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Dresdner Flutschutz: Die Hälfte ist geschafft

Dresdner Flutschutz: Die Hälfte ist geschafft

Stadt, Land, Bund und EU haben seit dem Jahrhunderthochwasser vom August 2002 etwa 128,6 Millionen Euro in den Flutschutz von Dresden investiert.

Stadt, Land, Bund und EU haben seit dem Jahrhunderthochwasser vom August 2002 etwa 128,6 Millionen Euro in den Flutschutz von Dresden investiert. "Damit haben wir einen Grundschutz erreicht", erklärte Jens Seifert vom Umweltamt. Doch sei erst die Hälfte geschafft: Noch mal so viel Geld verbauen die Ämter in den nächsten Jahren, um die Lücken im Dresdner Osten zu schließen, die Weißeritz weiter zu bändigen und Dresden auch vor starken Fluten zu schützen.

Von Heiko Weckbrodt

Beispiel Elbe: Unter Federführung des Landes wurden am Strom etwa 38,5 Millionen Euro investiert. Die "Abdichtung" der Innenstadt war eines der ersten Projekte. Außerdem wurden das Elbbett aufgebaggert sowie eine Eishalle und zwei Brücken in Flutrinnennähe abgerissen. Die Deichverstärkung im Westen ist noch im Gange.

Beispiel Dresdner Osten: Nachdem die Laubegaster und andere Anwohner massive Dämme und Flutmauern abgelehnt hatten, soll nun ein System vieler kleiner Barrieren kommen. Die Stadt will noch im Sommer eine Firma mit den Feinplanungen beauftragen. Wann genau was und wie teuer gebaut wird, ist noch unsicher. Erste Schätzung: Der Flutschutz könnte 2022 stehen und um die sieben Millionen Euro kosten.

Beispiel Weißeritz: Die Landestalsperrenverwaltung wollte den Fluss - der am 12. und 13. August 2002, bevor die Elbe anstieg, in Dresden für die meisten Überschwemmungen sorgte - "nur" für ein Hochwasser ertüchtigen, wie es statistisch gesehen alles 200 Jahre einmal kommt (= "HQ 200"). Die Stadtverwaltung erbat sich aber einen Schutz vor 500-Jahres-Fluten ("HQ 500"). Der Kompromiss: Die Weißeritz wurde bisher für ein Jahrhundert-Hochwasser (HQ 100) ausgebaut, so vergrößerten Arbeiter das Flussbett in Plauen und Löbtau, ertüchtigten den Weißeritzknick an der Nossener Brücke und verlegten Brücken neu. Bis 2020 wird die Weißeritz für HQ 500 weiter ausgebaut. Das kostet in Summe 30 Millionen Euro, wegen ihrer Extrawünsche steuert die Stadt davon 13 Millionen Euro bei.

Beispiel Kaitzbach: Der Bach fließt aus dem Dresdner Süden über den Großen Garten in die Elbe. Für solche "Gewässer 2. Ordnung" ist die Stadt selbst zuständig und hat hier 3,25 Millionen Euro verbaut, um den Bach HQ-100-tauglich zu machen. Dazu gehörten zehn Schutzprojekte, darunter das neue Regenrückhaltebecken im Kaitzer Loch, das bis zu 16 000 Kubikmeter Wasser zurückstauen kann. Dabei verfolgte das Amt einen Öko-Ansatz, setzte zum Beispiel alte Kopfweiden um, damit der "Eremitenkäfer" (legendär, da er bundesweit schon viele Großbauprojekte durch seine bloße Anwesenheit verhindert hat) lustig weiter krabbeln kann.

Beispiel Koitschgraben: Der ist als Blasewitz-Grunaer Landgraben und Leubnitzbach bekannt, seine Flutsicherung kostete bislang 1,1 Millionen Euro. Auch hier agierten die Öko-Planer: Neben dem Reicker Plattenbauviertel am Otto-Dix-Ring zum Beispiel verwandelten sie das einst eingetrogte Bächlein wieder in einen Land- und Dorfteich mit Spielgelegenheiten für Kinder und einem unbefestigtem Ufer-Wanderweg. Letzterer passt indes nicht jedem: "Warum schottert ihr das nicht? Hier komm ich mit dem Rollator doch nicht durch. Und die Bänke könnten auch mal wieder gestrichen werden. Aber da ist ja die Gagfah zuständig. Aber hörn'se mir auf mit der Gagfah...", schimpfte etwa eine Rentnerin lautstark just in dem Moment, als Umweltbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) die Flutschutzarbeit seiner Mannen in Reick besichtigte.

Beispiel Pumpwerk Johannstadt: Neben der Altstädter Rampe der Waldschlösschenbrücke hat die "Stadtentwässerung" für 13 Millionen Euro ein Pumpwerk gebaut, das bei Starkregen und Hochwasser bis zu 18 000 Liter Regenwasser pro Sekunde aus der Kanalisation in die Elbe drücken kann. Dort entstand auch ein Regenrückhalte-Becken mit 12 000 Kubikmetern Volumen.

Beispiel Grundwasser: "Dagegen kann man sich technisch kaum schützen", räumt Dr. Kirsten Ullrich vom Umweltamt ein. Zwar können pumpengerüstete Absenkbrunnen helfen: Sie saugen Grundwasser in die Elbe, wenn die Lage kritisch wird. Diese Anlagen sind aber so teuer in Bau und Betrieb, dass es nur wenige rings um historisch besonders wertvolle Bauten wie Semperoper, Schloss und Frauenkirche gibt.

Alternativ rät Ullrich zur Eigenvorsorge: Eigenheim-Keller beispielsweise nicht wasserdicht, sondern so zu konzipieren, dass man sie im schlimmsten Fall volllaufen lassen kann - immer noch besser, als wenn das Grundwasser eine superdichte Kellerwanne samt Haus aushebelt.

Auch hat die Stadt ein Netz von 63 Grundwasser-Messstellen gebohrt. Die melden größtenteils automatisch die Grundwasser-Stände an die Internetseite www.dresden.de/grundwasser.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.08.2012

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