Tabak-Kampagnen geändert. "Jetzt knüpfen wir uns den Alkoholkonsum vor", erläutert der Forscher. Wissenschaftler aus über 15 europäischen Ländern recherchierten im EU-Forschungsprojekt "Amphora", wie sich Alkoholkonsum auf die öffentliche Gesundheit auswirkt.

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Was sind die Ergebnisse des Forschungsprojekts?

"Wir haben herausgefunden, dass Alkohol Krebs verursachen kann", sagt Rehm. "In jedem alkoholischen Getränk sind 18 krebserregende Stoffe." Die meisten seien allerdings in einer so niedrigen Dosis vorhanden, dass sie nicht relevant sind. Der einzige wirklich für das Entstehen von Krebs relevante Stoff ist nach den Erkenntnissen der Forscher der reine Alko- hol. Er kann zu Krebs vieler Arten führen. Betroffen sind vor allem die Organe des Verdauungstraktes, durch welche die Alkoholika ihren Weg nehmen.

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Wie viel Alkohol können wir ohne Risiko trinken?

Würden die gleichen Maßstäbe wie bei der Beurteilung von krebserregenden Stoffen in Lebensmitteln angesetzt, dürfte jeder Einzelne nicht mehr als drei Drinks im Jahr zu sich nehmen. "Innerhalb einer selbst gesetzten Risikobewertung liegen wir bei maximal zwei Drinks in der Woche", sagt Rehm. Alles darüber sei krebserregend.

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Müssen die Menschen jetzt in alkoholischer Askese leben?

"In Europa ist der Alkohol kulturell verankert, die Abstinenz zu fordern wäre eine große Dummheit", erklärt Rehm. Wichtiger sei es, den eigenen Konsum kritischer zu reflektieren, einzuschränken und Alkohol weniger verfügbar zu machen.

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Trinken wir zu viel?

"Die Menschen haben die Tendenz, ihren Konsum zu beschönigen", erläutert Rehm. "Die Wahrheit liegt nicht in Umfragen, sondern in Verkaufszahlen." Europäer trinken durchschnittlich etwa 12 Liter reinen Alkohols pro Jahr. Die Deutschen liegen mit knapp 13 Litern - das entspricht etwa 800 Flaschen Bier oder 153 Flaschen Wein - seit Jahren über dem Durchschnitt. Damit zählt Deutschland zu den fünf Ländern weltweit, die den höchsten Alkoholkonsum aufweisen. Stark gestiegen ist der Anteil der jugendlichen Trinker.

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Wird Alkohol unterschätzt?

"Ja, definitiv", erklärt Rehm. "Nur etwa zehn Prozent der alkoholkranken Menschen werden behandelt." Selbst bei Depressionen liege die Behandlungsrate mittlerweile bei 30 Prozent.

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Welche Konsequenzen hat die Studie?

"Wir haben EU und Bundesregierung vorgeschlagen, Alkohol-Werbung zu verbieten und die Verfügbarkeit einzuschränken", erklärt Rehm. "Was wollen Sie auch mit Alkohol an der Tankstelle? Das ist der größte Quatsch, den es gibt."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.11.2012

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