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Dresdner Firmengründer Dr. Quendt im Alter von 75 Jahren gestorben

Erfolg mit Russisch Brot Dresdner Firmengründer Dr. Quendt im Alter von 75 Jahren gestorben

Der Gründer des größten Herstellers von Dresdner Christstollen, Hartmut Quendt, ist tot. Das bestätigte sein Sohn Matthias Quendt am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Hartmut Quendt hatte aus einem nach der Wende heruntergewirtschafteten Dauerbackwarenkombinat mit der Herstellung von Russisch Brot 1991 die Dr. Quendt Backwaren GmbH gemacht.

Naschen gehörte bei Dr. Quendt schon immer zur Philosophie, auch für den Gründer. Dass man die Buchstaben M und W beim Russisch Brot nicht findet, liegt aber nicht am Geschmack. Sie würden zu schnell zerbrechen.

Quelle: Archiv/Marian Günther

Dresden. So wie Hartmut Quendt ging es nach der Wende vielen erfahrenen Fachkräften in der DDR. Sie hatten durch ihr Wissen und Können dazu beigetragen, dass auch die sozialistische Mangelwirtschaft immer wieder Produktionserfolge verkünden konnte. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands und der Abwicklung der volkseigenen Betriebe und Kombinate standen sie im Alter um die 50 plötzlich vor der Perspektive, sich im besten Fall irgendwie bis zur Rente durchzuhangeln. Quendt gehörte zu jenen, die so überzeugt waren von ihrer Arbeit, dass sie nicht einfach klein beigaben, sondern einen riskanten Neuanfang wagten - mit viel Mut, ein paar Gleichgesinnten und einem Kredit.

Die Geschichte des promovierten Lebensmitteltechnikers ist untrennbar verbunden mit der Geschichte von Russisch Brot. Das Rezept dafür hatte der Dresdner Bäcker Ferdinand Friedrich Wilhelm Hanke bereits 1844 aus St. Petersburg mitgebracht und es schon ein Jahr danach auch an der Elbe gebacken. 140 Jahre später wollte die Partei- und Staatsführung das auch in der DDR und im sozialistischen Ausland beliebte Gebäck in großen Mengen produzieren lassen. Quendt – Lebensmitteltechniker an der TU Dresden – hatte ein Versuchslabor für Bäckereimaschinen eingerichtet. Er bekam den Auftrag, für den VEB Dauerbackwaren eine automatische Produktionsanlage für Russisch Brot zu entwickeln, das bereits seit 1959 wieder in Dresden hergestellt wurde. Die Anlage war gerade fertig, da kam die Wende.

Hartmut Quendt fragte bei der Treuhand an, ob er den VEB Rubro, der die schmackhaften Buchstaben produzierte, nicht selbst übernehmen könne. Er bekam die Erlaubnis, rettete seine Maschine vor der Verschrottung und gründete mit reichlich einem Dutzend ehemaliger Mitarbeiter die Dr. Quendt Backwaren GmbH. Am Anfang heißt es, sei er noch mit dem Lieferwagen selbst über die Dörfer gefahren und habe Läden beliefert. Doch schon 1992, er hatte die Marke „Dr. Quendt“ gerade schützen lassen, wurden auch westdeutsche Handelsketten auf das Gebäck aus Dresden aufmerksam.

Damit begann die Wachstumsgeschichte, die Dr. Quendt zu einer der bekanntesten Dresdner Traditionsfirmen werden ließ. 1994 wurde mit der Produktion von Dresdner Christstollen begonnen, 1999 kam mit den Schoko-Dominosteinen eine weitere Traditionsmarke hinzu. Herbert Wendler, der Erfinder der Dominosteine, war 1996 mit seiner Firma in Konkurs gegangen.

Im Jahr 2000 zog Dr. Quendt aus der Kaitzer Straße, in das neue Werk im Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee. 2006, nach 15 Jahren an der Spitze der Firma, übergab Hartmut Quendt die Geschäftsleitung an seinen Sohn Matthias. Der konnte die Erfolgsgeschichte fortsetzen. Die Belegschaft wuchs auf über 120 Mitarbeiter, der Jahresumsatz auf 21 Millionen Euro.

Am Wochenende ist Hartmut Quendt im Alter von 75 Jahren gestorben. Die vielleicht schwierigste Phase in der Firmengeschichte hat er zuvor noch miterlebt. Steigende Rohstoffpreise brachten die Firma 2013 in finanzielle Schieflage. Das Eigenkapital reichte nicht aus, um einen drohenden Liquiditätsengpass abzuwenden. Seit 2014 ist das Unternehmen deshalb nicht mehr in Familienbesitz. Die Aachener Lambertz-Gruppe hat es übernommen und damit neben Aachener Printen und Nürnberger Lebkuchen mit den Dresdner Christstollen die dritte führende Backwaren-Marke unter ihr Dach geholt. Allerdings ist die Sache auch irgendwie gut ausgegangen. Denn Matthias Quendt hat mit dem Verkauf an den potenten Investor ein wichtiges Ziel erreicht: das Unternehmen, die Arbeitsplätze, den Standort und die Traditionsmarken zu sichern – und damit auch das Lebenswerk seines Vaters zu bewahren.

Von Holger Grigutsch

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