Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Google+
Dresdner Firmen steuern 1,2 Millionen Euro für neue Kita bei

Dresdner Firmen steuern 1,2 Millionen Euro für neue Kita bei

Der Fachkräftemangel in der Wirtschaft offenbart seine positiven Seiten: Immer mehr Dresdner Unternehmen kaufen sich in neue Kitas ein, um ihren Mitarbeitern rare Krippenplätze zu sichern - und kofinanzieren so das aktuelle Kita-Programm der Stadt.

Voriger Artikel
Telekom und Stadt Dresden vereinbaren 54 Belegplätze in Dresdner Kitas
Nächster Artikel
Pagodenzelte sollen für winterliche Stimmung auf dem Dresdner Augustusmarkt sorgen

Von Heiko Weckbrodt

Hatten sich bis Ende 2011 Firmen und Forschungsinstitute rund 400 Kita-Plätze gegen entsprechende Beteiligungen gesichert, sind in diesem Jahr 221 Belegrechte von 38 Unternehmen in 14 Kitas hinzugekommen, teilte Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos) mit.

Im Gegenzug beteiligen sich die Firmen mit reichlich 1,2 Millionen Euro am jüngsten, rund neun Millionen Euro teuren Kitabauprogramm der Stadt, durch das bis zum Herbst 2013 rund 1700 neue Plätze entstehen sollen. Damit liegt Seidel unter seinem Plansoll: Eigentlich wollte er von der Wirtschaft etwa 1,8 Millionen Euro einsammeln. Der Sozialbürgermeister wertete seine Akquise-Resultate dennoch als Erfolg. Sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einzusetzen, werde für die Dresdner Unternehmen immer mehr zur "gelebten Realität", betonte er.

Jüngstes Beispiel ist die Telekomtochter "T Systems Multimedia Solutions", die in Dresden knapp 1000 Männer und Frauen beschäftigt. Für sie unterzeichnete Geschäftsführer Jens Nebendahl nun einen Vertrag mit Seidel, der den Telekom-Eltern 54 Plätze in neuen Kitas an der Konkordienstraße und der Heidestraße sichert. Im Gegenzug beteiligt sich das Unternehmen mit etwa 351 000 Euro netto an den Investitionen.

"Natürlich haben wir viel mehr Anfragen bei uns im Unternehmen, insofern ist dies nur eine Linderung, keine Lösung des Krippenproblems", räumte Nebendahl ein. Er stellte aber Nachverhandlungen mit seiner Konzernzentrale in Aussicht, um im kommenden Jahr vielleicht weitere Belegrechte zu erwerben. "Die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben ist für uns ein äußerst wichtiges Thema", sagte der T-Systems-Manager. Auch im "War for Talents" (Kampf um fähige Köpfe) gewinne die Aussicht auf einen Kita-Platz als Lockmittel für potenzielle neue Mitarbeiter an Bedeutung. Vergeben werden sollen die Plätze hausintern aber gerecht und nach Dringlichkeit, betonte Nebendahl - durch eine eigens eingesetzte Platz-Vergabekommission.

Die Internetagentur der Telekom ist nicht die erste in Dresden, die das so sieht. So hatten sich in den vergangenen Jahren unter anderen das Uni-Klinikum, Infineon und die Max-Planck-Forscher Belegungsrechte in Kitas gegen Entgelt gesichert. In der jüngsten Runde stießen zum Beispiel die TU, die Sparkasse und die Agentur "Sandstein" dazu. Strickmuster: Sie zahlen 5000 Euro pro Platz (für auswärtige Kinder sind 10 000 Euro fällig, um untätige Nachbargemeinden abzustrafen) und dürfen sie mit Mitarbeiter-Kindern besetzen.

Diese Firmen sicherten sich vor allem Plätze in den 16 neuen Container-Kitas, die die Stadt ab heute aufbaut. Die erste dieser "Mobilen Raumeinheiten" (MRE), wie sie im Verwaltungs-Slang heißen, geht im Januar 2013 ans Netz, drei folgen Mitte Februar, sechs im März, vier im Juli, je eine im April und November, wie Kita-Eigenbetriebs-Chefin Sabine Bibas nun ankündigte. Zusammen mit regulären Neubauten und Miet-Krippen sollen sie dafür sorgen, dass Dresden ab August 2013 den Rechtsanspruch auf Krippenplätze erfüllt. Derzeit klafft in Dresden noch eine Krippen-Lücke von etwa 2500 Plätzen.

Wirtschaft muss sich beteiligen

Aus einer Renaissance des Modells "Betriebs-Kindergarten" à la VEB wird wohl nichts: Die Zeitarbeitsfirma DIS ist die einzige geblieben, die sich einen Kindergarten gebaut hat. Auch "T-Systems" hatte eine Betriebs-Kita erwogen - und verworfen. Zudem spricht es Bände, dass Martin Seidel bei der Geldakquise für seine Container-Kitas nur auf 67 % Planerfüllung kam. Die Unternehmen scheuen eben jährliche Fixkosten, wie sie eine echte Betriebs-Kita verursacht, wie der Teufel das Weihwasser. Doch wenn über "Belegungsrechte" betriebskita-ähnliche Strukturen wachsen, ist dies als pragmatische Teillösung für die Krippenfrage nur zu begrüßen. Nun über Privilegien für Eltern zu lamentieren, die sich zu Lasten anderer über ihre Arbeitgeber in die Krippen "einkaufen", ginge an der Praxis vorbei: Jeder privatwirtschaftlich kofinanzierte Platz ist ein Problem weniger für Dresdner Eltern. Und da viele Firmen von den "weichen Standortfaktoren" Dresdens profitieren, sollten mehr Arbeitgeber diesen Weg gehen und sich - über die üblichen Steuerzahlungen hinaus - an der Linderung des Krippenengpasses beteiligen.

h.weckbrodt@dnn.de

Von Heiko Weckbrodt

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.11.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
19.08.2017 - 14:46 Uhr

Die Blumenstädter bleiben nach der 0:1-Heimniederlage weiterhin sieglos / Sven Michel erzielt das Tor des Tages

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.