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Dresdner Firma Heliatek plant ab 2015 Großfertigung organischer Solarzellen

Dresdner Firma Heliatek plant ab 2015 Großfertigung organischer Solarzellen

Die Dresdner Firma "Heliatek" hat die Großproduktion ihrer organischen Solarzellen um ein Jahr auf 2015 verschoben. Es habe sich gezeigt, dass potenzielle Finanziers erst einige Praxiseinsätze dieser noch jungen Technologie sehen wollen, bevor sie die nötigen 60 bis 70 Millionen Euro Investitionen für den Fabrikausbau bereit stellen, schätzte Heliatek-Technikchef Martin Pfeiffer ein.

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Physik-Doktor und Technikchef Martin Pfeiffer zeigt eines der biegsamen organischen Solarmodule aus der Dresdner Heliatek-Fabrik.

Quelle: Dietrich Flechtner

Das Dresdner Unternehmen gilt weltweit als Nummer 1 der organischen Photovoltaik und das sehen auch Anleger so: Ein - nicht genannter - neuer Investor hat sich bereit erklärt, den laufenden Betrieb bis Ende 2015 zu finanzieren. Ab 2016 erwartet die Firma eigene Gewinne.

Allein die schiere Größe der Anlage, die in der ehemaligen PC-Montagefabrik von Schäfer-IT in Dresden-Mickten vor sich hinbrummt, ist beeindruckend: Zwei Stockwerke hoch, ein Koloss aus Stahl, Vakuumkammern, Lasern und anderen Hightech-Aggregaten. Rötlich schimmert hochenergetisches Licht an den Ecken, ab und zu ist ein schrilles Klingeln oder ein Grummeln zu hören, wenn Laser oder Pumpen anspringen. Fotografieren ist hier streng verboten. "Damit die Konkurrenz in Asien nicht auf die Idee kommt, das nachzubauen", sagt Pfeiffer und blinzelt schelmisch.

Produziert wird hier in einer Art Vakuum-Rollendruck eine echte Innovation: Solarmodule auf Folien, die nicht aus starrem Silizium bestehen wie herkömmliche Photovoltaik-Zellen, sondern aus kleinen organischen Molekülen. Und die sind biegsam, können sich jeder Form anpassen. Sie sind auch durchsichtig produzierbar, was heißt: Die Dresdner wollen gemeinsam mit Partnern die Scheiben von Wolkenkratzern, Villen und Autos so verkleiden, dass man immer noch durchschauen kann, ganze Fassaden aber so zu Sonnenstromsammlern werden.

Erste Praxisobjekte sind bald fertig. So will ein Stadtmöblierer demnächst im europäischen Ausland Bus-Haltstellen mit den organischen Solarzellen verkleiden, damit die den Strom für elektronische Anzeigen und Licht autark produzieren. Ein ähnlich ausgerüstetes Fabrikgebäude in Deutschland soll im März betriebsbereit sein, eine Tennishalle mit Heliatek-Modulen ist in Planung. Auch mit Automobil-Herstellern und -Zulieferern verhandele man, um Autodächer demnächst mit durchsichtigen Organiksolarglas zu versehen, sagt Pfeiffer.

Das große Interesse an der Dresdner Technologie wird nicht zuletzt von staatlichen Vorgaben getrieben. So sollen laut einer EU-Richtlinie Neubauten ab 2020 extrem energiesparsam errichtet werden. "Dämmung allein wird da nicht reichen, dazu bedarf es aktiver Elemente wie Photovoltaik", schätzt der Heliatek-Technikchef ein. Auch Autohersteller stehen unter Druck, den Verbrauch ihrer Wagen zu senken und den Stromverbrauch der ausufernden Bordelektronik aufzufangen.

Dafür drängen sich organische Solarzellen auf, da sie transparent und anschmiegsam ganze Fahrzeuge und Gebäude überziehen könnten. Und die Dresdner können als weltweit einzige solche Solarfolien in nennenswerten Mengen liefern. Denn Hauptkonkurrent "Konarka" aus den USA ist inzwischen pleite, seitdem stufen die Marktforscher von "IDTechEx" Heliatek als Weltmarktführer ein.

Allerdings ringen auch die Dresdner noch mit den Nachteilen der Organiktechnologie: Während ausgereifte Silizium-Solarzellen etwa 22 Prozent der einfallenden Lichtenergie in Strom umwandelt, liegt diese Ausbeute in den Heliatek-Laboren bei 10,7 Prozent, in der Serienfertigung bei fünf Prozent. Auch sind die Heliatek-Module noch recht teuer in der Herstellung. Verringern wollen die Dresdner diesen Abstand zur Klassiktechnik in ihrer nächsten Fabrikausbau-Stufe, für die sie rund 70 Millionen Euro benötigen - die Hälfte für eine neue Massenfertigungsanlage, die statt 30 Zentimeter breite Solarfolien bis zu 1,20 Meter breite Bänder beschichten kann - und Effizienz, Ausbeute und Kosten verbessern dürfte.

2014 werde man sich nun darauf konzentrieren, mit der derzeitigen Anlage und zusammen mit Partnern Referenzobjekte zu realisieren, um potenziellen Investoren zu zeigen, was in der neuen Technologie steckt und zu beweisen, dass sie in der Praxis funktioniert, kündigte Pfeiffer an. Ende 2014 wollen die Heliateker dann das Geld für den Fabrikausbau beisammen haben, die Großanlage 2015/ 2016 hochfahren, die Belegschaft von derzeit 75 auf 100 Mitarbeiter vergrößern - und dann endlich Profite erwirtschaften.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.01.2014

Heiko Weckbrodt

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