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Dresdner Flüchtlingslotse: „Für alles gibt es irgendwie eine Lösung“

Einen Monat im Amt Dresdner Flüchtlingslotse: „Für alles gibt es irgendwie eine Lösung“

Robert Bitterlich koordinierte als Flüchtlingslotse am Universitätsklinikum Carl Gustav die medizinische Versorgung von fast 130 Asylbewerbern pro Monat. Für die Uniklinik und die Flüchtlinge eine enorme Erleichterung.

Robert Bitterlich koordiniert von seinem kleinen Büro im Uniklinikum aus die medizinische Versorgung von Flüchtlingen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Das Dresdner Pilotprojekt des Flüchtlingslotsen am Universitätsklinikum Carl Gustav läuft seit einem Monat (DNN berichteten). Robert Bitterlich hat in diesem Zeitraum als Case Manager, auf deutsch Fallbearbeiter, bisher 100 bis 130 kranke Asylbewerber an Stationen vermittelt, ihre Kostenrückerstattung abgewickelt oder ihnen Dolmetscher zur Seite gestellt. Der Case Manager fungiert als Schnittstelle zwischen dem Uniklinikum, den Patienten und unzähliger externer Stellen. Das bedeutet für Bitterlich: Telefonieren, ausfüllen, beantragen, begleiten, erklären, nachforschen, übersetzen, zuarbeiten – kurzum – jedes anfallende Problem bei der medizinischen Versorgung von Asylsuchenden zu lösen.

„Für alles gibt es irgendwie eine Lösung,“ so der gelernte Medizinmanager, „Ich freue mich schon freitags auf die nächste Woche, weil ich nie weiß, was am Montag wieder auf meinem Schreibtisch liegt.“ Für einfache Kostenrückerstattungen braucht er nur 15 Minuten. Ein Papierkrieg, welcher den behandelnden Ärzten vorher viel Zeit kostete. Zeit die sie jetzt wieder in die Behandlung ihrer Patienten investieren können.

Die Bearbeitung komplizierter Fälle, wie psychotherapeutische Behandlungen, chronische Erkrankungen oder die Verlegung von Kindern raus aus den Erstaufnahmeeinrichtungen, verschlingen schon mal einen halben Arbeitstag. Robert Bitterlich muss in diesen Fällen mit den Behörden über die Kosten verhandeln und sich mit dem DRK über die alternative Unterbringung der Flüchtlinge absprechen. Er muss Dolmetscher und Termine organisieren.

Wenn es zum Äußersten kommt, muss sich der Flüchtlingslotse auch um die Beerdigung eines Verstorbenen kümmern. Keine leichte Aufgabe für Bitterlich, vor allem da die einzige islamische Begräbnisstätte nach muslimischen Ritus in Berlin liegt – ein Information die erst einmal recherchiert werden muss. Bevor er mit seiner Arbeit anfing, ging zuweilen für diesen bürokratischen und organisatorischen Spießrutenlauf die Schicht eines Arztes, einer Krankenschwester und einer Sekretärin drauf.

„Man merkt, dass die Stelle unbedingt gebraucht wird, von der Uniklinik und natürlich von den Patienten“, erklärt der Flüchtlingslotse die Bedeutung seiner Stelle. „Ich muss den Ärzten, wie den Flüchtlingen viel erklären. Beispielsweise, dass man zu einem Termin pünktlich kommt oder das die Patienten nicht immer ihre Krankenakte dabei haben – die Flüchtlinge haben ja keine vergleichbare Versorgung in ihren Heimatländern.“ Auch die Behörden müssen manchmal von der Notwendigkeit einer Behandlung überzeugt werden, damit sich der Gesundheitszustand der Patienten nicht durch lange Warte- oder Antragszeiten verschlechtert, so Bitterlich. Untätigkeit aufgrund bürokratischer Hürden erzeuge nicht nur unnötiges Leid, sondern verursache auch höhere Folgekosten für das Gesundheitssystem.

Das Uniklinikum hat Bitterlich für seine Arbeit ein kleines Büro zur Verfügung gestellt und ihm wurde die Flüchtlingsbeauftragten Heike Vogelbusch zur Seite gestellt. Sie bereitete den Flüchtlingslotsen ab Dezember auf seine Arbeit vor, machte ihn in den verschiedenen Stationen bekannt und . Zusammen haben sie sich intensiv in das Thema eingearbeitet und ein eigenes Handbuch ihrer Erfahrungen in Form eines Wikis angelegt. Das spart zusätzliche Zeit und zur Not kann Vogelbusch die unentbehrlich gewordene Arbeit übernehmen, falls Bitterlich krank wird oder in den Urlaub fährt. Um die Flüchtlinge nicht immer persönlich durch das Labyrinth des Uniklinikums begleiten zu müssen, hilft den Beiden in Zukunft ein„Bufdi“, welcher am Klinikum ein freiwilliges soziales Jahr absolviert.

Die Idee des Flüchtlingslotsen, wurde von Ärzten und Angestellten des Uniklinikums voran getrieben. Mit ihrer „Run-and-Roll“ Initiative sammelten sie während eines Spendenmarathon fast 70 000 Euro. Mit den Einnahmen wurde Robert Bitterlich angestellt. Darüber hinaus konnten vier Übersetzer-Tablets für die Notaufnahmen angeschafft werden. In Zusammenarbeit mit der Medizinischen Fakultät und der Stiftung Hochschulmedizin schuf das Uniklinikum fünf Stellen für Studentische Hilfskräfte, welche Arabisch, Persisch und Farsi sprechen, um jederzeit eigene Dolmetscher im Haus zu haben.

Der gut gefüllte Spendentopf reicht trotz aller Ausgaben dafür aus, den Flüchtlingslotsen noch bis zum nächsten Jahr zu finanzieren. Es wird aber höchstwahrscheinlich keinen zweiten „Run-and-Roll“ Lauf geben, zumindest nicht um die bereits vorhanden Stelle zu bezahlen. Dafür fehle den Initiatoren die Zeit und es würde zudem ein falsches Signal aussenden, so einer der Organisatoren. Jetzt liegt am Universitätsklinikum sich um die zukünftige Finanzierung dieses deutschlandweit einzigartigen Projektes zu kümmern.

Von Paul Felix Michaelis

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