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Dresdner Flüchtlingshelferin wird selbst zum Flüchtling

Ausweisung droht Dresdner Flüchtlingshelferin wird selbst zum Flüchtling

Als die Flüchtlingskrise im vergangenen Jahr akut wird und Deutschkurse auf einmal dringend benötigt werden, überlässt die in Dresden lebende US-Amerikanerin Dana Faye Housch nichts dem Zufall. Nun droht ihr aber selbst die Ausweisung aus Deutschland.

Dana Faye Housch auf einer Bank in der Hauptstraße. Die Amerikanerin hofft, dass es doch noch einen Weg gibt, damit sie in Deutschland bleiben darf.

Quelle: Stephan Hönigschmid

Dresden. Als die Flüchtlingskrise im vergangenen Jahr akut wird und Deutschkurse auf einmal dringend benötigt werden, überlässt die in Dresden lebende US-Amerikanerin Dana Faye Housch nichts dem Zufall. Anstatt auf Staat und Behörden zu warten, trommelt die 37-Jährige einfach Leute zusammen und fängt mit dem Unterricht an. Dank ihres ehrenamtlichen Engagements können aktuell 80 Flüchtlinge die „German Lessons for Refugees“ besuchen. Allerdings könnte es damit schon bald vorbei sein. Denn die Koordinatorin der Flüchtlingskurse hat ein Problem mit der Dresdner Ausländerbehörde.

„Obwohl ich mittlerweile seit 2009 in Dresden lebe und die Behörde den Aufenthaltstitel bereits vier Mal ausgestellt hat, möchte sie ihn auf einmal nicht mehr verlängern“, sagt sie und fügt an: „Die Bearbeiterin ist der Auffassung, dass ich aufgrund meiner freiberuflichen Tätigkeit eine unsichere Zukunft hätte.“ Vor allem Einkünfte, die sich in manchen Monaten auf dem Niveau eines Minijobs bewegen, werden als problematisch angesehen. Auch die Bestätigung, dass sie bei ihrem Freund lebt und keine Miete zahlen muss, überzeugt die Behörde nicht.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu wissen, dass Housch, die einen Abschluss als Germanistin hat und an privaten Sprachschulen Englischkurse für Geschäftsleute unterrichtet, zum einen als Amerikanerin nie ein Interesse hätte, dem Staat auf der Tasche zu liegen und es zum anderen gar nicht könnte. „Ich musste unterschreiben, dass ich keine Sozialleistungen beantragen darf. Ansonsten hätte ich sofort meinen Aufenthaltsstatus verloren“, sagt Housch, die in all den Jahren immer gearbeitet hat und dabei stets krankenversichert war.

Für die Ausländerbehörde ist das dennoch nicht ausschlaggebend. „Gemäß Paragraph 2 Absatz 3 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes ist der Lebensunterhalt eines Ausländers gesichert, wenn er ihn einschließlich ausreichenden Krankenversicherungsschutzes ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel bestreiten kann“, sagt der Sprecher der Stadt Dresden, Kai Schulz, auf Anfrage. Dabei sei es nach der einschlägigen Rechtsprechung der Verwaltungsgerichtsbarkeit auch unerheblich, ob die Leistungen tatsächlich bezogen werden, so Schulz.

Keine guten Aussichten also für Dana Faye Housch. Rein theoretisch würde ihr zwar noch ein letzter Strohhalm in Form der deutschen Staatsbürgerschaft, die sie aufgrund ihrer Vorfahren beantragen könnte, bleiben. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. „In diesem Fall müsste ich meinen US-Pass abgeben und dürfte nicht mehr in die USA einreisen. Weil meine Eltern noch in Alabama leben und sie im Alter auch mal meine Hilfe brauchen könnten, möchte ich das jedoch nicht“, erklärt die 37-Jährige.

Nachdem sie auch mit Hilfe eines Anwaltes bisher nichts erreichen konnte, lebt sie jetzt in der ständigen Angst vor der Abschiebung. „Ich habe mir hier in den vergangenen sieben Jahren ein Leben aufgebaut. Es macht mich traurig, wenn ich daran denke, dass ich das alles zurücklassen muss.“

Dass die Frage des Bleibens oder Gehens manchmal nur einen Mausklick entfernt ist, wird an einem Fehler der Dresdner Behörde deutlich. „Eigentlich war mein Aufenthaltstitel bereits im Februar 2015 abgelaufen. Bis zum Erhalt eines neuen habe ich eine sogenannte Fiktionsbescheinigung bekommen. Diese sollte am 16. Mai 2015 enden. Durch einen Eingabefehler des Bearbeiters stand dort aber plötzlich 2016.“ Man habe ihr dann gesagt, dass man das nicht mehr ändern könne, so Housch.

Traurig und verärgert über die ablehnende Haltung der Ausländerbehörde ist auch der emeritierte TU-Professor Ingo Kolboom, der Dana Faye Housch seit Langem kennt. „In ihrer Anfangszeit in Dresden war sie Untermieterin bei uns. Wir haben ein sehr enges Verhältnis. Sie sagt zu meiner Frau und mir Mama und Papa“, so Kolboom. In einem eindringlichen Brief hat er sich jetzt an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gewandt, um die Abschiebung doch noch zu verhindern.

Unter anderem schreibt er in seinem Brief: „Es kann nicht sein, und es ist – gerade in dieser politisch hochsensiblen Situation in unserer Stadt – der interessierten Öffentlichkeit auch nicht zu vermitteln, dass eine völlig integrierte Amerikanerin, die zudem arabisch stämmigen Flüchtlingen selbstlose Integrationshilfe leistet, ausgewiesen wird!“ Er selbst habe seinen Studenten immer eine positive Einstellung gegenüber der Gesellschaft vermittelt. „Aber wie soll man Idealist bleiben, wenn man solche Erfahrungen mit der Verwaltung macht“, so Kolboom.

Von Stephan Hönigschmid

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